Halberstadt l In den seit Jahrzehnten verwaisten Wasserturm an der Wehrstedter ­Brücke in Halberstadt soll wieder Leben einziehen, wünscht sich Eigentümer Jörg Lindemann. Für Schlagzeilen sorgte der Verkauf des Bauwerks, das als eines der Wahrzeichen Halberstadts über die Grenzen der Stadt bekannt ist. Im Oktober 2017 wechselte der Eigentümer. Im Anschluss wurde es still um den Wasserturm. Spannung versprach damals bereits die Frage, was der neue Eigentümer mit dem ­Einzeldenkmal vor hat? Die beantwortete Jörg Lindemann zum damaligen Zeitpunkt nicht. Warum? Es gab schlichtweg kein Konzept. Jörg Lindemann erwarb das Bauwerk kurzerhand aus dem Bauch heraus, weil er schon immer einmal einen Turm besitzen wollte und der Halberstädter ihm besonders gut gefiel.

16 Monate später gibt es leider immer noch kein schlüssiges Zukunftskonzept, bedauert der Mann aus Schönwalde-Glien bei Berlin. Daher verfolgt er ein anspruchsvolles Ziel. Gemeinsam mit den Halberstädtern für den Turm ein Nutzungskonzept zu finden. „Ich bitte alle, die dabei helfen wollen, um Vorschläge.“ Wichtig für ihn sei, dass das Denkmal für die Halber­städter künftig zugänglich ist. Lindemann weiß, dass die ­Bürger der Stadt das außergewöhnliche Bauwerk lieben. Dem will er Rechnung tragen.

Lindemanns Wunsch ist, dass an der exponierten Lage direkt an der vielbefahrenen B 81 in Halberstadt, dem Tor zum Harz, etwas Besonderes entsteht. Daher sei er für alle Ideen offen. Allerdings gebe es eine Einschränkung: „Der Einzug von Spielhallen oder Rotlicht-Einrichtungen ist ausgeschlossen.“

Standesamt im Wasserturm?

Gänzlich ideenlos ist der Turmeigentümer allerdings auch nicht. Er könnte sich zum Beispiel gut vorstellen, dass im Turm unter anderem eine Zweigstelle des Halberstädter Standesamtes einzieht und damit Ehen an diesem besonderen Ort geschlossen werden können. Platz zum Feiern sei vorhanden – direkt im Turm und davor.

„Ein sinnvolles Nutzungskonzept zu finden, ist auf Grund der Konstruktion und der Lage des Turms eine Herausforderung“, stellt der Immobilien-Fachmann fest. Er selbst und sein Team seien zugegeben ein wenig ratlos. Wirtschaftlichen Druck, den Wasserturm auf Teufel komm raus vermarkten zu müssen, gab es von Anfang an nicht. Unter dieser Voraussetzung habe er das Bauwerk, das einst Dampfloks mit Wasser versorgte, nicht erworben. Auch jetzt sei das nicht der Fall, betont Jörg Lindemann. Vom Stillstand habe er jedoch die Nase voll. Jetzt müsse Bewegung in die Zukunft des Turms kommen.

Im Mai möchte der Denkmal-Besitzer alle Interessierten Halberstädter zu einem „Treff am Turm“ vor und im Bauwerk an der Wehrstedter Brücke einladen. Er hofft, dass bis zu diesem Zeitpunkt bereits viele gute Nutzungsideen auf dem Tisch liegen. Über die Vorschläge soll während der Veranstaltung in lockerer Gesprächs-Atmosphäre bei Musik, Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten aus der Region diskutiert werden.

Drei beste Vorschläge werden prämiert

Im Anschluss wird die Gesprächsrunde ausgewertet. Die folgenden Sommerwochen sollen noch einmal intensiv zur Ideensammlung genutzt werden. Jörg Lindemann möchte allen Interessierten genug Zeit einräumen, um die möglichst beste Nutzung für den Wasserturm zu finden. „Die Kreativität der ­Ideengeber wird belohnt“, kündigt er an. Die drei besten Vorschläge will Lindemann prämieren. Die Gewinner sollen unter allen Teilnehmern bis Anfang September ermittelt werden.

Zur zweiten Diskussionsrunde am oder im Turm wird anlässlich des Tages des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, eingeladen. Der bundesweit stattfindende Tag steht unter dem ­Motto „Modern(e): Um­brüche in Kunst und Architektur“. Der Wasserturm und die Suche nach einem Nutzungskonzept würden gut dazu passen. Die Gewinner des Ideenwettbewerbs sollen ebenfalls an diesem Tag gekürt werden.

Halberstädter kümmert sich zehn Jahre um Turm

Im August 2017 entdeckte Jörg Lindemann in einem Versteigerungskatalog den Wasserturm an der Wehrstedter ­Brücke in Halberstadt. „Plötzlich bot sich die Chance, dass ich mir meinen Wunsch, Turmbesitzer zu werden, erfüllen kann.“ Der Unternehmer zahlte 37.000 Euro für den Wasserturm. Das Mindestgebot lag bei 19.000 Euro. Der Halberstädter ­Thomas Schwarz erwarb das technische Denkmal 2007 von der Deutschen Bahn. Er investierte viel Engagement und Geld in die Rettung des 1911 erbauten und bis 1989 zur ­Wasserversorgung von Dampflokomotiven genutzten Turms. Er empfahl dem neuen Besitzer, sich der rostenden Kugel anzunehmen. Der elf Meter im Durchmesser große und etwa 600.000 Liter fassende Behälter benötigt dringend einen neuen Anstrich.

Vorschläge zur künftigen Nutzung des Wasserturms bitte unter Kennwort „Wasserturm“ an Volksstimme Halberstadt, 38820 Halberstadt, Westen­dorf 6, senden. Oder per E-Mail an redaktion.halberstadt@volksstimme.de.