Stadt Osterwieck l Möchte ein Deersheimer in einen seiner vier Nachbarorte radeln, kommt er nicht umhin, eine der teils vielbefahrenen Straßen nutzen zu müssen. Radwege? Fehlanzeige!

Deshalb war für Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) keineswegs nur das touristische Radeln Motivation, den Stadtrat von einer Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommune“ zu überzeugen.

36 Städte und Gemeinden haben dieses sachsen-anhaltische Netzwerk vorige Woche in Wittenberg im Rahmen der bundesweiten 13. Fahrradkommunalkonferenz gegründet.

Land gibt 150.000 Euro

Dass sich auch Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) viel Zeit genommen hat für diese Veranstaltung, sieht die Bürgermeisterin als gutes Zeichen. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt die Arbeitsgemeinschaft jährlich mit 150.000 Euro.

„Gemeinsam mit den Kommunen wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Menschen in unserem Land auch im Alltag noch öfter das Auto stehen lassen und aufs Fahrrad umsteigen“, sagte Webel in der Lutherstadt.

Stadt hat Potenzial

Dafür sieht Ingeborg Wagenführ auch im Raum Osterwieck Potenzial. Etwa für die Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg zu den Schulen, um den leidigen Elterntaxi-Verkehr einzudämmen. Oder für die älteren Menschen, um sich fit zu halten. Oder die Familien, um gemeinsam etwas an der frischen Luft zu unternehmen und sich zu entspannen. „Wir haben hier so ein schönes Umfeld“, sagte sie.

Ein Ziel sei es für die Bürgermeisterin, dass von allen Orten der Einheitsgemeinde aus per Radweg die Kernstadt Osterwieck erreichbar ist. „Das geht nicht von heute auf morgen“, weiß sie, aber vielleicht in zehn Jahren.

Ein Schritt dorthin soll übrigens nächstes Jahr über die Landesstraßenbaubehörde vollzogen werden. Auf einer kommunalen Trasse neben der Landesstraße soll zwischen Berßel und Zilly ein Radweg entstehen, womit letztendlich auch Osterwieck und Dardesheim miteinander verbunden werden.

300 Euro im Jahr kostet die Stadt die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft, die eine Geschäftsstelle in Aken an der Elbe bekommt. Dafür werden die Osterwiecker künftig aus erster Hand Informationen erhalten, wo im Fördermittel-Dschungel etwas für ihre Vorhaben zu holen wäre.

Durch die Mitgliedschaft sieht die Bürgermeisterin aber auch die Bekanntheit der Stadt und die Bekanntschaft befördert. Denn auch hier gilt sprichwörtlich: Das Fahrrad muss nicht zweimal erfunden werden. Durch den Erfahrungsaustausch könnten gute Beispiele aus anderen Orten übertragen werden. Denn die Förderung in die Rad-Infrastruktur ist viel weiter gefasst als Wegebau. Es geht auch um Beschilderung, Kartenmaterial und Radverleih. „Wir sitzen mit am Tisch“, betonte Bürgermeisterin Wagenführ.

Weitere Gemeinden und auch Landkreise hätten bereits angekündigt, dem Netzwerk in naher Zukunft beizutreten, berichtete der Minister in Wittenberg. Radverkehrsförderung und Radwegebau seien eine Gemeinschaftsaufgabe des Bundes, der Länder und Kommunen. Die Arbeitsgemeinschaft werde eng mit der Landesregierung zusammenarbeiten und als zentraler Ansprechpartner der Kommunen für den Radverkehr in Sachsen-Anhalt dienen.