Eilsdorf l Das gab es bisher noch nie. Die Stühle für die Einwohner, die sonst bei Sitzungen des Gemeinderates nur spärlich oder überhaupt nicht besetzt sind, reichten nicht aus. Sogar zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden. Die meisten Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um ihrem Ärger über die aktuelle Situation des Schülertransportes Luft zu machen und die Gemeinde um Unterstützung zu bitten.

Angesichts dieses Andrangs wurde flugs die Tagesordnung der Sitzung geändert und das Thema Fahrplanwechsel als erstes behandelt. Dazu informierte Bürgermeister Thomas Krüger (CDU) zunächst über den aktuellen Stand: „Auch wir sind von der Situation kalt erwischt worden.“ Seit dem Fahrplanwechsel am 15. April habe die Gemeindeverwaltung eine Fülle von Kritiken besorgter Eltern erreicht.

Rathaus informieren

Der Bürgermeister bittet darum, schnellstmöglich alle Sachverhalte und Einsprüche in schriftlicher Form an die Gemeindeverwaltung zu senden, damit diese dann umgehend mit den Verantwortlichen des Landkreises geklärt werden können. Bis zu den Pfingstferien sollen alle Unstimmigkeiten, die den Schülerverkehr betreffen, erledigt sein, habe der Landrat angekündigt.

Einige der betroffenen Eltern meldeten sich zu Wort und beschrieben konkrete Misstände und Situationen, die sich seit Fahrplanwechsel ereignet haben. So kommen beispielsweise die Kinder aus Dingelstedt und Anderbeck jeden Morgen zu spät in der Grundschule in Badersleben an. Auch wird bemängelt, dass die Busfahrer selbst nicht genau wüssten, wie sie nun zu fahren hätten.

Doch nicht nur die Eltern sind mit dem neuen Fahrplan unzufrieden, auch ältere Bürger haben unter dem veränderten Buslinien zu leiden. Eine Seniorin aus Dedeleben, die am Wochende nach Halberstadt zu ihrer Familie fahren möchte, ist seit dem Fahrplanwechsel nicht mehr 30 Minuten, sondern zwei Stunden unterwegs. Röderhofer Bürger beklagen, dass im Zuge des neuen Fahrplans mindestens 20 Busse mehr die ohnehin enge Straße bis zur Buswendestelle passieren.

Gemeinderätin ist bestürzt

Gemeinderätin Waltraud Beck (CDU) äußerte sich bestürzt über das Gehörte und fragte nach der versprochenen Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum. „Wir müssen die Verantwortlichen einladen, sich die Situation vor Ort anzusehen.“

Als Mitglied des Aufsichtsrates der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) ergriff Andreas Schumann (CDU) das Wort und bestätigte, dass „dieser neue Fahrplan, den ein Hamburger Büro erarbeitet hat, gründlich in die Hose gegangen“ sei. „Zur Zeit gehen täglich über 100 Beschwerden ein.“ Diese ließen bereits Überlegungen laut werden, den alten Fahrplan wieder in Kraft zu setzen. Diese Aussage wurde von allen anwesenden Bürgern lautstark begrüßt. „Unser alter Fahrplan war Spitze.“ Schumann ermunterte alle Bürger, ihre Beschwerden zu formulieren. „Je mehr sich beschweren, desto eher passiert etwas.“

Dass die HVB die Kritik der Bürger erst nehmen und um Lösungen bemüht sind, habe sich erst in dieser Woche am Beispiel Pabstorf gezeigt, berichtete Ronny Grundmann. „Nachdem die HVB erfahren hatten, dass die Hortkinder in Pabstorf neuerdings sehr weit bis zum Hort laufen mussten, weil die direkte Haltestelle nicht mehr bedient wurde, hat sie sofort gehandelt und die alte Haltestelle wieder aktiviert.“

Polizei reagiert sofort

Von einer Mutter aus Eilsdorf kam der Hinweis, dass die Kinder in dem Großraumtaxi, das morgens von Eilsdorf nach Schlanstedt fährt, ohne Kindersitze unterwegs sind. Polizistin, Ilka Linkohr, die als betroffene Mutter zur Sitzung gekommen war, hat sofort mit dem betreffenden Taxibetrieb gesprochen und erfahren, dass dieser dem Wunsch einiger Eltern entsprochen hätte. „Das Benutzen eines Kindersitzes ist Vorschrift und wird ab sofort auch eingehalten“, stellt Linkohr klar.