Klein Quenstedt l Haushoch erhebt sich ein riesiger Erdwall am Ortsrand von Klein Quenstedt. Schwere Baufahrzeuge, die im Vergleich dazu wie Spielzeug wirken, befahren die imposante Erhebung – kippen tonnenweise Muttererde ab, die von einer Raupe gleichmäßig verteilt wird. Unter dem Hügel verbergen sich Tausende Tonnen Müll. Eine tickende Zeitbombe, wenn die Deponie nicht rekultiviert wird.

Bevor der Müll sich zum Problem für die Umwelt und die Menschen entwickelt, die in unmittelbarer Nähe wohnen, wird die ehemalige Mülldeponie zwischen Klein und Groß Quenstedt saniert. Das Landesverwaltungsamt in ­Halle gab dafür grünes Licht und finanziert die mehrere Millionen Euro verschlingenden Arbeiten, bestätigt auf ­Anfrage Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes.

Die Dimension der alten ­Deponie ist beeindruckend. Immerhin nimmt sie eine ­Fläche von elf Hektar ein. Das sind 110.000 Quadratmeter beziehungsweise umgerechnet fast 28 Fußballfelder. Dort liegen vor den Toren der Kreisstadt nach Aussage von Denise Vopel etwa 1,683 Millionen Tonnen Hausmüll, Erdaushub und Bauschutt.

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Vor 20 Jahren geschlossen

Die Deponie ist bereits vor 20 Jahren geschlossen worden. Im Januar 1999 endete dort nach Jahrzehnten die Abfallentsorgung. Damit war das Umweltproblem, also die Gefahr des Austritts giftiger Flüssigkeiten, noch längst nicht gebannt. Darum hätte sich der Betreiber kümmern müssen. Der meldete jedoch Insolvenz an und konnte daher seiner Pflicht zur Rekultivierung der Problem-Fläche nicht nachkommen, so Denise Vopel. „Das Land Sachsen-Anhalt musste deswegen im Rahmen einer Ersatzvornahme tätig werden und das Areal ­rekultivieren“, informiert ­sie weiter. Damit übernimmt Sachsen-Anhalt die immensen Kosten in Höhe von neun Millionen Euro.

Mehrere Spezialfirmen sind seit 2018 mit den Arbeiten ­beauftragt. Mit der Fertig­stellung wird im Dezember 2020 ­gerechnet. Was geschieht dort? Denise Vopel erklärt: „Über der Deponie wird ein 40 Zentimeter starkes Oberflächenabdichtungssystem sowie eine 1,30 Meter mächtige Rekultivierungs-Wasserhaushalts-Methanoxidationsschicht (RWM) errichtet und begrünt.“ Das bedeutet: Das Abdichtsystem übernimmt die gleichmäßige Verteilung des Restgases aus dem Deponiekörper unterhalb der Oberflächen-Abdichtungskomponenten. Die RWM reduziert den Niederschlagseintritt (Wasserhaushaltsfunktion) in den Deponiekörper, zum anderen sollen die aus dem ­Abfall austretenden Restgase innerhalb dieser Schicht durch ­Methanoxidation reduziert und abgebaut werden. Außerdem erfolgt zur Ableitung des Oberflächenwassers die Installation von vier Versickerungsbecken. Ziel der Rekultivierung sei die langfristige und umweltverträgliche Sicherung der Deponie.

Auch nach Abschluss der Rekultivierung Enden die Arbeiten nicht, so Denise Vopel. „Das Land Sachsen-Anhalt sichert nach Fertigstellung der umfangreichen Arbeiten ab 2021 regelmäßige Kontrollen im Rahmen der abfallrecht­lichen Nachsorge­phase“, betont die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes.