Schwanebeck l Soll Schwanebeck Vorreiter für erneuerbare Energien werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Sitzung des Stadtrats, zu der die Kommunalpolitiker am Donnerstagabend (10. September) im Dorfgemeinschaftshaus in Nienhagen zusammengekommen waren. Konkret ging es dabei um den Bau einer Photovoltaik-Anlage (Solarpark) in der Vorharz-Stadt.

Bereits vor der Sommerpause habe es Sondierungsgespräche mit Vertretern der Firma „Wircon“ mit Sitz in Mannheim sowie Landwirt Jörg Claus, Betreiber des Röderhofs in Dingelstedt, gegeben, berichtete Benno Liebner (CDU). Nun habe er die Verantwortlichen in den Stadtrat eingeladen, um den Bürgervertretern das Projekt vorzustellen. Dadurch wolle er auch die Position der Ratsmitglieder sondieren, so der Bürgermeister.

Hans-Jürgen Lürding von „Wircon“ stellte die Pläne der Investoren vor: „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie es perspektivisch mit der erneuerbaren Energie weitergehen kann. Gemeinsam mit den Landwirten, Bürgern und der Verwaltung wollen wir hier neue Wege gehen.“ So gehe es in dem Vorhaben darum, wirtschaftlich nicht mehr rentable Ackerflächen zu Solarparks umzufunktionieren.

Genehmigung braucht zwei bis drei Jahre

In dem Modellprojekt, für das man mit einer Genehmigungsphase von zwei bis drei Jahren rechne, wolle man eng mit der Hochschule Anhalt zusammenarbeitern, ergänzt Jörg Claus. Der Landwirt ist – neben der Stadt Schwanebeck – Flächenbereitsteller von mehreren Hektar Ackerland zwischen Haus-Nienburg im Huy und Schwanebeck, auf denen die Photovoltaik-Anlage entstehen soll.

„Der Solarpark soll mit einem Forschungsvorhaben der Hochschule zur Biodiversität verbunden werden“, erklärte Claus. So würden unter den Platten zusätzlich einheimische Blühmischungen ausgesät, anschließend solle ermittelt werden, welche Insektenarten sich auf der Fläche neu ansiedeln. Die Kooperation mit der Hochschule sei auf zehn Jahre angelegt.

Max Könnecke (Einzelbewerber) gab sich skeptisch: „Ich bin selbst Landwirt und verstehe nicht, warum dazu Ackerboden genutzt werden soll, auf dem man auch Nahrung anbauen könnte?“ Dem entgegnete Lürding, dass es sich vor allem um schlechte Böden mit wenig Ertrag handle. Mit den erneuerbaren Energien falle zudem der mühselige Maisanbau für die Biogasanlage weg, weiter könnte sich in den Solarparks neue Flora und Fauna ansiedeln. „Wenn wir uns nicht mit innovativen Ideen beschäftigen, geht es irgendwann nicht mehr weiter“, sagte Lürding.

Fremdkörper in der Landschaft?

Jens Glaser (CDU) sah die Sache mit gemischten Gefühlen: „Natürlich ist das schon ein Fremdkörper in der Landschaft, wobei Windräder noch schlimmer sind. Aber es muss auch Flächen geben, wo die Natur sich entfalten kann.“

Er könne die Einwände seiner Kollegen verstehen, sagte Liebner. „Ich war selbst am Anfang nicht begeistert. Aber man muss auch sehen: Irgendwoher brauchen wir Strom. Und wenn am Ende für Schwanebeck ein bisschen Geld herausspringt, umso besser“, so der Bürgermeister. Schließlich hätten ihn die Argumente der Projekt-Leiter überzeugt. Zudem würden diese über sehr gute Referenzen verfügen. Bis Schwanebeck grün wird, werden, wie es momentan aussieht, noch einige Gespräche geführt werden müssen.