Kandidatin zur Landtagswahl

Leidenschaftliche „Kümmerin“

Bei der Landtagswahl kämpfen im Wahlkreis 17 (Quedlinburg) sieben Kandidaten um die Gunst der Wähler. Die Volksstimme stellt Kandidaten vor: Monika Hohmann (Linke).

Von Sabine Scholz
Monika Hohmann an einem ihrer Lieblingsorte, der einen weiten Blick ins Harzvorland bietet. Hier lebt die 61-Jährige, hier ist ihr  Zuhause. Seit 2011 ist sie für die Partei Die Linke im Landtag Sachsen-Anhalt aktiv. Zur Wahl am 6. Juni tritt sie wieder an.
Monika Hohmann an einem ihrer Lieblingsorte, der einen weiten Blick ins Harzvorland bietet. Hier lebt die 61-Jährige, hier ist ihr Zuhause. Seit 2011 ist sie für die Partei Die Linke im Landtag Sachsen-Anhalt aktiv. Zur Wahl am 6. Juni tritt sie wieder an. Foto: Matthias Korwitz

Quedlinburg - Der Kaffee wird kalt. Monika Hohmann sitzt in ihrem Wahlkreisbüro, es sprudelt nur so aus ihr heraus. Begeistert berichtet sie von ihrer Arbeit im Petitionsausschuss des Landtags. Sie ist ganz in ihrem Element, hat Beispiele parat, wo direkt geholfen werden konnte.

Politisch sei sie immer schon gewesen, sagt die in Gatersleben geborene und aufgewachsene Frau – für eine Mitgliedschaft in der Partei die Linke entschied sie sich aber erst 2003. Da hatte sie schon als beratendes Mitglied im Vorstand der Gewerkschaft Bildung und Erziehung sowie im Kampf um den Erhalt des Förderschul-Standortes Wedderstedt Erfahrungen gesammelt. Sie sitzt in der Arbeitsgruppe Bildungspolitik beim Landesvorstand der Linken, als sie damals gefragt wird, ob sie nicht Mitglied dieser Partei werden will.

Wollte sie. Sie wurde in den Gemeinderat Hedersleben gewählt, war sachkundige Einwohnerin im Bildungsausschuss des Quedlinburger Kreistages. Dem neuen Harzer Kreistag gehörte sie von 2007 bis 2014 an. Seit 2011 hat sie ein Landtagsmandat.

Überzeugungstäterin in Beruf und Politik

Bis dahin waren alle Ämter ehrenamtlich. Von Beruf ist Monika Hohmann Lehrerin. Auch das mit ganzem Herzen, wie die 61-Jährige versichert. Weshalb sie motiviert, aber entspannt in den Wahlkampf gehe, wie sie sagt. Auch wenn sie sehr gern weiter Landespolitik mitgestalten wolle – als Lehrerin sei sie ebenso eine Überzeugungstäterin. Zurück in den Beruf zu wechseln, schrecke sie nicht. Gerade weil sie sich gern kümmert, für andere einsetzt, ärgere es sie, wenn pauschal von „den“ Politikern oder „denen da oben“ geredet werde. „Ich bin im Hier und Jetzt tätig, engagiere mich mit ganzer Kraft.“

So sehr, dass sie zuweilen über ihre Grenzen geht. Der Körper zog im November die Reißleine, plötzlich musste sie auch mal Nein sagen und auf die vorhandenen Netzwerke vertrauen, um Dinge zu regeln.

Sie selbst entdeckt in der Zwangspause eine ganz neue Leidenschaft: das Backen. Normalerweise sei die Küche das Reich ihres Mannes, der für die Familie kocht, während sie sich um andere Aufgaben im Haushalt kümmert, damit beide Zeit für Gemeinsamkeit gewinnen. Aber nun stehe sie jedes Wochenende und probiere neue Kuchenrezepte aus. „Jeder darf sich was wünschen.“

Essen sei in der Familie mehr als Nahrungsaufnahme, nicht nur, weil die Schwiegermutter Köchin war. Einer ihrer zwei Söhne ist ebenfalls Koch, die Tochter Restaurantfachfrau. Nur ein Sohn „schlägt aus der Reihe“ mit einem Job bei der Telekom in Magdeburg.

Dass alle nah beieinander sind, freut die sechsfache Großmutter, weil sie so trotz beruflicher und politischer Arbeit Familienalltag leben könne. „Als die Kinder wieder ins Homeschooling mussten, habe ich mit meinem Enkel Schulaufgaben gemacht. Er ist in der ersten Klasse und fand meinen Schultag nicht schlecht.“ Mathe, Deutsch und Sport standen auf dem Programm, die Fächer, die sie am Institut für Lehrerbildung in Quedlinburg studiert hatte. Die Obstpausen dazwischen und die gekaufte Knete fürs Gestalten erwähnt Monika Hohmann eher beiläufig.

Ihre Enkel sorgen für Bodenhaftung, was den Alltag von Kindern und Jugendlichen betrifft, sind sie doch zwischen fünf und 21 Jahren alt, berichtet die Bildungs- und Sozialpolitikerin. Weshalb sie in der ersten Schulschließungszeit auch rasch einen Ausdruckservice in ihrem Wahlkreisbüro anbot, damit Schüler die Aufgaben aus der Schule erledigen konnten. Schließlich habe nicht jede Familie einen Drucker zu Hause.

Seit drei, vier Jahren hat der Begriff Bodenhaftung für Monika Hohmann eine weitere Dimension gewonnen. Sie entdeckte die Lust am Gärtnern. Hatte sich früher ihre Mutter um den Garten gekümmert, sprang nun sie nach deren Tod in die entstandene Lücke. Sie sei selbst überrascht gewesen, wie gut ihr diese Arbeit tut, sagt Monika Hohmann und fügt schmunzelnd an, dass sie sich auf die Rente freue. „Dann habe ich den ganzen Tag Zeit, diesem neu entdeckten Hobby zu frönen.“

In der Krise auch positive Erfahrungen

Aber solche gedanklichen Ausflüge in die Zukunft sind die Ausnahme bei Monika Hohmann, sie hat vieles auf der Agenda, was sie gerne weiter begleiten, zu Ende oder gar erst auf den Weg bringen möchte. Immerhin habe sie in den vergangenen Legislaturperioden gelernt, wo die Stellschrauben sind, an denen man drehen muss. Auch so manche bittere Erfahrung hat sie gemacht im Politikalltag. Wenn fundierte Argumente zwar von Abgeordneten der Regierungsparteien als solche anerkannt wurden, bei der Entscheidung dann aber keine Rolle spielten. „Ich habe manches Mal nur mit dem Kopf schütteln können“, erinnert sich Hohmann.

Doch aufzustecken, das sei ihre Sache nicht. Sie stelle sich der Situation. Schon als junge Frau, als sie nach zwei Jahren Lehrerdasein in Wittenberg merkte, wie groß ihre Sehnsucht nach dem Dorf, nach ihrem Zuhause ist. Ohne Auto und zu einer Zeit, als der Samstag noch ein normaler Schultag war, war ein Besuch bei den Eltern eher schwierig.

Sie kümmerte sich, absolvierte als junge Mutter neben dem Beruf Zusatzausbildungen, stellte einen Versetzungsantrag und konnte schließlich eine Stelle an der Hilfsschule in Wedderstedt annehmen.

Mit ihrem Mann, mit dem sich inzwischen 42 Jahre verheiratet ist, zog sie ins Haus seiner Großmutter in Hedersleben. Der Ort ist seither ihre Heimat. Dass man mit dem Fahrrad gut nach Gatersleben kommt, war ein weiterer Vorteil für die junge Familie.

An der Förderschule Wedderstedt blieb sie bis 2003, dann arbeitete sie bis zum Eintritt in den Landtag 2011 in der Förderschule für Lernbehinderte in Wienrode, absolvierte parallel ein Zusatzstudium für Verhaltensgestörten-Pädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle.

Sie stellt sich Herausforderungen, auch denen der Corona-Krise. Wobei sie der etwas Positives abgewinnen kann: Dass sie nicht mehr so viel auf Reisen ist, weil Beratungen als Videokonferenz abgehalten werden. Eine Entwicklung, von der sie hofft, dass sie nach der Pandemie bleiben wird.

Monika Hohmann und ihre Schwerpunktziele:

In der politischen Arbeit – ob ehrenamtlich oder hauptberuflich – hat Monika Hohmann einen deutlich erkennbaren Fixpunkt: das Wohlergehen des Einzelnen. Soziale Themen begleiten sie seit ihrer Kindheit, im praktischen Tun in der Nachbarschaft ebenso wie im politischen Diskurs auf unterschiedlichsten Ebenen. Egal, ob sie gemeinsam mit dem Landesverband für Pflege- und Adoptiveltern dafür kämpft, dass nach zehn Jahren endlich die Pflegegeldsätze erstmals wieder erhöht werden, oder ob sie sich im Petitionsausschuss um die Belange eines Langensteiners kümmert, der eine Hausruine nicht abreißen durfte, weil sie denkmalgeschützt war. „Wir haben am Ende eine Lösung gefunden, mit der alle leben konnten.“

Arbeit im Petitionsausschuss begeistert

Die Arbeit im Petitionsausschuss begeistere sie, schaffe sie es wieder in den Landtag, wolle sie dort gern weiterhin mitarbeiten. „Es ist der schönste Ausschuss, da geht es um den Menschen, um konkrete Sachverhalte.“ Das bedeute zwar auch viel Arbeit für die Mitglieder, aber es lohne sich.

„In der zu Ende gehenden Legislatur ist jede fünfte Petition im Interesse des Petenten entschieden worden.“ Es gelinge immer besser, etwas zu bewirken, resümiert die Abgeordnete. Der größte Erfolg für sie sei, dass die Landesverfassung geändert wurde und nun zulasse, dass die Petitionsausschüsse öffentlich sind. Was nicht heiße, dass über die teils sehr persönlichen Anliegen vor großer Kulisse diskutiert werde – die Antragsteller könnten aber persönlich dabei sein, wenn es um ihr Anliegen gehe. „So kann man als Abgeordneter noch mal direkt nachfragen. Das ist besser als nur die teils sehr umfangreichen Akten zum jeweiligen Sachverhalt zu lesen.“ Diese Entwicklung sei ein großer Fortschritt für Sachsen-Anhalt. „Die Idee haben wir aus Bayern übernommen“, berichtet Monika Hohmann, „und bei der Parlamentsreform umsetzen können“.

Bezahlbarer Wohnraum

Neben dem Einsatz für Einzelne will Hohmann drängende soziale Fragen im Blick behalten. Wozu für sie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gehört. Das Land habe bereits 23 Millionen Euro Bundesmittel verloren, weil laut Hohmann Sachsen-Anhalt lange Zeit keine Förderrichtlinie für den sozialen Wohnungsbau hatte. Erst auf Antrag der Linken gebe es seit April solch eine Richtlinie.

Wobei sie Nachbesserungsbedarf sehe. Aus ihrer Sicht sei versäumt worden, schon vor der Beschlussfassung zu prüfen, ob die zugrunde gelegten Zahlen stimmig sind. In den Augen der Linken-Politikerin ist dies nicht der Fall. „In Sachsen-Anhalt müssen trotzdem die betroffenen Menschen mehr als 40 Prozent ihres Einkommen fürs Wohnen ausgeben. Die Bundesrichtlinie sagt, es sollten nur 32 Prozent sein.“ Sie habe manchmal den Eindruck, dass bei der Erarbeitung solcher Papiere die rechte Hand nicht wisse, was die linke tut. „Wenn die Zahlen für die Kaltmiete so bleiben, können wir als Linke nicht zustimmen, obwohl es unser eigener Antrag war. Aber er würde sein Ziel verfehlen.“

Eine Veränderung, auf die sie stolz sei, ist die Anhebung des Taschengeldes für Heim- und Pflegekinder. Seit 1994 habe es keine Anpassung gegeben. „Ich konnte durchsetzen, dass es endlich eine neue Verordnung geben wird, die den Bundesdurchschnitt zugrunde legt.“

Schulsozialarbeit soll gesichert werden

Aufgabenfeld bleibe die Sicherung der Schulsozialarbeit. Es sei nicht gelungen, das als eine stetige Aufgabe zu verankern und Finanzierungsmodelle zu finden, die die Kommunen nicht belasteten, bedauert Hohmann. Daher werde es leider schon ein Erfolg sein, die 380 Sozialarbeiter zu halten, die es für die rund 900 Schulen im Land gibt, sagt die Abgeordnete.

Wichtig sei ihr, Investitionspauschalen für die Kitas zu finanzieren und dafür zu sorgen, dass von den hier ausgebildeten Erziehern die meisten bleiben und nicht besserer Bezahlung wegen wegzögen.

Lernmittelfreiheit, mehr Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche, die unter der Pandemie besonders litten, seien weitere Punkte auf der Agenda.