Ilsenburg l Alle zehn Jahre wird der Fischbestand in sämtlichen Gewässern auf dem Gebiet des Nationalparks Harz erfasst, erläutert Otfried Wüstemann. Als zuständigen Mitarbeiter führte ihn sein Weg deshalb im vergangenen September planmäßig in das Große Maitzental bei Ilsenburg.

Zwischen Einlauf zur Ecker und dem durch eine Barriere versperrten Oberlauf fischte der Sorger elektrisch 225 Harzer Bachforellen aus dem zehn Grad kalten Wasser. Von ganz klein (maximal fünf Zentimeter lang) bis stattlich (zwischen 20 und 25 Zentimeter).

Wanderverhalten der Forellen erstaunt

Wüstemann: „Es war erstaunlich, dass sie so weit hoch gewandert sind.“ Trotz des Hindernisses. Um ihnen einen noch weiteren Weg zu ebnen, setzte sich der Fachmann mit dem Unterhaltungsverband (UHV) Ilse-Holtemme in Verbindung. Ein zugegebenermaßen kurzer Weg, denn der Gewässerbeauftragte für das Schutzgebiet fungiert gleichzeitig ehrenamtlich als stellvertretender Vorsteher der Körperschaft öffentlichen Rechts.

Bilder

Ein weiterer Grund für die Initiative ist das Ziel, das Areal bald in die Kernzone des Nationalparks aufzunehmen. Dann gibt es dort kaum mehr Möglichkeiten für Eingriffe in die Natur.

Hohe Durchlässigkeit ist das Ziel

UHV-Geschäftsführerin Nadja Effler zeigte sich von dem Projekt begeistert. Der Verband mit Sitz in Drübeck hat sich ohnehin auf die Fahnen geschrieben, eine ökologische Durchlässigkeit zu schaffen, weil die Bäche gleichzeitig zu bewahrende Lebensräume sind.

Gute Zusammenarbeit zwischen Partnern

Otfried Wüstemann: „Allerdings muss man für alles eine Genehmigung haben. Auch, wenn man etwas Gutes tun will.“ Zuständige Instanz ist die Untere Wasserbehörde der Kreisverwaltung Harz und hier speziell Gabriela Bauschatz. Nadja Effler: „Das ist immer eine schöne Zusammenarbeit mit ihr.“ Die Kollegin kennt sich bestens in den Gesetzen aus und weiß stets eine Lösung, lobt die Geschäftsführerin.

Somit wurde das Vorhaben umgehend zur „reinen Unterhaltung“ deklariert. Mit Olaf Wroblewitz und Jörg Hahndorf kümmerten sich zwei Spezialisten des verbandseigenen Bauhofes um die Umsetzung. Wüstemann: „Das können wir nicht mit irgendwelchen Firmen.“

Betonteile stammen von Grenzbefestigung

Die massiven Betonteile waren zum größten Teil in Vorwendezeiten zur Verrohrung des Baches im mittleren und oberen Abschnitt eingesetzt worden. Insgesamt auf etwa 21 Meter Länge. Exakt dort, wo heute Wanderer die Schönheit des Großen Maitzentals genießen, verlief damals ein Postenweg der Grenztruppen.

Ebenfalls entfernt wurde eine Auflage aus Kalkschotter. Anschließend mussten das Ufer neu profiliert und zwei Auflagen aus Natursteinplatten für eine neue Holzbrücke installiert werden. Die ein Meter breite und fünf Meter lange Konstruktion besteht aus Lärche. Das Holz stammt aus dem Revier vor Ort und ist langlebiger als beispielsweise Fichte.

Bauhof hilft bei Kostensenkung

Apropos Kosten. Hätte der UHV die Leistungen an einen Betrieb vergeben, wären wohl rund 3500 Euro fällig geworden, schätzt Nadja Effler. Die Geschäftsführerin: „Allein der Bagger wird mit 80 Euro pro Stunde berechnet.“ Dank der eigenen Kollegen konnten die Arbeiten erheblich preisgünstiger erledigt werden.

Überraschende Entdeckung

Für den Gewässerbeauftragten hatte die Tour in das Maitzental übrigens an anderer Stelle unverhofft noch einen botanischen Aspekt. Otfried Wüstemann: „Ich habe zufällig ein Vorkommen der Gemeinen Natternzunge entdeckt.“ Der sehr seltene heimische Farn ist in seinem Bestand stark rückläufig. Deshalb steht er in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen für Sachsen-Anhalt unter der Kategorie gefährdet.

Verwundert ist der Naturschützer indes über den Ort seines Fundes. Denn eigentlich wächst die Natternzunge „auf schönen Wiesen und wo es feucht ist“. An besagtem Platz trifft das aber beides nicht zu.