Hedersleben l Viel Mühe gaben sich die Mitglieder der Agrargenossenschaft Hedersleben mit den Vorbereitungen. Innerhalb der Interessengemeinschaft „Land schafft Verbindung“ (IG) hatten sich zahlreiche Bauern aus ganz Sachsen-Anhalt angekündigt. Dazu reichte dann der eigene Versammlungsraum nicht mehr aus und es musste eine Technik-Halle umgerüstet werden.

„Das Corona-Virus hat die Landwirtschaft wieder mehr in den Focus gerückt“, sagte Olaf Feuerborn, Präsident des Landesbauernverbandes. Über die heimische Landwirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren niemand Gedanken gemacht. Wie soll es aber in der Zukunft weitergehen? „Was passiert, wenn kein Spediteur mehr nach Italien fährt? Was ist, wenn die Saisonarbeiter nicht mehr kommen?“

Die Landwirtschaft müssen auch auf kommunaler Ebene wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. „Ihr müsst überall Politik machen, im Ortschaftsrat, im Sportverein“, forderte Feuerborn. Schließlich müsse man dort unter anderem erklären, warum der Landwirt mit seinen sehr teuren Maschinen auch mal nachts unterwegs ist, um sie effektiv auszunutzen. Dünger werde heute dank der Technik punktgenau ausgebracht.

„Wir haben schon Beachtliches erreicht“, berichtete Annekatrin Wallberge vom Deutschen Bauernbund. Das sieht auch Burghard Meyer vom Verband der Lohnunternehmer so. Die Firmen seines Verbandes würden dafür sorgen, dass schwierige Arbeiten mit hocheffektiven Maschinen ausgeführt werden können. Jetzt gebe es neue Herausforderungen, nicht nur das Klima, das wasserschonende Bodenbearbeitung erfordert, sondern auch die verschärften Düngevorschriften und die fehlende Akzeptanz des Berufsstandes bei der Bevölkerung.

Fachkräfte könnten nur mit guter Vergütung gehalten werden. Der Handel nutze seine Marktmacht gnadenlos aus. Dazu kämen die Einschränkungen durch die Politik, die zusätzliche Kosten verursachten.

Meyer: „Die Politik besteht aus praxisfernen Entscheidungen, das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“

Mehrere Mitglieder des Orga-Teams der IG berichteten von erfolgreichen Aktionen, wie den Traktoren-Demonstrationen. Das habe in Berlin doch Eindruck gemacht. Sachsen-Anhalt sei ein Vorreiter in der Bundesgruppe.

Das Orga-Team Sachsen-Anhalt richte jetzt wöchentliche Treffen aus. Wie Christian Schmidt vom Vorstand des Bauernverbandes berichtete, seien inzwischen 100.000 Bauern digital vernetzt und könnten Aktionen besser planen.

„Alle sind angetan, und wir können stolz auf das sein, was wir schon erreicht haben“, sagte Lutz Trautmann, Vorstandsvorsitzender der gastgebenden Agrargenossenschaft Hedersleben und Mitglied im Vorstand des Landes-Bauernverbandes. Er verwies auf die deutliche Senkung von Nährstoffen, die noch in deutsche Oberflächengewässer gelangen. Die Politik müsse sich mehr darum kümmern, dass landwirtschaftliche Nutzflächen im Land erhalten und erträgliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Sein Dank galt auch den eigenen Mitarbeitern für die Unterstützung der Großveranstaltung. Dabei halfen zahlreiche Mitglieder des Vereins „Dicke Bäuche“ aus Hedersleben. Die Männer kümmerten sich um die Verpflegung der Gäste. Sie organisieren ansonsten viele Veranstaltungen im Ort, wie zum Beispiel Osterfeuer sowie Sport- und Sommerfeste.