Halberstadt l Das Thermometer zeigt mehr als 30 Grad Celsius an, am Himmel ist kaum ein Wölkchen zu entdecken – ideale Voraussetzungen für ein kühles Bad im Halberstädter See. Das dachten sich viele dieser Tage und ließen sich auch von dem geschlossenen Zaun am Eingang nicht von ihrem Vorhaben abhalten. Sie kletterten mit Sack und Pack über die Gitter. Am Dienstag, 15. September, waren es 500 bis 600 Personen, wie Rathaussprecherin Ute Huch berichtet.

Die Stadt Halberstadt ist Eigentümerin des Sees, Betreiber ist das Freizeit- und Sportzentrums (FSZ). „So etwas gab es noch nie“, sagt dessen Geschäftsführer Derk Barthel. Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und Rentner seien auf das Gelände eingedrungen. „Querbeet waren alle Altersgruppen vertreten. Es war sogar jemand mit einem Rollator dabei. Keine Ahnung, wie der überhaupt über den Zaun gekommen ist“, berichtet der Geschäftsführer. Er und seine Mitarbeiter seien bei einer Kontrollfahrt am See auf das Treiben aufmerksam geworden.

Und das ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. „Dabei handelt es sich um eine Straftat, um Hausfriedensbruch“, bestätigt ein Polizeisprecher auf Volksstimme-Nachfrage. Wie er informiert, könne das illegale Bade-Vergnügen eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe nach sich ziehen.

Badegäste reagieren meist ungehalten

Jedoch haben Stadt und FSZ dieses Mal davon abgesehen, die Polizei zu rufen. „Wir haben die Personen aufgefordert, das Gelände zu verlassen“, berichtet Derk Bartel. Die Reaktionen der ungebetenen Gäste seien teils ungehalten ausgefallen, nur selten sei Einsicht und Verständnis gezeigt worden.

„Wir machen das ja nicht, um die Leute zu ärgern, betont der FSZ-Geschäftsführer. Vielmehr habe er angesichts des überraschenden Sommerwetters der vergangenen Tage Verständnis dafür, dass viele Halberstädter Abkühlung am See suchten. Allerdings weist er eindringlich darauf hin, dass sich die Menschen in Gefahr begeben. Seit Jahren sei zu beobachten, dass die Anzahl der Nichtschwimmer steige. „Und wenn der See geschlossen ist, sind keine Rettungsschwimmer mehr vor Ort.“

Keine Rettungsschwimmer mehr am See

Die Festangestellten des FSZ seien bereits fest im Dienstplan des SeaLands eingeplant und können nicht spontan für den See abgezogen werden, wie Bartel erläutert. Bei den anderen Rettungsschwimmern, die im Sommer für Sicherheit am See sorgen, handelt es sich um Ehrenamtler der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) – die wiederum stehen dem FSZ nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Zudem sei die 10.000 Quadratmeter große Anlage des Sees bereits winterfest gemacht worden. So sei das Wasser in den Sanitärräumen abgestellt, einige Spielgeräte abgebaut, der Kiosk ausgeräumt worden. „Wir können das nicht von jetzt auf gleich rückgängig machen“, sagt Derk Bartel.

Seit dem 31. August ist der See geschlossen. „Es gab zwar Jahre, in denen wir in den September hinein geöffnet hatten, aber die Wetterprognosen für den Monatsanfang gaben dazu keine Veranlassung“, so Bartel. In der Saison wurden 23.600 – offizielle – Besucher gezählt.