Halberstadt l Das Große Haus Halberstadt des Nordharzer Städtebundtheaters ist in die Jahre gekommen. Vor allem im Dachbereich und bei der Lüftung des Theatersaales gibt es große Mängel. Aus diesem Grund will der Eigentümer der Kulturimmobilie, die Stadt Halberstadt, die Spiel­stätte zukunftsfähig machen, das bedeutet energetisch sanieren. Der Stadtrat Halberstadt erteilte dem Projekt am Donnerstagabend, 4. Juni, einstimmig und ohne Diskussion grünes Licht.

Die Kreisstadt will danach richtig viel Geld in die Hand nehmen, um das Große Haus fit für die Zukunft zu machen. Zum Einsatz kommen Gelder aus dem Förderprogramm STARK III plus. „Es ist der Beginn einer zukunftsfähigen und nachhaltig sanierten Einrichtung, die noch viele Mittel und Aufwendungen benötigen wird“, heißt es in der Beschlussvorlage. Das Projekt umfasst eine Investition in Höhe von 990.752 Euro.

Dass das trotz einer angespannten Haushaltslage möglich ist, ist der großzügigen Förderung des Bauvorhabens zu verdanken. Die Stadt Halberstadt trägt letztendlich nur einen geringen finanziellen Eigenanteil in Höhe von etwa 35.000 Euro, informierte während der jüngsten Tagung des Stadtentwicklungsausschusses Jörg Wolansky, Baufachmann der Stadtverwaltung Halberstadt.

Moderne Lüftungsanlage für Theatersaal

Bereits 2018 reichte die Kommune einen Antrag auf Förderung der energetischen Sanierung des Theaters bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt ein. Der Antrag wurde im ersten Anlauf zwar abgelehnt, aber auf eine Warteliste gesetzt. 2019 kam schließlich wieder Bewegung in das Verfahren. Ende Januar bekam dann die Stadt Halberstadt den Zuwendungsbescheid. „Es ist Zeit, dass endlich etwas am Gebäude geschieht. Bis auf Kleinigkeiten ist am Großen Haus seit etwa 50 Jahren nichts gemacht worden“, betont Jörg Wolansky. In den Jahren 2009/2010 wurde der Bühnenturm komplett erneuert. Fenster wurden modernisiert und die Westfassade mit einem Ziegelbehang versehen.

Grundsätzliche energetische Sanierungen fanden jedoch nicht statt. Die bestehende Lüftungsanlage des ­Theatersaales verdient eigentlich ihre Bezeichnung nicht. Die warme Luft steigt nach oben und wird dann über Holzkanäle in der Decke abgeleitet. Allerdings wird keine Frischluft von außen in den Saal befördert, erklärt Jörg Wolansky. Das soll sich grundlegend ändern.

Das Gebäude erhält im Rahmen der Sanierung ein neues Zentralgerät mit Wärmerückgewinnung, das das Gebäude mit klimatisierter Frischluft versorgt. Die Rotor-Wärmerückgewinnung ermöglicht Zulufttemperaturen im Winter (Außentemperatur -zwölf Grad Celsius) von bis zu 17 Grad, sodass nur eine geringe Nacherhitzung erforderlich sei. Die Geräteregelung verfügt über einen intelligenten Nachtkühlmodus für den Sommerbetrieb, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Die Luftqualität werde mittels CO2-Fühler in der Abluft überwacht und bedarfsabhängig die Luftmenge erhöht, um eine ausreichende Luftqualität sicherzustellen. Angesichts der Coronaepidemie wichtig: Das neue Lüftungskonzept dient der Sicherstellung des erforderlichen Luftwechsels zur Einhaltung der Lufthygiene.

Altes Dach besitzt keine Dämmung

Aus brandschutztechnischen Gründen bekommt der Zuschauersaal des Hauses eine zusätzliche Abluft-Entrauchungsanlage. Sie dient der Gewährleistung sicherheits- und brandschutztechnischer Erfordernisse. Ein Dino ist auch das Dach des Großen Hauses. Es stammt aus der Bauzeit des ­Theaters, das 1949 als eines der ersten deutschen Theater der Nachkriegszeit seinen Spielbetrieb wieder aufnehmen konnte.

„Auf der Holzschalung befindet sich nur Dachpappe, keine Dämmung“, berichtet Jörg Wolansky. Die Dachabdichtung sowie die Holzschalung wird komplett entfernt. Das Dach bekommt eine Dämmung aus Mineralwolle und eine Dachabdichtung aus Kunststoffbahnen. Außerdem werden die Dachsparren zur Erhöhung der Tragfähigkeit verstärkt. Um die Energiebilanz des 71 Jahre alten Gebäudes zu verbessern, erhalten die Außenwände des Hauses ein neues Wärmedämmverbundsystem. Auf Altenteil schickt man auch die Fenster, die gegen neue ausgetauscht werden.

Stadt bekommt keine Angebote von Firmen

Nachdem der Stadtrat das ­Projekt abgesegnet hat, wird es jetzt ausgeschrieben, erklärt Jörg Wolansky. Läuft alles gut, rechnet er damit, dass Mitte Juli die Angebote der Fachfirmen auf dem Tisch liegen. Allerdings könnte die angespannte Lage auf dem Baumarkt für eine Verzögerung des Baubeginns sorgen, befürchtet er. Die Stadtverwaltung habe in jüngster Zeit bei der Abarbeitung anderer Bauprojekte bereits schlechte Erfahrungen gemacht.

„Wir bekommen nach Ausschreibungen einfach keine Angebote von Baufirmen, weil sie voll ausgelastet sind“, berichtet Jörg Wolansky. Unter anderem wird derzeit für die Sanierung der Sporthalle der Spiegel-Sekundarschule ein Baugerüst benötigt. „Wir bekommen nicht ein Angebot“, so der Baufachmann.

Beim Theater wäre das natürlich fatal. Jetzt ist das Geld abgesichert, der Stadtrat stimmte dem Vorhaben zu und letztendlich sind weit und breit keine Baufirmen zu finden, die das Projekt umsetzen.