Halberstadt l Johannes Hüfken ist gut vorbereitet. Er bringt lange Holzstangen mit, an deren einem Ende weißes Papier eingerollt ist. Auseinandergezogen geben die breiten Papierstreifen Notenlinien und farbige Punkte preis. Um den Abstand richtig zu finden, sind jeweils zwei Stangen am unteren Ende mit einem Band verknüpft. Trotzdem ist es nicht immer ganz einfach, die Transparente so zu halten, dass alle die Noten darauf gut zu erkennen sind. Doch das ist wichtig, schließlich tönt zu jedem Farbpunkt eine andere Orgelpfeife.

Die halten rund 60 Kinder aus der Goethe-Grundschule und rund 90 aus der Miriam-Lundner-Grundschule in den Händen. Sie sitzen im großen Dom und schauen gebannt nach vorn. Zu Beginn klingt es noch ein bisschen schief, aber mit jedem Durchgang klappt besser. Und so sind „Auf all Deinen Wegen“ und „In einem kleinen Apfel“ gut zu erkennen. Sogar im Kanon wird gespielt, das erfordert doppelte Konzentration und mancher hohe Ton erklingt, obwohl er noch nicht dran ist.

Musikalischer Erfolg

Die hölzernen Orgelpfeifen haben die Grundschüler selbst angefertigt – aus einem Baukastensystem, das Orgelbauer Johannes Hüfken entwickelt hat und das den Namen „MeloPipe“ trägt. „Hier gelingt Kindern ein handwerklicher und musikalischer Erfolg“, sagt der Halberstädter, der auf diesem Weg eine mehr als 1000-jährige Tradition in Halberstadt weiterführen will. Kinder spielerisch an das meisterliche Instrument Orgel heranzuführen, Begeisterung für Musik und Handwerk zu wecken, ist ihm ein wichtiges Anliegen. Deshalb führt er nicht nur die Arbeit seines Vaters fort. Mit Projekten wie „MeloPipe“ will er das etwas angestaubte Image von Orgeln und Orgelbau aufpolieren.

„Das passt hervorragend in unser Schatzjahre-Konzept“, sagt Nancy Schönknecht. Die Stadtmarkektingchefin hatte die Idee Hüfkens gern aufgegriffen, zum nächsten Orgeltag doch mal etwas Besonders für die Kinder auf die Beine zu stellen. „Immerhin kann Halberstadt ganz besondere Orgelschätze präsentieren“, sagt Schönknecht. So kann man in Halberstadt aus fast jeder Epoche des Orgelbaus ein Instrument finden. Und die in die Zukunft weisende Idee eines bis 2639 klingenden Orgelstücks basiert auf einem Instrument, mit dem Halberstadt Musikgeschichte schrieb. Die erste Großorgel der Welt, eine Blockwerksorgel, stand im Dom und hatte zum ersten Mal eine Klaviatur, wie wir sie heute kennen.

C-Dur

Die große Schwester ihrer kleinen Holzpfeifen haben die Kinder im Dom jedoch nicht im Blick. Stattdessen verfolgen sie konzentriert Kerstin Kwoizalla und Sebastian Lütgert, die mit einem Holzstab auf das Notenbanner zeigen und so den Einsatz jeder Pfeifenfarbe geben.

Die Kinder haben in der Schule Pfeifen gebaut, die auf die Töne der C-Dur-Tonleiter gestimmt sind, haben den Pfeifenkern eingebaut, die Seiten verleimt, den Vorschlag gesetzt. Und den Pfeifen Töne entlockt. Das Konzert von 221 Kindern aus drei Grundschulen der Stadt ist am Sonntag, 8. September, kurz nach 11 Uhr im Halberstädter Dom zu erleben.