Athenstedt l Michael Wendt hatte bereits am Morgen geschaut, ob denn alles so funktioniert, wie gewünscht. Stunden später sah sich der Teamleiter Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) der Kreisverwaltung Harz bestätigt. Nach der gelungenen Generalprobe klappte auch die offizielle Premiere perfekt.

Zwischen 11.25 und 11.29 Uhr rollten fast zeitgleich fünf Linienbusse aus verschiedenen Richtungen auf den am Ortsausgang von Athenstedt in Richtung Danstedt neu geschaffenen Busbahnhof. Aussteigen, Band durchschneiden, wieder einsteigen. Dazwischen noch ein wenig Smaltalk der Gäste. Neben Landrat Martin Skiebe (CDU), seinem Fachbereichsleiter Strategie und Steuerung Dirk Michelmann, Athenstedts Ortsoberhaupt Ralf Barthel (BuKo) sowie Bjoern Smith als Geschäftsführer der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB), HVB-Planungschef Gerald Hahne und Unternehmenssprecherin Mona Strauchmann waren dies vor allem Vertreter der beteiligten Firmen und einige Anwohner.

An Grenzen gestoßen

Ein Blick zurück: Grundlage der ÖPNV-Gestaltung ist der vom Kreistag im Dezember 2015 beschlossene Nahverkehrsplan. Dieser sieht einen sogenannten integralen Taktfahrplan (ITF) vor, bei dem sich regelmäßig bediente Linien systematisch an bestimmten Punkten kreuzen und dadurch Anschlüsse hergestellt werden.

Das System ITF sorgt nach Angaben aus der Kreisverwaltung dafür, „dass sich durch die Möglichkeiten zum Umsteigen bei gleicher Fahrtenzahl wesentlich mehr Verbindungen ergeben“.

Linien kreuzen sich

Damit ITF funktionieren kann, müssen Anschlussknoten dort liegen, wo Linien sich fahrplantechnisch kreuzen. Der bisherige Busbahnhof in Dardesheim erreichte genau dies nicht mehr. Auf Basis der Nahverkehrsplanung ergab sich, dass ein tatsächlich funktionierender Mittelpunkt nur in Athenstedt liegen konnte.

Am 16. September 2016 schlossen die Kreisverwaltung Harz als Träger der Aufgabe und die für die Baulast zuständige Stadt Halberstadt eine Vereinbarung ab. Die Planung begann am 21. Oktober 2016 mit dem Büro Damer + Partner aus Wernigerode/Vienenburg. Für das Genehmigungsverfahren wurden weitere Fachfirmen, unter anderem für naturschutzrechtliche, schallschutztechnische und Untersuchungen des Baugrundes einbezogen.

Auf Grund des Linienkonzepts und des Betriebsplans mussten auf begrenztem Raum barrierefrei sechs Halteplätze, davon drei für Gelenkbusse, konzipiert werden. Zudem galt es, Witterungsschutz, Beleuchtung, Entwässerung und Infoeinrichtungen zu integrieren. Bei den letztgenannten wird laut Kreisverwaltung noch eine Echtzeitanlage installiert.

Kostenrahmen eingehalten

Nach einer entsprechenden Ausschreibung konnte am 4. Oktober 2017 mit den Arbeiten begonnen werden. Hauptauftragnehmer wurde die Firma Hoch- und Tiefbau GmbH Heudeber. Die Kosten wurden mit rund 400 000 Euro veranschlagt. „Nach jetzigem Stand“ werden sie laut Kreisverwaltung eingehalten.

Verzögerungen ergaben sich durch überraschend freigelegte Leitungen sowie den langen und niederschlagsreichen Winter. Durch die Verschiebung des Fahrplanwechsels gelang es dennoch, auf eine Interimslösung mit Nothaltestellen zu verzichten.

Der Knoten wird für den ÖPNV künftig eine wichtige Rolle einnehmen. Werktags treffen sich stündlich jeweils zur Minute 30 (Ankunft kurz vor halb, Abfahrt kurz nach halb) Busse aus Osterwieck, Halberstadt, Dedeleben, Wernigerode und Zilly. Damit stellen stündlich fünf Busse untereinander regelmäßig nicht fünf, sondern 20 Verbindungen her.

Sechster Bussteig

Perspektivisch ist durch einen sechsten Bussteig ein Anschluss an die Linie 13 der HVG Halberstädter Verkehrs-GmbH vorgesehen. Das ist im Nahverkehrsplan optional so geplant. Auch am Wochenende erfüllt der neue Bahnhof im Übrigen seine Knotenfunktion.

Die Landesnetzlinie 210 verkehrt dann zweistündlich und wird durch die 280 und 281 ergänzt. Diese verkehren im Linienbandbetrieb. Einzelne Orte unterwegs werden dabei bedient, wenn spätestens 60 Minuten vor der Tour Bedarf angemeldet wird.

Ganz vollendet ist das Werk in Athenstedt noch nicht. Wie Michael Wendt sagte, sollten noch am Montag die Papierkörbe aufgestellt werden. In den nächsten Tagen erfolgen die letzten Pflasterarbeiten am künftigen Containerstellplatz. Randflächen müssen begradigt und im nächsten Herbst schließlich Bäume gepflanzt werden.