Silstedt l Dass selbst die sonst so extrem genügsame Trespe vertrocknet, das hat Jörg Weidemann noch nie erlebt. Aber auf den Koppeln bei Darlingerode, wo die Agrargenossenschaft Silstedt-Benzingerode ihre Rinderställe hat, passiere genau das. Selbst die widerstandsfähigsten Pflanzen sind schon im April stark geschwächt.

Und was für wilde Grasarten wie die Trespe gilt, gilt für kultivierte Gräser wie Roggen, Gerste und Weizen erst recht. Der Landwirt ist seit 14 Jahren bei der Agrargenossenschaft tätig, kennt Witterungsschwankungen und weiß, dass Bauern damit leben. Aber noch nie hat er im April, in dem die Feldfrüchte normalerweise in voller Kraft stehen und wachsen, die Kiesadern im Feld sehen können, also die trockeneren Bereiche der Böden rund im Silstedt.

Der letzte messbare Niederschlag liegt rund vier Wochen zurück. Am 29. März hat es in Wernigerode drei Millimeter Niederschlag gegeben, am 30. März und 11. April war es so wenig, dass es nicht messbar war. „Des gesamten März über waren es nur 24 Millimeter. Im vergangenen Jahr war das die Regenmenge von zwei Tagen im März. Ich befürchte, dass die Folgen gravierend sind, wenn es jetzt nicht langsam mal ausreichend Nass von oben gibt.“ Doch das ist nicht in Sicht. Der Wetterdienst hat zwar Gewitterschauer vorhergesagt, für die Vorharzregion werde es aber wieder schlecht aussehen, sagt Weidemann mit Blick auf die spezielleren Vorhersagen für die Landwirtschaft.

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Die Gerste beginne bereits, Ähren auszubilden. „Das Fahnenblatt ist voll ausgebildet, also das letzte Blatt, bevor die Ähre kommt. Das ist viel früher als normal und zeigt, dass die Pflanze jetzt nur noch ums Überleben ihrer Art kämpft“, erklärt der studierte Landwirt. Beim Weizen sei es ähnlich. Normal seien vier bis fünf Ähren tragende Halme, jetzt sind es ein bis zwei pro Pflanze. Was das für den Ertrag bedeutet, ist absehbar. Nach zwei schlechten Jahren ein drittes, bedeute für viele Landwirte extreme Probleme, weil alle Liquiditätspolster aufgebraucht seien.

Würde es in den kommenden zwei, drei Wochen gut regnen, käme das zumindest der Dicke der Körner zugute. Auch der Mais würde profitieren, den Weidemann in diesem Jahr früher als üblich in den Boden gebracht hat. „Das ist immer ein Risiko, weil Mais schlecht mit Frost umgehen kann. Aber noch haben wir ein kleines bisschen Restfeuchte im Boden.“ Aber mehr als fünf Zentimeter muss er schon freilegen, um überhaupt eine leichte Verfärbung des Bodens zu sehen, In tieferen Schichten, dort, wo die Pflanzen wurzeln, ist es wieder knochentrocken. Dass es überhaupt Wachstum gibt, ist neben der wenigen Restfeuchte im Boden dem Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht zu danken, so gibt es zumindest Tau, den den Pflanzen nutzen können.

Kein Schnee im Winter und wenig Regen, das in den vergangenen zwei Jahren entstandene Niederschlagsdefizit ist nicht aufgeholt worden. Auch der Regen im Februar hat letztlich nicht viel gebracht, weil der viele Wind die Feuchtigkeit sofort wieder aus den Böden zog. Die nutzbare Feldkapazität, also die gespeicherte Feuchtigkeit pro Kubikmeter Erdreich, liegt unter 50 Prozent. „Dann spricht man im Ackerbau von Dürre“, erklärt Weidemann. Rund um Wernigerode, mit den lehmigen Sandböden und sandigen Lehmböden, liege man inzwischen bei 40 Prozent in der für die Pflanzen wichtigen Schicht bis 60 Zentimeter Tiefe.

Selbst der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch. Der 20 Meter tiefe Brunnen, der für die Wasserversorgung der Rinder sorgt, fällt zurzeit immer wieder trocken. „Dabei haben wir die Pumpe schon tiefer gehängt, auf 16 Meter. Vor zwei Wochen ist sie das erste Mal ausgefallen.“ Inzwischen mehrfach.

Weil die Hoffnung zuletzt stirbt, hofft Weidemann, dass es Regen gibt. „Ich wünsche mir mindesten 50 Millimeter. Aber nicht auf einen Guss, dann haben wir hier Schlammlawinen, weil ja auch der Waldboden rundum völlig ausgetrocknet ist und somit Wasser nur ganz langsam aufnehmen kann.“