Halberstadt/Berlin l Der denkmalgeschützte Wasserturm an der Wehrstedter Brücke in Halberstadt hat am Donnerstag einen neuen Eigentümer gefunden. Für 37.000 Euro ging das mehr als 100 Jahre alte markante Bauwerk bei einer öffentlichen Immobilienversteigerung in Berlin an einen unbekannten Telefonbieter.

Damit verdoppelte sich fast der Einstiegspreis, der bei 19.000 Euro gelegen hatte. Nach einer ausführlichen Vorstellung des Objektes wurde der Einstiegspreis schnell überboten. Vier Interessenten im gut gefüllten Saal des Berliner abba-Hotels und zwei weitere am Telefon trieben den Preis in 1000-Euro-Schritten nach oben. Erst bei 32.000 und 36.000 Euro musste der Auktionator mit einem „zum Zweiten“ energisch den nächsten Schritt einfordern. Der kam dann von dem unbekannten Telefonbieter.

Ein Bieter mit Idee zur gastronomischen Nutzu

Unter den Bietern war auch Klaus Hartmann aus Groningen. "Ein schönes Objekt", schwärmte Hartmann, es als Werbeträger zu sehen wie derzeit tue ihm „ein bisschen weh“. Höher als 30.000 Euro wollte er am Donnerstag nicht gehen. Jetzt ist er neugierig, welche Idee der künftige Eigentümer hat. „Schauen wir mal, was andere hier machen.“

Für möglich hält Hartmann ebenso, dass der 34 Meter hohe und vier Ebenen umfassende Wasserturm schon bald wieder auf Immobilienplattformen im Internet auftaucht. Dort hatte das Industriedenkmal schon mal vor ein bis zwei Jahren Hartmanns Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Damals fehlte ihm allerdings die Idee, was er damit machen könnte. Jetzt hatte er sie und setzte sich mit seiner Frau ins Auto, um den Turm zu ersteigern – wurde aber überboten. Er selbst hätte gern „etwas Gastronomisches“ umgesetzt, sagt er.

Die Optionen scheinen auf den ersten Blick nicht sehr groß zu sein. Thomas Schwarz, der den Wasserturm vor etwas mehr als zehn Jahren von der Bahn erworben und nach eigenen Angaben rund 30.000 Euro investiert hatte, hatte im Volksstimme-Gespräch bereits auf einige der Schwierigkeiten hingewiesen. Unter anderem fehlt ein zweiter Rettungsweg, den man bei einer gastronomischen Nutzung wohl anbauen müsste.

Mehrere harte Nutzungsbedingungen

Aber das sind bei Weitem nicht die einzigen Einschränkungen, wie sich aus dem bei der Versteigerung am Donnerstag verteilten Exposé ergibt. Dass es auf den vier Ebenen weder Wasser noch Heizung gibt, erscheint dabei fast als kleineres Übel. Etwa die Hälfte der 2425 Quadratmeter großen Fläche, die gestern im Auftrag von Thomas Schwarz als bisherigem Eigentümer unter den Hammer kam, hatte Schwarz erst 2010 von der Stadt erworben – mit einer interessanten Auflage.

Danach muss der Eigentümer die 1325 Quadratmeter große Grünfläche pflegen unter Berücksichtigung der städtischen Empfehlungen. Anderenfalls könnte die Nutzung der Fläche als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme gefährdet sein, heißt es im Kaufvertrag. Auf dem Areal zu Füßen des Turms wurde eine spezielle Trockenrasenmischung mit hohem Kräuteranteil ausgesät. Durch den „Blütenreichtum haben solche Wiesen einen besonders hohen ökologischen Wert“, heißt es weiter. Gemäht werden darf erst nach Blüte und Samenreife. Auch 20 Jungbäume und Büsche muss der neue Eigentümer weiter pflegen. Bei einem Verstoß droht eine Rückübertragung des Grundstückes – eine entsprechende (Rückauflassungs-)Vormerkung enthält das Grundbuch.

Auch Thomas Schwarz hat dem nächsten Eigentümer eine kleine Hürde in den Weg gestellt – dieses Mal aber für den Wasserturm. An dem Gebäude darf bis Ende 2026 kein anderer Versicherer oder Finanzdienstleister werben als jener, für den er tätig ist. Auch diese Einschränkung soll sich demnächst im Grundbuch wiederfinden.

Keine leichte Entscheidung

Dass er den Turm zum Verkauf angeboten hat, hatte Schwarz mit den fehlenden Einnahmen zum Unterhalt des großen Gebäudes begründet. Seine Suche nach potenten Partnern, um den Turm auch wirtschaftlich nutzbar zu machen, blieben in den vergangenen zehn Jahren erfolglos. Er habe den Turm nicht leichten Herzens angeboten, sagte Schwarz gegenüber der Volksstimme. Er war gestern Abend von einem Mitbietenden vom Erfolg der Auktion unterrichtet worden, wusste bis Redaktionsschluss aber selbst noch nicht, wer der neue Eigentümer ist und mit welchen Absichten sich dieser an der Auktion beteiligt habe. „Ich habe das Ergebnis mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis genommen“, so Schwarz.