Halberstadt l Auch wenn es gerade mild ist – es ist Winter. Ungeschützt, haben Katzenwelpen wenig Chancen, zu überleben. In der Gartensparte am alten Bahnbetriebswerk sind vor Kurzem fünf junge Kätzchen offenbar ausgesetzt worden, berichtet Evelyn Schiener. Die Magdeburgerin ist regelmäßig bei ihrer Familie in Halberstadt, die eine Parzelle in eben dieser Kleingartensparte bewirtschaftet.

Evelyn Schiener geht davon aus, dass die Tiere ausgesetzt wurden, weil die Kätzchen zahm seien. „Sie laufen einem nach und betteln um Hilfe“, berichtet sie und fragt: „Kann man denn gar nichts für die Tiere tun? Sie müssten ja zumindest kastriert werden.“

Kontakt zum Tierschutzverein Halberstadt hat Evelyn Schiener bereits aufgenommen, Vereinschefin Waltraud Hammer kennt die Sachlage. „Wir suchen nach einer Lösung“, sagt Hammer.

Verein braucht Hilfe

Wobei sie sich schon fragt, warum tierliebe Bürger, die im Garten zugelaufene Katzen füttern und beheimaten, diese dann aber nicht kastrieren ließen. Wenn dann die Welpen dieser gefütterten Katzen da sind, könnten sie diese meist nicht behalten – und überließen die jungen Tiere ihrem Schicksal.

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Einfach einfangen und an Familien abgeben, sei schwierig, sagt Hammer. „Die Unterbringung frei lebender Katzenkinder ist schwierig. Sie sind den Aufenthalt in vier Wänden nicht gewöhnt. Geschlossene Räume bedeuten Stress, sie können dadurch krank werden.“ Waltraud Hammer betreut mit ihren rund 60 Vereinsmitgliedern in Halberstadt neben den Fundhunden viele ausgesetzte Katzen. Sie schätzt, dass es mindestens 100 freilebende Katzen im Stadtgebiet gibt.

Keine Kapazität

„Unser Katzenhaus ist voll, wir können kein Tier mehr aufnehmen“, so die Halberstädterin. Zumal vor Weihnachten keine Tiere vermittelt werden, um ein unbedachtes „Tiergeschenk“ zu vermeiden, dass dann vielleicht kurze Zeit später wieder im Katzenhaus landet.

Angesprochen auf die Kastration der ausgesetzten Tiere, sagt Hammer: „Ein Anruf mit der Bitte um Unterstützung bei der Kastration einer zugelaufenen frei lebenden Katze ist möglich, um eine unerwünschte Population zu verhindern. Der Tierschutzverein hilft, wenn er das finanziell möglich machen kann.“

Aber da liegt die Krux. Zwar steuern Stadt Halberstadt und Kreisverwaltung einen Obolus bei, um die Kastrationen mit zu finanzieren, allein, das Geld reicht nicht. Dazu kommt, dass es Menschen braucht, die die Samtpfoten einfangen und zum Tierarzt bringen. Neben Geld und tatkräftiger Unterstützung würde auch die Betreuung der operierten Katzen helfen. „Wenn sich also Menschen bereitfänden, eine Pflegestelle einzurichten, würde das sehr helfen“, so Hammer.

Viele offene Fragen

Die Stadt unterstützt den Tierschutzverein, die Zusammenarbeit klappe gut, so Hammer. Aber anders als bei Hunden, von denen eine Gefährdung ausgehen kann, sei die Unterstützung in Sachen Katzen freiwillig.

Seit Jahren kämpfen die Tierschützer um eine Kastra­tionsverordnung, die Katzenhaltern vorschreibt, ihre Freigänger kastrieren zu lassen. Auch die Kastration der Streuner wäre dann besser geregelt und die Stadt müsste diesen Eingriff bezahlen.

Neue Aufgabe - kein Geld

Wobei das Geld nur eine Seite der Medaille ist, wie auf Nachfrage vom Rechtsamtsleiter Timo Günther zu erfahren ist. Der Bund hat im Tierschutzgesetz einen Paragrafen verankert, der den Ländern ermöglicht, eine Kastrationsverordnung zu erlassen. Sachsen-Anhalt reicht diese Ermächtigung an die Städte weiter, seit Mitte November ist eine entsprechende Verordnung des Landes in Kraft. Ohne dass für solch eine zusätzliche Aufgabe Geld zur Verfügung gestellt wird – was Städte- und Gemeindebund sowie Landkreistag unisono ablehnen. „Immerhin hat der Einspruch der Verbände dazu geführt, dass in drei Jahren geprüft wird, wie die Umsetzung erfolgt und ob dann Landesgeld fließt“, berichtet Günther.

Allein die Frage, wie eine Kastrationspflicht kontrolliert werden könne, sei derzeit völlig offen. „Wir müssen eine Reihe von Fragen klären, ehe wir dem Stadtrat eine entsprechende Satzung zum Beschluss vorlegen können“, sagt Günther.

Das wird dauern. „Vielleicht“, sagt Evelyn Schiener, „hilft es ja, wenn ein paar Leute jetzt spenden, damit die Katzen in der Gartenanlage kastriert werden können. Damit nicht in einem Jahr aus den fünf mehr als 50 Katzen geworden sind. Ich bin bereit dazu“.