Halberstadt l Nah am Wasser gebaut – das trifft auf das Programm von Bénédicte Hilbert und Michael Rapke zu. Die beiden laden am Sonntag, 11. März, zu einem Liederabend im Halberstädter Rathaussaal ein. Und der widmet sich ganz dem nassen Element. „In jeglicher Form: In den Texten geht es um Seen, Meere, Bäche, Tränen und auch Tiere, die im Wasser leben“, berichtet Michael Rapke. „Mit Schnee, also gefrorenem Wasser, haben wir aber nichts – den will doch keiner mehr“, ergänzt Bénédicte Hilbert.

Die beiden lachen herzlich. Sie wirken alles andere als gestresst – dabei kommen sie gerade aus Leipzig von einer Probe mit Akiko Sakai, die sie bei dem Liederabend begleiten wird. Und die Zeit drängt. In wenigen Minuten beginnt die nächste Probe. Dann aber im Halberstädter Theater.

Gemeinsame Freunde

Seit rund zweieinhalb Jahren sind die Sopranistin und der Bariton Ensemblemitglieder. Zwar sind sie einander zuvor nie begegnet, aber sie haben gemeinsame Freunde, wie sich herausstellte. Kein Wunder also, dass sich die Französin und der Franke schnell angefreundet haben – inklusive kleiner Neckereien. „Er trifft nie die Töne“, sagt Bénédicte Hilbert augenzwinkernd. „Dafür versteht man, was ich sage“, gibt Rapke – bemüht, den fränkischen Dialekt zu unterdrücken – zurück.

Die Idee, gemeinsam ein Konzert zu geben, schwele schon lange. „Den Anstoß hat letztlich der Theaterförderverein gegeben. Sie haben uns gefragt“, berichtet Michael Rapke. Seit November feilen die beiden Sänger an dem Programm. Die Zuhörer dürfen sich auf französischen Impressionismus und deutsche Romantik freuen, bekannte wie unbekannte Stücke, kündigt Bénédicte Hilbert an. Alles unter dem Thema „Auf dem Wasser zu singen“ – wie das gleichnamige Lied von Franz Schubert.

Wieso haben sie Wasser zum Thema genommen? Es ist üblich, eine Überschrift für Liederabende zu finden, eine Art Klammer, wie die Stücke zusammengehören, erläutern die Musiker. Sich auf eine Zeit oder Epoche festzulegen, war ihnen zu einfallslos. „Es ist interessant, wie einfach es war, Lieder über Wasser zu finden“, berichtet die Sopranistin.

Blumige Umschreibungen

Wobei der Inhalt oft nur oberflächlich betrachtet mit dem nassen Element zu tun hat. „In der Zeit wurden gern blumige Umschreibungen verwendet für Dinge, die man nicht offen sagen durfte“, berichtet die Französin. Leidenschaftliche Liebe, zum Beispiel. Damit die Zuhörer auch bei den französischen Liedern verstehen, worum es geht, haben die beiden Sänger die Texte übersetzt. Eine kniffelige Angelegenheit. „Das kennt man ja noch aus der Schule. Gedichte kann man so oder so interpretieren“, sagt Michael Rapke.

Die Fremdsprache bereitete dem 34-Jährigen dagegen keine Probleme. „Ich habe zwei Jahre in Frankreich gelebt“, berichtet er. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Nürnberg und begann seine musikalische Ausbildung im Windsbacher Knabenchor. Nach der Station in Frankreich studierte er Gesang an der Universität der Künste Berlin.

In die Hauptstadt zieht es ihn noch heute regelmäßig. Neben seiner Tätigkeit für das Nordahrzer Städtebundtheater arbeitet er auch in Berlin, pendelt hin und her. Dennoch ist er im Harz mittlerweile heimisch geworden, wie er sagt. Wohnhaft in Quedlinburg, erkundet er, wenn es Auftritte und Proben zulassen, die Natur der Region. „Ich könnte mir nicht vorstellen, für immer in einer Großstadt zu leben.“

Im Harz angekommen

Auch Bénédicte Hilbert fühlt sich wohl im Harz. Aufgewachsen ist die Sopranistin, in einem Vorort von Paris, lernte schon als Kind, Bratsche zu spielen. Wie alt sie ist, verrät sie nicht. „Aber nicht aus Eitelkeit“, betont die zierliche Brünette mit dem herzlichen Lachen. „Für eine Sängerin ist es gefährlich, das Alter zu nennen.“ Es könne dazu führen, dass sie allein deshalb bei der nächsten Bewerbung abgelehnt wird.

Ihr Deutsch ist nahezu perfekt. „Ich habe die Sprache ja auch studiert“, sagt sie bescheiden. In Paris und Halle studierte sie Germanistik. 2007 entschied sie sich zusätzlich für ein Gesangsstudium, erst in Paris, später in Leipzig. Zu dieser Zeit lernte auch die Pianistin Akiko Sakai kennen.

Japanische Pianistin

Die Musik, die Michael Rapke und Bénédicte Hilbert gemeinsam mit der Japanerin in Halberstadt präsentieren werden, gefällt ihnen auch privat sehr gut. „Sonst könnte man das nicht glaubwürdig singen“, sagt Michael Rapke. Auf einen Musikstil wolle er sich dennoch nicht festlegen. Beim Kochen hört er zum Beispiel gern Chart-Musik, momentan haben es ihm französische Oldies angetan. „Obwohl ich zu Hause wenig Musik höre“, verrät der 34-Jährige. Es sei wie bei Köchen: Bei dem, der den ganzen Tag am Herd steht, bleibt die heimische Küche kalt.

Kochen ist das Stichwort für Bénédicte Hilbert. Sie hört privat lieber Kochsendungen als Musik. Und die dann auf Französisch. Ihre Muttersprache fehle ihr hin und wieder, sagt sie. „Auch wenn ich sie täglich höre.“ Bei Telefonaten mit ihrem Freund, der in Paris lebt. Der Dirigent unterstütze sie sehr in ihrer Arbeit – trotz der Entfernung. „Für das Konzert kommt er extra einen Tag nach Halberstadt“, berichtet sie erfreut.

„Auf dem Wasser zu singen“, Sonntag, 11. März, ab 15 Uhr im Rathaussaal Halberstadt, Eintritt frei, um Spenden für den Theaterförderverein wird gebeten