Halberstadt l Der Duft, der sich im Raum verteilt, ist schier unwiderstehlich. Steven Löper betätigt einen Hebel und heiße, dampfende Kaffeebohnen rieseln aus dem Röster in das Sieb. Rund fünf Tonnen röstet der Halberstädter im Jahr. Eine Handarbeit, die Geduld erfordert – zumal die Maschine nur fünf Kilogramm pro Durchgang schafft. Wenn die Produktionsmenge auch im Vergleich mit großen Röstereien eine kleine ist, ist sie doch etwas Besonderes. Das Magazin „Der Feinschmecker“ hat die Rösterei Löper gerade zur besten Sachsen-Anhalts gekürt. „Das ist eine Auszeichnung für meine jahrelange Arbeit, dafür, dass ich das Produkt lebe“, sagt Steven Löper stolz.

Er wurde im vergangenen Jahr von dem Magazin angeschrieben und um Kostproben sowie eine kurze Firmenbeschreibung gebeten, berichtet der 39-Jährige. Dass er der Beste wird, habe er selbst nicht erwartet. Immerhin gibt es laut Handelsblatt derzeit rund 600 Röstereien in Deutschland – und der Markt wachse. Immer mehr Konsumenten legen bei Produkten wert auf Regionalität. Und die werde – wenn die Bohnen selbst auch aus entfernten Ländern stammen – bei der Röstung vor Ort vermittelt. So sieht das auch Steven Löper.

Wert auf Regionalität gelegt

Zwar kommen auch Anfragen per E-Mail aus Braunschweig oder Magdeburg für seinen Bio-zertifizierten Kaffee, „aber entweder waren die Leute schon mal hier oder sie haben durch Mund-zu-Mund-Propaganda von uns gehört“, berichtet Löper. Überregionaler Handel – zum Beispiel dank einer Internet-Seite – sehe er für sich nicht. Lieber möchte er künftig mehr Hotels und gastronomische Einrichtungen im Harz beliefern. „Aber erst, wenn der neue Röster fertig ist. Wobei „neu“ nur bedingt zutrifft. Der 23-Kilogramm-Röster hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel und war in Niedersachsen im Einsatz. Löper hat ihn aus einem Nachlass erstanden und baut ihn derzeit wieder auf – neben dem Alltagsgeschäft.

So kommt der Geschmack in den Kaffee

Halberstadt (sr) l Damit Kaffee seine mehr als 800 Aromen entwickeln kann, muss er geröstet werden. Steven Löper aus Halberstadt hat den Beruf des Kaffeerösters gelernt. In seiner Rösterei in Halberstadt zeigt er Besuchern, wie das Handwerk funktioniert.

  • Kaffeebäume können mehrere Meter hoch werden. Sie wachsen hauptsächlich in Äquator-Nähe, der deshalb auch als Kaffeegürtel bezeichnet wird. Foto: Sandra Reulecke

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  • Sieht antiquiert aus, wird aber noch immer benutzt: Steven Löper kontrolliert an der Sortiermaschine, dass sich keine Steine oder faulen Bohnen in der Lieferung befinden. Foto: Sandra Reulecke

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  • Im unbehandelten Zustand sind Kaffeebohnen hell, fast grünlich. Auch haben sie kaum Aroma. Foto: Sandra Reulecke

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  • Damit sie ihren charakteristischen Geruch und Geschmack entwickeln können, müssen sie geröstet werden. Foto: Sandra Reulecke

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  • Dafür werden die Bohnen in einen Kaffeeröster gegeben. In einer Trommel werden sie bei 180 bis 200 Grad Celsius und unter ständiger Bewegung erhitzt. Zwischendurch testet der Röster immer wieder, wie weit der Vorgang vorangeschritten ist. Foto: Sandra Reulecke

    Dafür werden die Bohnen in einen Kaffeeröster gegeben. In einer Trommel werden sie bei ...

  • Beim Rösten verlieren die Kaffeebohnen Wasser. Sie werden leichter und größer, ihre Farbe verändert sich. Foto: Sandra Reulecke

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  • Nach 15 bis 20 Minuten im Kaffeeröster haben die Bohnen eine dunkelbraune Farbe bekommen. Außerdem verströmen sie jetzt den typischen Kaffee-Geruch. Foto: Sandra Reulecke

    Nach 15 bis 20 Minuten im Kaffeeröster haben die Bohnen eine dunkelbraune Farbe bekommen. Au...

  • Nach dem Röstvorgang werden die Bohnen auf ein Kühlsieb geschüttet. Unter ständiger Bewegung werden sie schnell auf eine niedrige Temperatur gebracht. Danach können sie als ganze Bohne oder gemahlen verkauft werden.  Foto: Sandra Reulecke

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  • Kaffee entwickelt beim Rösten rund 800 Aromen - damit ist er das aromareichste Lebensmittel der Welt. Foto: Sandra Reulecke

    Kaffee entwickelt beim Rösten rund 800 Aromen - damit ist er das aromareichste Lebensmittel ...

So beliefert er bereits einen Biomarkt in Wernigerode und ein Café auf dem Hexentanzplatz sowie die Bodetal-Therme in Thale. Allein letztere beziehe ein- bis zweimal im Monat 20 Kilogramm.

Das Hauptgeschäft ist aber nach wie vor das Café in der Halberstädter Altstadt, das im Mai sein elfjähriges Bestehen feiert. Es habe sich gut etabliert – auch dank Kooperationen mit dem Halberstädter Dom und der Glasmanufaktur in Derenburg. Um den Gästen nicht nur Selbstgeröstetes, sondern auch Selbstgebackenes zu servieren, feilt der Halbestädter gerade an seinen Backkünsten. Käsekuchen in allen Variationen kommen bei den Stammgästen besonders gut an, berichtet Löper. Neben den drei Mitarbeiterinnen wird der zweifache Vater – seine Töchter sind vier und neun Jahre alt – von seiner Familie unterstützt.

Rückschlag in Wernigerode

Sie gab ihm auch den Halt, als er einen Rückschlag zu verkraften hatte: 2014 hatte er eine Zweigstelle in Wernigerode eröffnet – und schon nach eineinhalb Jahren wieder geschlossen. „Das Konzept, ein Laden mit Stehcafé, hat nicht funktioniert. Touristen wollen sich hinsetzen“, sagt er. Derzeit wolle er kein weiteres Café eröffnen. Jedoch biete er an, andere bei solchen Plänen mit seinen Produkten und seinem Fachwissen zu unterstützen.

Falls dafür überhaupt Zeit bleibt. Steven Löper plant in der Halberstädter Vogtei auf dem Grundstück seiner Eltern ein Kaffee-Museum einzurichten. Immerhin hat das Heißgetränk in Halberstadt Tradition. 1903 gründeten die Brüder Hugo Büttner sen. und Wilhelm Büttner eine Kaffeerösterei, die später eine Zweigstelle in Berlin hatte. Auch darüber hat sich Steven Löper mittlerweile viel Wissen angelesen.

Vom Kfz-Mechaniker zum Röster

Bis er zum Spezialisten für das beliebteste Getränk der Deutschen – 2016 trank jeder durchschnittlich 162 Liter – wurde, schlug er zunächst jedoch ganz andere berufliche Wege ein. Gelernt hat er Kfz-Mechaniker, später absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Grundstücke. Kaffee gehörte damals auch schon zu seinem Alltag. Doch das Heißgetränk bekam ihm nicht immer gut. Sodbrennen war die Folge.

Dass das an der Qualität der Bohnen liegen könnte, wurde dem heute 39-Jährigen erst dank eines Fernsehberichts über Kaffee und dessen Herstellung bewusst. Er besichtigte die Rösterei, die in dem Beitrag vorgestellt wurde, in Hamburg, besuchte Seminare und arbeitete in der Rösterei mit, bis er 2007 seine eigene Rösterei eröffnete.