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Leer stehende Häuser Lost Places in Osterwieck: Einst Drehort für George Clooney, jetzt dem Verfall preisgegeben

Zwischen Verfall und Aufbruch: In Osterwieck wechseln historische Häuser die Besitzer. Manche werden saniert, andere verfallen weiter. Wie es um die Lost Places steht.

Von Mario Heinicke Aktualisiert: 25.07.2025, 16:25
Kapellenstraße 11 und 12: Zwei Riesenhäuser, ein Eigentümer, der im Ausland lebt und nicht erreichbar ist.
Kapellenstraße 11 und 12: Zwei Riesenhäuser, ein Eigentümer, der im Ausland lebt und nicht erreichbar ist. Foto: Mario Heinicke

Osterwieck. - Mehr als 75 Häuser stehen in Osterwieck leer - teilweise Gebäude mit überraschender Geschichte. Was aus den Lost Places wird.

Auch wegen Sanierungsabsichten für das ehemalige Krankenhaus war im Jahr 2005 das 40 Hektar große Osterwiecker Sanierungsgebiet um den westlichen Bereich der Ernst-Thälmann-Straße erweitert worden. Zwischenzeitlich war das Objekt auch mal renoviert und genutzt worden, zurzeit steht es aber wieder zum Verkauf.

In der Gartenstraße ist der Leerstand differenziert zu betrachten. Als größeres Wohnhaus ist hier die Nummer 9 betroffen, ein Eckhaus zur Sackstraße. Dieses befindet sich nach Auskunft von Bauamtsmitarbeiterin Katrin Löhr in der Fremdverwaltung, was auf eine größere Eigentümergemeinschaft schließen lässt und nicht der einzige Problemfall dieser Art in der Altstadt ist.

Viele ungenutzte Wohnhäuser in Osterwiecks Gartenstraße

Während die Wohnhäuser der Gartenstraße im Abschnitt hin zur Neukirchenstraße im Wesentlichen bewohnt sind, gibt es auf der nördlichen Straßenseite viele ungenutzte, zur Nikolaistraße gehörende Hofgebäude. Für eines der größeren Gebäude, früher zu einer Fabrik gehörend, ist jetzt ein Eigentümerwechsel eingeleitet – mit Sanierungsabsichten.

Lesen Sie auch: Akute Einsturzgefahr: Historische Fachwerkhäuser in Osterwieck müssen abgerissen werden

Der neue Eigentümer habe auch ein angrenzendes Haus in der Nikolaistraße gekauft, berichtet Katrin Löhr. Sein Beispiel stehe noch für weitere Eigentümerwechsel in jüngerer Zeit, dass nämlich selbstständige Handwerker Häuser übernehmen und diese in Eigeninitiative – ohne Fördermittel – sanieren und vermieten.

Osterwieck: Wo George Clooney drehte

Im Hagen stehen eine ganze Reihe defekter Häuser. Am augenscheinlichsten vielleicht die Nr. 1 mit dem extrem schiefen Schwellbalken im Obergeschoss. Es war mal als eines der ersten Häuser in der Altstadt gesichert worden. Hier soll es einen neuen Eigentümer geben, der sich auch schon im Bauamt gemeldet hat.

Zwei Problemfälle sind die Nummern 8 und 9, von denen Teile augenscheinlich nahe am Verfallen sind. Ein Schild über einer Haustür erinnert noch daran, dass sie 2013 mit zur Kulisse des Hollywood-Filmdrehs mit George Clooney gehörten. Nach Information von Katrin Löhr sollen hier Verkaufsverhandlungen im Gang sein. Es könnte also bald einen neuen Eigentümer geben, der hier wirklich etwas schaffen möchte.

Ein prächtiges Beispiel für den niedersächsischen Fachwerkstil in Osterwieck wäre das zusammengehörende Objekt Hagen 21/22, wenn es denn nicht so traurig und farblos dastehen würde. Im Jahr 2016 war das Dach mit Blechen notgesichert und somit gerettet worden.

Katrin Löhr habe Kontakt zum neuen Eigentümer, berichtet sie. Das Objekt stand auch schon mal im Plan für eine Förderung. Zur Sanierung gekommen ist es bisher aber nicht. Wobei es auf dem Grundstück ein vom vorherigen Eigentümer eingerichtetes, bewohnbares Gartengebäude gibt.

Beim Haus Hagen 30 gebe es keine Verbindung zum Eigentümer, Hagen 35 sei jetzt verkauft worden, berichtet Löhr weiter.

Leerstand in Osterwieck: Hoffnung für Haus im Hagen 25

Hoffnung besteht weiter für Hagen 25. Dort soll der angefangene, aber lange ruhende Bau weitergehen. Katrin Löhr berichtet, dass der Eigentümer seinen Willen zur Sanierung erst vor zwei Monaten bekräftigt habe und zurzeit die Statik neu berechnen lasse. Auf deren Grundlage müssten aber noch neue Genehmigungen eingeholt werden. Es wird also noch einige Monate dauern, bis es weitergehen kann.

In der Kapellenstraße stehen doch einige Häuser leer, was aber angesichts inktakter Fassadenanstriche und Gardinen hinter Fenstern nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Unverkennbar ist der schlechte Zustand aber – neben der in Folge 1 erwähnten Nr. 5 – an den Gebäuden 11, 12 und 16.

Eigentümer unauffindbar

Die Fachwerkhäuser 11 und 12 haben seit einer Versteigerung im Jahr 2006 einen Eigentümer aus Irland. Zuvor hatte um das Jahr 2000 eine Investorengemeinschaft unter Beteiligung der städtischen Wohnungsgesellschaft versucht, dort einen Wohnpark mit barrierearmen Wohnungen zu schaffen, zumal die Grundstücksgrenze mitten durch das Hofgebäude verläuft.

Doch das Vorhaben ließ sich nicht wirtschaftlich realisieren, somit erfolgte der Verkauf. Seitdem verkommen beide Gebäude. Die Nr. 12 von 1551 ist immerhin das höchste Haus in der Straße, die Kapellenstraße 11 (1540) eines der wenigen in der Altstadt im gotischen Baustil. Es handelt also um zwei bedeutende Häuser, die aber auch äußerst finanzkräftige Eigentümer benötigen.

Da der irische Eigentümer für die Stadtverwaltung lange nicht erreichbar war, ließ sie auch schon dringend notwendige Reparaturen vornehmen. Vor gut zehn Jahren hatte der Eigentümer mal im Bauamt vorgesprochen. Doch seitdem herrscht Ruhe, ist keine Kontaktaufnahme mehr möglich, auch nicht über die in großen Lettern am Haustor der Nr. 12 angebrachte Mailadresse.

An der Nr. 16 wurden erst dieses Jahr Sicherungsarbeiten vorgenommen. Wobei der Eigentümer aus der Nähe kommt und das Objekt verkaufen möchte. Verkaufsabsichten sind auch für die Kapellenstraße 36, zuletzt mit einem Bastelladen darin, bekannt.