Halberstadt

Harzturnhalle wird Kavallerieschule

Burkhard Sinna, Landwirt aus Westerhausen, ist seinem Projekt, die seit Jahrzehnten ungenutzte Halberstädter Harzturnhalle zu einer „Historischen Kavallerieschule“ umzubauen nach eigenen Angaben ein Stück näher gekommen. Die Stadt bestätigt, noch 2021 soll der Entwurfsplan im Stadtrat behandelt werden.

Von Jörg Endries
Burghard Sinna arbeitet seit fast drei Jahren am Vorhaben, die verwaiste Harzturnhalle in Halberstadt zu sanieren und künftig als ?Historische Kavallerieschule? zu nutzen.
Burghard Sinna arbeitet seit fast drei Jahren am Vorhaben, die verwaiste Harzturnhalle in Halberstadt zu sanieren und künftig als ?Historische Kavallerieschule? zu nutzen. Jörg Endries

Halberstadt - Das Projekt Sanierung und Neunutzung der seit Jahrzehnten verwaisten und unter Denkmalschutz stehenden Harzturnhalle an der Harzstraße Halberstadts nimmt langsam Konturen an. Burghard Sinna, Landwirt aus Westerhausen und Vorsitzender des Kavallerievereins Harz, will dort eine „Historische Kavallerieschule“ errichten. Im September 2019 stellte er im Volksstimme-Gespräch seinen Plan vor. Seitdem habe sich viel getan, berichtet Burghard Sinna.

„Nach fast drei Jahren andauernden Planungsverfahren sind nun alle Gutachten und Stellungnahmen zum Projekt Harzturnhalle den zuständigen Ausschüssen vorgelegt und positiv beurteilt worden“, informiert Burkhard Sinna. Vor allem aus einem benachbarten Wohngebiet gab es kurz nach Bekanntwerden der geplanten Neunutzung der Halle als Pferdeschule Proteste.

B-Plan 2022 rechtskräftig

Einige Anwohner befürchteten eine Geruchsbelästigung. Die jetzt vorliegenden Gutachten widerlegen das, so Burghard Sinna. Im von der Stadt 2020 in Auftrag gegebenen Umweltbericht heißt es: „Geräusch- und Geruchsemissionen werden auf Grund der geplanten Nutzung entstehen, erhebliche Belästigungen oder Störungen werden jedoch mit geeigneten Mitteln auf ein vertretbares Maß reduziert. Dazu gehören die Regelung der Anzahl von Tieren, die gehalten werden, der Umgang mit Dung und die räumliche Verteilung der emittierenden Nutzungen. Diese Regelungen sind der verbindlichen Bauleitplanung vorbehalten.“

Der Bebauungsplan Harzstraße/Florian-Geyer-Straße für Pferdesport und Haltung sowie Jugendarbeit würde jetzt unmittelbar vor dem Abschluss stehen. Der Flächennutzungsplan, der vom Stadtrat Halberstadt zum Projekt Harzturnhalle geändert wurde, muss nach seinen Worten nur noch vom Landkreis Harz genehmigt werden.

Holger Wegener, Referent des Oberbürgermeisters, bestätigt: „Ziel ist es, im November 2021 den Entwurfsbeschluss in den Stadtrat einzubringen. Im Frühjahr kommenden Jahres könnte dann der Bebauungs-Plan je nach neuer Sitzungsschiene des Stadtrates rechtskräftig werden.“

Halberstadts Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU): „Herr Sinna hat ein interessantes Konzept mit therapeutischem Reiten und Angeboten für Jugendliche vorgelegt. Für die Stadt Halberstadt ist es wichtig, ein historisches Gebäude wie die Harzturnhalle nach Möglichkeit zu erhalten. Das Konzept kann eine dieser Möglichkeiten sein.“

Denkmal vor Verfall retten

„Das Konzept zur Nutzung der Halle als 'Historische Kavallerieschule' liegt nun vor. Der größere Teil soll Reithalle werden, der kleinere bleibt Turnhalle, vielleicht auch mit öffentlicher Nutzung“, berichtet Burghard Sinna. Ein ehemaliger Umkleidebereich soll nach der Sanierung als Wohngruppenbereich für benachteiligten Kinder und Jugendliche genutzt werden. Außerdem sei das benachbarte Objekt der ehemaligen Abfallwirtschaft in dem Bebauungsplan mit aufgenommen wurden. „Geschichtlich gesehen auch interessant, befindet sich auf der Fläche doch ein alter Pferdestall, in dem ehemals 50 Pferde des Infanterieregiments Nr. 12 untergebracht waren“, so der Westerhausener. Dieser Stall sowie die anderen verwaisten Wirtschaftsgebäude sollen ebenfalls wieder nutzbar gemacht und der „Historischen Kavallerieschule“ zur Verfügung stehen. Damit könnten nach der Sanierung unter anderem bis zu 30 Kinder und Jugendliche in Wohngruppen oder in einem Internat in Verbindung mit der Reitausbildung dort untergebracht werden. „So retten wir mit der Sanierung der alten Harzturnhalle nicht nur ein Baudenkmal vor dem weiteren Verfall, sondern fördern gleichzeitig noch die Jugend, den Sport und die alte Kavalleriereitkunst, die Teile unserer Geschichte und Kultur sind“, betont Burghard Sinna.

Verbindungen des Kavallerievereins Harz nach Halberstadt bestehen schon seit einigen Jahren. Seit 2009 beschäftigen sich die etwa 25 Mitglieder mit der Geschichte und der Tradition des einst in der Stadt ansässigen Kürassierregiments von Seydlitz. Vielbeachtete Vorführungen ihrer Reitkunst in historischen Kostümen gab es schon einige auf dem Domplatz. „Wir suchen nach Mitteln und Möglichkeiten, um die alte Gebrauchsreiterei und Kunst des Kavallerie-Reitsports durch die Förderung der Jugend zu erhalten“, betont Burghard Sinna. Er ist ein paarmal an dem Gebäude vorbeigefahren und bedauerte, dass es verfällt. Der alte Baustil und der geschichtliche Hintergrund würden sich hervorragend in das Projekt einfügen. „Ein Neubau wäre vielleicht sogar preiswerter, würde aber nicht zum Verein passen, der junge Menschen für den Pferdesport, Kultur, Geschichte und Tradition begeistern will“, so der Vereinsvorsitzende.

Stadt suchte Investor

Verzweifelt suchte die Stadt Halberstadt, die Eigentümerin der Sporthalle ist, seit vielen Jahren nach einen Investor mit einer Zukunftsvision für das Gebäude. Was sich angesichts des schlechten Bauzustands beziehungsweise der Nutzbarkeit sehr schwierig gestaltete. Die Harzturnhalle steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde um 1890 erbaut und diente einst dem Infanterieregiment Nr. 12 als Exerzierhalle. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Umbau in zwei Turnhallen, die dann bis in die 1990er Jahre als solche genutzt wurden.

Etwa 131 Jahre ist das Gebäude alt.    Der Leerstand tut der ehemaligen Sporthalle nicht gut.
Etwa 131 Jahre ist das Gebäude alt. Der Leerstand tut der ehemaligen Sporthalle nicht gut.
Fotos (2): Jörg Endries