Verkehr wird wegen Vollsperrung über die Dorfstraße umgeleitet - Dadurch Schäden an Bordsteinen und Gehwegen

Kathendorf: Baustelle an der L 24 sorgt für Ärger

Von Anett Roisch

Kathendorf gleicht einer Großbaustelle. Im Auftrag des Abwasserverbandes Haldensleben hat der Bau der Schmutzwasserkanalisation begonnen. Anders als zuvor geplant, gibt es jetzt eine kurzzeitige Vollsperrung und eine Umleitung über die Dorfstraße. Kaputt gefahrene Gehwege sorgen nun für Ärger.

Kathendorf l Groß ist der Ärger bei einigen Kathendorfern wegen Schäden an den Bordsteinen und Gehwegen. Seit der kurzzeitigen Sperrung der Landesstraße (L) 24 in Höhe der Bahnhofstraße läuft der Verkehr über die Dorfstraße. "Eine Straßenlaterne wurde umgefahren und einfach nur wieder gerade gebogen", berichtete Oliver Widdecke, Mitglied im Kathendorfer Ortschaftsrat.

"Es heißt immer, wenn die Baufirma etwas kaputt macht, muss sie es auch wieder in Ordnung bringen", betonte Kathendorfs Ortsbürgermeisterin Heike Röhl. Dies bestätigte gestern Gerhard Hasler, Sachbearbeiter beim Abwasserverband Haldensleben: "Es wurde vor der Baumaßnahme eine Bestandsaufnahme mit Bildern der Verkehrsflächen und Nebenanlagen gemacht. So wie es vorher aussah, wird es wieder aussehen. Da sind wir in der Pflicht. Es werden aber nur Schäden, die in Zusammenhang mit der Baumaßnahme entstanden sind, beseitigt." Es ließe sich nach Haslers Ausführungen nicht vermeiden, dass Lastwagen, die nicht so fahren, wie es sein soll, Schäden anrichten. Inzwischen wurden Sperrschilder zum Schutz der Gehwege aufgestellt. Die Umfahrung führt mit einer Ampelregelung über die Dorfstraße. Das war ursprünglich nicht so geplant. Denn eigentlich sollte der Verkehr auf der L 24 immer halbseitig an der Baustelle vorbeigeführt werden. Doch unvorhergesehene Schwierigkeiten beim Tiefbau traten auf.

Hasler erklärte: "Ver- und Entsorgungsleitungen, die nicht in unserem Verantwortungsbereich sind, liegen nicht da, wo sie laut Bestandsplan sein sollten. Aber auch dieses Problem lösen wir."

"Es wäre schön, wenn wenigstens die Anwohner rechtzeitig Bescheid bekommen"

Jens Isensee, Mitglied im Kathendorfer Ortschaftsrat

Kritik wurde bei den Kathendorfern laut, dass Straßensperrungen nicht - wie versprochen - im Schaukasten veröffentlicht werden. "Es wäre schön, wenn wenigstens die Anwohner rechtzeitig Bescheid bekommen. Das war nicht so", ärgerte sich Jens Isensee, Mitglied im Kathendorfer Ortschaftsrat. Hasler sagte dazu: "Es gab Irritationen, was den Schaukasten betrifft. Aber wir werden uns weiter bemühen, die technologischen Änderungen, die sich beim Ablauf ergeben, jetzt relativ zeitnah im Schaukasten anzugeben."

Das Bauunternehmen hatte damals kurzfristig um eine Vollsperrung für Kathendorf gebeten. Eine totale Sperrung akzeptierte aber der Fachdienst Straßenverkehr des Landkreises Börde nicht.

Eine Umleitung würde über Calvörde, Jeseritz, Sachau, Mieste und Miesterhorst führen. Das wäre ein Umweg von mehr als 22 Kilometern. Die andere Richtung würde über Flechtingen, Behnsdorf und Weferlingen führen. Aber auch das würde nicht funktionieren, da demnächst der Kreisel am NP-Markt in Weferlingen gesperrt wird.

Alle Beteiligten suchten bei einer Bauberatung nach einem Kompromiss. "Die totale Vollsperrung ist nicht möglich. Der Bus muss durch Kathendorf fahren, damit die Kinder zur Schule kommen", beschrieb gestern Friedbert Kloß, Mitarbeiter im Fachdienst Straßenverkehr beim Landkreis Börde. Der Schulbus hätte nicht einmal eine Wendemöglichkeit.

Eine mögliche Variante wäre, wenn der Bauabschnitt an der Kreuzung Bahnhofstraße fertig ist, wieder die L 24 halbseitig zu sperren. Aber auch bei dieser Sperrung müssten bestimmte Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, damit die Bauarbeiter in ihrer Baugrube nicht gefährdet werden.

"Für die vorbeifahrenden Lkw und auch für die anderen Fahrzeuge brauchen wir eine Breite von 2,75 Meter. Ein vorhandener Schacht muss verlegt werden. Dann gehen die Arbeiter später auf die andere Fahrbahnseite, damit die vorgeschriebene Breite gegeben ist", erklärte Kloß. Er betonte, dass langsam - in Schrittgeschwindigkeit - im Baustellenbereich gefahren werden muss. Er wies als Mitglied der Sperrkommission darauf hin, dass die Vollsperrung auch nicht möglich sei, weil der Rettungsdienst im Notfall durch Kathendorf kommen muss.

Nach Haslers Bilanz liegt das Bauvorhaben noch im Zeitrahmen. Einige Kathendorfer Ortschaftsräte befürchten, dass sie einen eventuellen Mehraufwand später auf ihrer privaten Rechnung finden. Dem widersprach Hasler: "Die Satzung des Abwasserverbandes arbeitet nach dem Solidarprinzip des gesamten Verbandsgebietes. Die anfallenden Kosten für die aktuelle Baumaßnahme sind nicht identisch mit dem, was beitragsrelevant später auf die Rechnung geschrieben wird."

Voraussichtlich bis Mitte Juli soll der Verkehr noch über die Dorfstraße gehen. Dann ist wieder - wie ursprünglich geplant - die halbseitige Sperrung der L 24 vorgesehen.