Wasserburg ZiIly

Historische Mauer wird restauriert

Auf Zillys Wasserburggelände hat das nächste Sanierungsvorhaben begonnen. Eine historische Mauer wird restauriert.

Von Mario Heinicke
Schäden zeigen sich  vor allem am vorderen Teil der Mauer, hier sind durch den früheren Wall Steine herausgebrochen. Die Zehntscheune reichte einst bis nahe an den Bergfried im Hintergrund  heran.
Schäden zeigen sich vor allem am vorderen Teil der Mauer, hier sind durch den früheren Wall Steine herausgebrochen. Die Zehntscheune reichte einst bis nahe an den Bergfried im Hintergrund heran. Fotos (3): Mario Heinicke

Zilly - Es geht um Steine. 650 Kubikmeter Mauerwerk, 900 Quadratmeter Fugen. Zahlen, die mit dem Gemäuer der einstigen Zehntscheune auf dem Burggelände in Verbindung stehen. Historisch gesehen die Mauer der Vorburg, an die die vor etwa 50 Jahren abgerissene Scheune angebaut war.

Bis 2018 war ein großer Teil der Mauer durch einen Wall verdeckt gewesen. Und darin versteckt jede Menge historische Steine. Der Wall wurde abgetragen, die Steine können jetzt bei der Restaurierung der Mauer Verwendung finden.

Der mit Gras bewachsene Wall sah zwar gut aus, bot sich an zum Hinsetzen oder bei Schnee auch zu Rodeln. Er verdeckte aber die Geschichte dieser Anlage, wie Thomas Seltmann sagte. Für deren Erhalt und Sanierung setzt sich der Burg-Förderverein, deren Vorstandsmitglied Seltmann ist, seit fast 20 Jahren ein.

Mit dem Abtragen des Walls hätte man es bewenden lassen können, allerdings zeigte die nun freigelegte Mauer erhebliche Schäden auf. Vor allem in Form herausgebrochener Steine.

Bund übernimmt die Hälfte der Kosten

Vor einem Jahr hatte der Bund 90.000 Euro Fördermittel bewilligt. Die Zillyer waren positiv überrascht, dass ihr Antrag Zuspruch fand. Im Frühjahr kamen Lotto-Mittel hinzu, das Land machte die Finanzierung der insgesamt 180.000 Euro schließlich rund. Wobei der Verein selbst 22.000 Euro aufbringt. Geld, das er sich über die Jahre durch die selbstorganisierten Veranstaltungen auf dem Burggelände verdient hat.

Seit einem Monat steht die Finanzierung. Nun also geht es los. Vergangene Woche nahmen die Handwerker der Denkmalpflegefirma von Ansgar Teschner ihre Arbeit auf. Vor ihnen steht vor allem eine zeitraubende Fleißarbeit. Zunächst die unzähligen laufenden Meter Fugen, die hier nach der Wende aufgebracht wurden, aus dem Gemäuer herausbrechen. Begonnen wurde am Anschluss zum Turm. Ansgar Teschner möchte dort zunächst eine erste kleine Mauerfläche fertigstellen, um dann mit den Vertretern von Denkmalschutz, Stadt, Ortschaft und Verein abzustimmen, ob so fortgefahren werden soll.

Im Wesentlichen soll das Gemäuer auf ähnliche Weise gestaltet werden, wie die 2020 restaurierte Nordfassade des Palasgebäudes. Auch diese hatten Teschners Handwerker restauriert. Die jetzt begonnenen Arbeiten werden sich voraussichtlich bis ins nächste Jahr erstrecken. Die Förderbedingungen lassen bis Ende März 2022 Zeit.

Die aus dem Wall freigelegten Steine können dann auch für die geplanten neuen Mauern verwendet werden. Der Umriss der Zehntscheune soll mit einer etwa einen halben Meter hohen Mauer sichtbar gemacht werden. Eine Lücke in dem alten Vorburg-Gemäuer wird mit einem Bogen geschlossen. Und vor der historischen Mauer werden jene Teile wieder aufgebaut, auf denen früher die Deckenbalken fürs erste Geschoss der Scheune lagen.

Bei den Freilegungsarbeiten 2018 war auch der alte Scheunenboden wieder ans Licht gekommen. Dessen Pflastersteine bleiben sichtbar, Fehlstellen sollen wahrscheinlich mit Erde und Gras aufgefüllt werden. Manches bei diesen Arbeiten ist im Fluss und wird erst später im Detail entschieden.

Klar ist aber, dass die alte Tränke aus Sandstein, die ebenfalls vor drei Jahren ausgegraben wurde, ihren neuen Platz behält. Für den Burgverein der „Prunkstück“.

Erlebbare Harzer Regionalgeschichte

Thomas Seltmann könnte sich vorstellen, dass diese Zehntscheune auch für den Geschichtsunterricht der Schulen interessant sein könnte. Um bei der Gelegenheit zu erläutern, was ein Zehnt (eine Art Steuer) überhaupt war. Und überhaupt gibt es auf der Burg vieles aus der Harzer Regionalgeschichte zu sehen und zu erzählen. Gehörte diese doch über die Jahrhunderte den Grafen von Wernigerode, vom Regenstein sowie dem Halberstädter Domkapitel. Vergangenen Sonntag erst hatte der Burgverein wieder Führungen veranstaltet. Das Interesse war groß, vier Rundgänge kamen zusammen. Überwiegend waren es Auswärtige, die die fast 700 Jahre alte Anlage kennenlernen wollten.