Halberstadt l Eine praktische Erfindung für alle, die gern sticken und nähen. Hübsch anzusehen ist die kleine Dose auch: zarte bunte Blüten auf weißem Grund, zwei Zentimeter im Durchmesser groß, zehn Zentimeter lang, der Rand glänzt golden. Gedacht ist sie zur Aufbewahrung für Nadeln. Das Döschen im Handarbeitskorb aufzubewahren wäre dennoch nicht ratsam, sagt Karl-Heinz Schmahl lachend. „Dafür ist sie viel zu wertvoll. Sie wurde um 1800 in Meißen hergestellt und ist mindestens 300, 400 Euro wert.“

Schmahl ist Antiquitätenhändler aus Halberstadt. In seinem Beruf sehe er immer wieder, dass es Laien schwerfällt, nostalgischen Krempel von echten Schätzen zu unterscheiden. „Manche haben wertvolle Gegenstände zu Hause und wissen davon gar nichts“, sagt der 79-Jährige. So kommen beim Aufräumen von Kellern und Dachböden längst vergessene Erbstücke zutage und so manch Silberdose in Großmutters Vitrine sieht nicht nur schön aus. Auf der anderen Seite halten Leute aber auch Schmuck und Gemälde für kostbarer, als sie sind.

Nächste Bewertung für den 17. April geplant

Schnickschnack oder Schatz? Wer sich diese Frage stellt, sollte sich Freitag, 17. April, im Kalender markieren. Zwischen 14 und 18 Uhr laden Karl-Heinz Schmahl und seine Mitstreiter vom Ostharzer Antiquitätenteam zu kostenlosen Schätzungen ein. Treffpunkt ist die Kaffeerösterei Löper, Trillgasse 2, in Halberstadt.

2017 hatte Schmahl diese Schätzungen ins Leben gerufen, die vierteljährlich stattfinden. „Bis zu 180 Leute kommen dann“, berichtet der Halberstädter. Der große Erfolg, so gesteht er, sei nicht nur ihm und seinem Mitstreiter Klaus Breitschuh aus Quedlinburg zu verdanken. Vielmehr sei der Dritte im Bunde, Friedrich Häusser, dafür verantwortlich. „Vor allem die Frauen stehen bei ihm Schlange“, sagt Schmahl lachend.

TV-Experte wohnt in Eilenstedt im Huy

Häusser ist 1953 in Baden-Württemberg geboren worden. Er eröffnete 2014 einen Kunst- und Antiquitätenhandel in Quedlinburg, hat in Eilenstedt seine Wahlheimat gefunden und ist wohl eine der Persönlichkeiten des Huy-Ortsteils. Er gehört seit 2015/16 zur Expertenrunde von „Bares für Rares“, der ZDF-Show mit Horst Lichter. Seit 2017 steht er zudem für „Schatz oder Schätzchen?“ im MDR vor der Kamera.

Auch in der Region ist sein Antiquitäten-Wissen gefragt. Gemeinsam mit Christian Juranek, Kunsthistoriker und Museumsleiter Schloss Wernigerode, fungiert er bei der beliebten Veranstaltung „Teuer oder Täuschung“. Für die nächste Bewertungsrunde, die für den 22. März geplant war, herrscht aufgrund der großen Nachfrage bereits Annahmestopp. „Wer da nicht mehr dran kommt, ist bei uns herzlich willkommen“, sagt Karl-Heinz Schmahl augenzwinkernd.

Ein Motorradunfall führt zum Berufswechsel

Der Halberstädter ist durch einen Zufall Antiquitätenhändler geworden. Zunächst war er in einer ganz anderen Branche, als Maurer, tätig. Bis zu einem schweren Motorradunfall 1967. Das Geld, das er daraufhin von der Versicherung erhalten hatte, legte er gewinnbringend an, wie er berichtet. In Münzen. Das sei der Grundstock für seinen Berufswechsel gewesen. Obwohl er bald 80 Jahre alt wird und längst seinen Ruhestand genießen könnte, ist Schmahl noch immer in ganz Deutschland in Sachen Antiquitäten unterwegs. So pendelt er jeden Monat nach Berlin und Leipzig.

Zu seinem Beruf gehört auch die Teilnahme an Auktionen. Eine solche wollen er und seine Mitstreiter im Herbst wieder in Halberstadt organisieren. Ehrenamtlich, wie er betont. Auf eine Provision werde verzichtet, stattdessen werden die Verkäufer zu einer Spende für den guten Zweck angehalten: Jeder, der etwas versteigert, spendet einen Prozentsatz der Verkaufssumme. Von der Premiere der Benefiz-Auktion im vorigen Jahr profitierte der Halberstädter Tierschutzverein. Dieser konnte eine 335 Euro–Zuendung entgegennehmen.