Baufhof

Katerstimmung nach Bauhof-Jubiläum

Die Jubiläumsfeier des Wernigeröder Bauhofs beschäftigt den Staatsanwalt. Grund: Fotos nackter Frauen waren zu sehen.

Von Dennis Lotzmann

Wernigerode/Halberstadt l Katerstimmung in Wernigerode: Die kürzliche Festveranstaltung aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des städtischen Bauhofs sorgt nicht nur für Diskussionen, sondern könnte sogar in ein juristisches Nachspiel münden. Die Staatsanwaltschaft in Halberstadt hat von Amts wegen einen Vorgang eingeleitet und die Akten an die zuständigen Kollegen in Halle weitergeleitet. „Dort muss geprüft werden, ob hier ein strafbares Verhalten vorliegt“, sagte Hauke Roggenbuck, Chef der Staatsanwaltschaft in Halberstadt.

Anlass für das staatsanwaltschaftliche Engagement sind Fotos, die am 20. Oktober während der Festveranstaltung in einer Fahrzeughalle des Bauhofs zu sehen waren. Zwischen belanglosen Bildern fanden sich auch diverse Fotos von unbekleideten Frauen, die in entsprechenden Stellungen posieren.

Dies hatte nach der Veranstaltung, bei der auch Mädchen und Jungen zweier Wernigeröder Kindertagesstätten mit einem Programm aufgetreten waren, bei verschiedenen Besuchern für Kritik gesorgt. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung, Jana Diesener, zeigte sich „fassungslos“, als sie wenig später von der Volksstimme mit den „nackten Tatsachen“ konfrontiert wurde. „Dass dort solche Bilder hängen, hat etwas Verletzendes und Würdeloses. Es zeugt von mangelndem Respekt gegenüber Frauen“, so Diesener.

Dass nun die Staatsanwaltschaft zumindest den Anfangsverdacht einer Straftat prüft, hänge mit jener öffentlichen Debatte zusammen, so Hauke Roggenbuck. „Hier könnte ein strafbarer Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz vorliegen. Die Staatsanwaltschaft, aber auch die Polizei, unterliegen dem Verfolgungszwang und sind verpflichtet, beim Bekanntwerden möglicher strafbarer Dinge tätig zu werden“, so der Oberstaatsanwalt. Zuständig sei die Zentralstelle zur Bekämpfung gewaltdarstellender, pornografischer und sonstiger jugendgefährdender Schriften in Halle. Von dort war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten.

In Wernigerode hat sich zwischenzeitlich der Bauhof-Chef in einer Aussprache entschuldigt, die Verwaltungsspitze hat festgelegt, dass derartige Bilder in Verwaltungsobjekten nichts zu suchen haben. Doch wie sieht es anderenorts aus?

„In unserem Bauhof – und nicht nur dort – sind derartige Bilder in öffentlich zugänglichen Bereichen nicht erst seit gestern absolut tabu“, so die Quedlinburger Verwaltungssprecherin Sabine Bahß. „Wir sind entsprechend sensibilisiert und setzen auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und Leiter.“ Apropos Leiter: Das Thema stelle sich im Quedlinburger Bauhof wohl schon deshalb nicht, weil er von einer Frau geleitet werde.

Wie sieht es in Blankenburg aus? Verwaltungssprecherin Jana Böhme möchte selbst diese Anfrage in schriftlicher Form eingereicht bekommen. Pragmatisch agiert derweil Uwe Duckstein, Chef des Technischen Eigenbetriebs Blankenburg (TEB): „Solche Bilder hängen bei uns dort, wo öffentliche Personen oder Gäste hinkommen könnten, nicht herum.“ In dieser Hinsicht gebe es schon immer eine klare Ansage. Zumal der TEB auch für die Friedhofsverwaltung zuständig sei. „Wir sind da sensibilisiert.“

Auch Heide Baumgärtner von den Harzer Schmalspurbahnen erinnert an die klare Order: „In öffentlich zugänglichen Bereichen hängen nur Sachen, die auch Kinder sehen können.“ Das gelte vor allem für die zugängliche Hauptwerkstatt. „Alles andere wird nicht geduldet.“