Halberstadt l Während sich die Meteorologen noch uneins darüber sind, ob sich der Winter in den kommenden Wochen noch einmal von seiner frostigen Seite zeigt, ist sich Jens Ganso absolut sicher: die Eiszeit kommt. So lautet der Name eines Wintermarktes, den er auf dem Halberstädter Fischmarkt veranstaltet. Vom Freitag, 31. Januar, bis zum Sonntag, 16. Februar, locken mehrere Buden, ein Karussell, Programm und vor allem eine Schlittschuhbahn.

450 Quadratmeter ist diese groß und bedarf einer aufwendigen Vorbereitung. Schon eine Woche vor der Eröffnung der Eiszeit wird ein Zelt auf dem Fischmarkt errichtet. Dieses schützt die Schlittschuhläufer nicht nur vor Regen, Wind und Schnee. „Es wirkt wie ein Kühlschrank“, erläutert Ganso. Deshalb machen auch anhaltende Temperaturen im Plusbereich dem kalten Vergnügen keinen Strich durch die Rechnung, versichert er.

Für die etwa zehn Zentimeter dicke Eisfläche werden etwa 70 Kubikmeter Wasser, das entspricht gut 388 Badewannenfüllungen, benötigt. Damit diese gefriert, wird auf dem Unterbau ein Schlauchsystem verlegt, in dem eine Kühlflüssigkeit gepumpt wird.

Schlittschuh-Bahn kostet 40.000 Euro

Rund 40.000 Euro koste es, die Bahn aufzustellen. Strom, Personal und so weiter seien darin noch nicht enthalten. Teils unterstützen Sponsoren die Veranstaltung. „Aber es ist schwer, welche zu gewinnen“, berichtet Jens Ganso.

Fest bauen könne er dagegen auf den Schirmherren der Veranstaltung, Landtagsmitglied Daniel Szarata (CDU). Der Bürgermeister-Kandidat werde ihn auch wieder bei der Organisation eines Eishockeyspiels unterstützen. Dafür, so sagt Ganso, werden noch Mannschaften gesucht. Das Turnier findet am 14. Februar statt.

Das Datum muss sich Ganso, der seit 2017 zur Eiszeit auf dem Fischmarkt einlädt, noch aus einem weiteren Grund rot im Kalender markieren. Es ist der Abgabeschluss für seine Bewerbung auf die öffentliche Ausschreibung für den Halberstädter Weihnachtsmarkt. Diesen organisiert der 56-Jährige bereits seit 2015, auch für die diesjährige Auflage ist er noch zuständig.

Halberstadt hat kein Personal für Markt

Ist die Stadt unzufrieden mit der aktuellen Ausrichtung der Veranstaltung oder warum wird sie neu ausgeschrieben? „Nein, das sind wir nicht“, betont Stadtmarketing-Managerin Nancy Schönknecht. „Als Kommune sind wir dazu verpflichtet, solche Projekte regelmäßig auszuschreiben.“ Fünf Jahre seien die übliche Dauer für solche Verträge, die optional um zwei Jahre verlängert werden können. „Damit es sich für die Ausrichter finanziell auch rechnet“, erläutert sie. Die Stadt und ihre Eigenbetriebe haben keine personellen Kapazitäten, den Weihnachtsmarkt selbst zu organisieren, wie es zum Beispiel in Wernigerode und Quedlinburg gehandhabt wird, so Nancy Schönknecht. Deshalb sei man auf externe Anbieter angewiesen.

In den Vergabeunterlagen, die im Internet zu finden sind, ist detailliert aufgelistet, was die Stadt von einem neuen Ausrichter, der aus dem gesamten Bundesgebiet stammen kann, erwartet. „Wir haben versucht, darin Kritikpunkte, die es in den vergangenen Jahren gab, aufzugreifen, damit das von vornherein unterbunden wird“, informiert Nancy Schönknecht.

Stichwort Warenangebot: In den Vergabeunterlagen steht, dass „eine Vielfalt von kunsthandwerklichen Erzeugnissen“ gefordert wird. „Es ist nur ein Verkauf von weihnachtlich orientierten Waren zulässig.“ Zudem wird ein „großes, zentrales, weihnachtliches Dekoelement“, zum Beispiel eine Glühweinpyramide oder eine Spieluhr, gewünscht. Aufgelistet sind ebenso die Öffnungszeiten, Besuche vom Weihnachtsmann, ein stimmiges Erscheinungsbild der Buden, Anzahl der Fahrgeschäfte und vieles mehr.

Drei Bewerber im Kulturausschuss

Potentielle Bewerber sind aufgefordert, im Rahmen dieser Eckpunkte ihre Konzepte für den Halberstädter Weihnachtsmarkt vorzulegen. Anhand eines Bewertungsbogens werden die besten drei Einsendungen ermittelt, erläutert Nancy Schönknecht. Anschließend, im März, stellen sich die besten drei Bewerber dann im Kulturausschuss vor. „Und bis Mitte April steht dann fest, wer der neue Betreiber sein wird.“

Jens Ganso hofft, dass dann sein Name fallen wird. „Ich möchte auf jeden Fall weitermachen. Es macht mir immer noch Spaß“, betont er. Auch aus unternehmerischer Sicht wünscht er sich eine Fortsetzung. „150.000 Euro – ohne Steuern – habe ich in den vergangenen fünf Jahren für den Weihnachtsmarkt investiert“, berichtet er. Das Geld sei unter anderem in Beleuchtungs- und Dekorationselemente geflossen, aber auch in die zwölf Buden, die ihm auf dem Markt gehören, Toilettenhaus und Märchenbuden inklusive.

Höhere Attraktivität und mehr Besucher

Nicht nur er habe investiert. Seitdem 2018 in Zusammenarbeit mit der Stadt ein Wettbewerb um die schönste Bude ausgerufen wurde, hat sich die Attraktivität der Stände deutlich erhöht, wie er sagt. „Viele haben den Ehrgeiz, zu gewinnen.“ Vielleicht ein Aspekt, warum sich die Besucherzahlen erhöht haben. „Letztes Jahr wurde der Markt stärker frequentiert“, sagt Ganso. Zahlen könne er zwar noch nicht nennen, aber das sei sein Eindruck und der vieler Händler.

Nachhaltigkeit auf Weihnachtsmarkt

Bei ihnen wie bei den Besuchern sei es gut angekommen, dass seit 2019 verstärkt auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Statt Einweg-Styroporbecher gibt es so Mehrweg-Pfandbecher für den Absacker auf dem Heimweg, statt aus Plastik bestehen Bestecke und Geschirr aus recycelten Materialien und Holz.

Dieses Konzept soll nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt 2020 fortgesetzt werden, sondern auch in seine Bewerbung für die nächsten Jahre einfließen, betont Jens Ganso.