Halberstadt l Tiefkühlschrank-Temperaturen von um die minus 16 Grad Celsius bestimmen seit der Nacht zum Dienstag das Winterwetter. Neuen Schnee soll es in den kommenden Tagen laut Wetterdienst kaum noch geben. Die sibirische Kälte hingegen bleibt vorerst. Der Kampf gegen die Schneemassen auf und an den Straßen hält an.

Die Bundesstraßen 79 und 81 präsentierten sich im Stadtgebiet Halberstadts am Dienstag, 9. Februar 2021, in einem passablen Zustand. Anders die kommunalen Straßen und teils auch die Kreisstraßen. Eine dicke Schneeschicht beziehungsweise Schneemehl machten das Vorankommen auf den Straßen teils sehr schwer, Parkplätze waren blockiert.

Räumdienst ab 2.30 Uhr

Das bedeute jedoch nicht, dass der Winterdienst nicht im Einsatz ist. „Die Mitarbeiter geben wirklich alles“, betont Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU). Seit Dienstag früh 2.30 Uhr sei der Winterdienst des Stadt- und Landschaftpflegebetriebs (Stala) im Einsatz. Bis 16 Uhr. „Mehr ist nicht möglich, um die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten zu können“, erläutert Szarata. In der Nacht zum heutigen Mittwoch sei wieder 2.30 Uhr als Starttermin angesetzt im Kampf gegen den Schnee.

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Im Einsatz seien alle verfügbaren Fahrzeuge: fünf Lkw, sechs Multicar, sieben Kleinfahrzeuge, zwei Radlader und ein Bagger. Allerdings, so berichtet der Oberbürgermeister, sei die Technik an ihre Grenzen gestoßen. Zwei Kleinfahrzeuge mussten in die Werkstatt. Eines von ihnen soll aber schon heute wieder einsatzfähig sein.

Technik streikt

Doch nicht nur die Technik sorge für Probleme. „Wir sind an die physischen Grenzen geraten aufgrund der Schneemassen.“ In kleinen Straßen sei es für die Fahrzeuge oftmals nicht möglich, als ein-, zweimal zu schieben. Danach sei der Schnee an den Seitenrändern schlichtweg so weit aufgetürmt, dass die Fahrbahn zu schmal für die Raumfahrzeuge wird. Dennoch kämen die Mitarbeiter des Winterdienstes gut voran. „Zum Glück hat es aufgehört zu schneien“, so Szarata. „Wir sind nun nach und nach dabei, die Straßen in einen befahrbaren Zustand zu bringen.“ Das bedeute jedoch nicht, dass sie komplett vom Weiß befreit werden, sondern dass sie so hergerichtet werden, dass sie mit normalen Fahrzeugen passierbar sind.

Der Oberbürgermeister bittet um Verständnis, dass das nicht in allen Wohngebieten gleichzeitig geschehen kann. Der Räumdienst arbeite nach einer Prioritätenliste. Ganz oben stünden darauf die großen Verkehrsachsen und Zubringer zu Bundes- und Landesstraßen.

Anwohner üben Kritk

Mittlerweile sind die Mitarbeiter des Winterdienstes jedoch auch schon zu weniger häufig frequentierten Straßen vorgedrungen, etwa in der Sarg- stedter Siedlung. Dort waren die Straßenverhältnise so prekär, dass sich sogar eines der Fahrzeuge des Räumdienstes festgefahren hatte und mit schwerer Technik befreit werden musste, berichtet Anwohner Klaus Thiel. Geräumt worden sei die Straße dann dennoch. Was bei dem Halberstädter jedoch nicht nur auf Freude stößt. „Das Räumfahrzeug hat den Schnee direkt in meine Einfahrt geschoben. Das Ausbuddeln wird sicher nicht so einfach“, sagt Thiel.

So etwas sei ärgerlich, aber angesichts der aktuellen Situation kaum anders händelbar, sagt OB Szarata. „Die Konsequenz wäre, nicht zu räumen und das ist keine Option.“

Klaus Thiel ist nicht der einzige, der Kritik am Winterdienst übt. Es seien mehrere Beschwerden im Rathaus eingegangen, bestätigt der Oberbürgermeister. „Wir haben die Leute ja auch dazu aufgerufen, uns ihre Kritikpunkte und Anregungen mitzuteilen, um zu sehen, wo es Knackpunkte gibt“, sagt er. Dafür sei das Beschwerdemanagment der Stadt bereits um einen Mitarbeiter aufgestockt worden. Das Team sei so geschult und informiert, dass es auch Auskünfte dazu geben könne, welche Rechte und Pflichten der Bürger bei solchen Wetterlagen habe. Zu erreichen ist das Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt unter Telefon (0 39 41) 55 10 55.

Schnee aus Wohngebieten transportiert

Derweil verbündeten sich die Stadt Halberstadt, die Hauptberufliche Wachbereitschaft der Feuerwehr, der Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala sowie die Ortsverbände Halberstadt und Quedlinburg des Technischen Hilfswerks (THW) und rücken den Schneemassen gemeinsam zu Leibe. Feuerwehr und THW stellen Lastwagen und Bagger, der Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala ebenfalls einen Bagger. Am Dienstagmorgen begannen sie, die Straßen vom Schnee zu beräumen, um der Stadt im wahrsten Sinn des Wortes wieder Luft zu verschaffen. Der Schnee wird auf dem Burchardieanger gelagert.

Die weißen Massen aus dem Gewerbegebiet Ost werden derweil zum Parkplatz am Halberstädter See gebracht. Dies hat die Agrarservice GmbH Halberstadt übernommen, um die Stadt zu unterstützen, dem Schneechaos Herr zu werden.

„An mehreren Orten ist der Platz für die Schneemassen nicht mehr ausreichend, sodass die THW-Ortsverbände Halberstadt und Quedlinburg mit mehreren Lkw und Baggern sowie einem Teleskoplader mit Schaufel den Schnee dort abtransportieren“, berichtet Hans Odenbach, Sprecher des THW-Ortsverbands Halberstadt. Neben Kreuzungen und Plätzen wurden auch die Flächen des Rettungsdienstes beräumt, um die Grundversorgung aufrecht zu erhalten.

„Das THW befreite im Harz bis jetzt über 18 Lkw, die festgefahren waren oder quer auf den Straßen standen, und transportiert Schnee ab, der vor Ort die Straßen blockiert“, so Hans Odenbach. Die THW Ortsverbände Halberstadt und Quedlinburg seien mit wintergängigen, allradbetriebenen und mit Schneeketten ausgerüsteten Fahrzeugen im Einsatz. „Bereits auf den Anfahrten zu den Einsatzstellen wurden weitere Lkw und Pkw geborgen. Mit den beginnenden Morgenstunden verlagerten sich die Einsatzgebiete von überwiegend Hauptverkehrsstraßen wie der B 27 und Abfahrten der A 36 auf die Nebenstraßen, Gewerbegebiete und Ladezonen“, so der THW-Sprecher. Aufgrund der Wetterlage würden sich beide Ortsverbände zunächst auf Einsätze bis kommenden Sonnabend vorbereiten.

Situation in Klinikum

Doch nicht nur für Autofahrer werden Schnee und Eis zur Herausforderung, sondern auch für Fußgänger. Glücklicherweise bislang aber offensichtlich mit glimpflichem Ausgang. „Derzeit ist ein massiver Anstieg von Patienten nicht zu verzeichnen, die mit Verletzungen aufgrund des Wintereinbruchs zu uns kommen“, informiert Ameos-Sprecherin Katharina Fleischer auf Volksstimme-Anfrage.

Allerdings konnten einige Patienten aufgrund der Straßenverhältnisse nicht zum vereinbarten Termin erscheinen. „Für diese Patienten wurden neue Termine vereinbart“, berichtet Katharina Fleischer.

Die einen konnten nicht zum Krankenhaus, die anderen nicht weg. „Am Montag waren die Entlassungen unserer Patienten in die Häuslichkeit oder in die Pflege durch die heftigen und anhaltenden Schneefälle teilweise erschwert“, schreibt die Klinik-Sprecherin. Die Transporte mit Taxis und anderen Unternehmen in Halberstadt und in der Region seien zum Teil eingestellt oder aufgrund der winterlichen und glatten Straßenverhältnisse eingeschränkt gewesen. „Dadurch blieben einige Patienten länger im Krankenhaus, sodass wir beispielsweise den Zeitplan für die Bettenaufbereitung und die Reinigung anpassen mussten.“

Arbeitsreich auch die Situation außerhalb des Krankenhauses: „Auf dem Gelände des Ameos-Klinikums werden seit dem Wochenende täglich und bis spät in die Nacht hinein die Wege und Straßen von unseren Technikmitarbeitern, die hier besonderen Einsatz zeigen, von den Schneemassen befreit“, berichtet Katharina Fleischer. „Die Wege sind frei.“

Das galt und gilt für die Straßen zum Klinikum jedoch nur bedingt. „Da unsere Mitarbeitenden nicht nur in Halberstadt wohnen, sondern auch aus den angrenzenden Ortschaften wie dem Huy, aus Osterwieck oder aus der Gegend Richtung Magdeburg kommen, gab es am Wochenende zeitliche Verschiebungen zum Dienstbeginn. Diese Situationen haben wir innerhalb der Teams kurzfristig gelöst, sodass die vollumfängliche Versorgung unserer Patienten zu jeder Zeit gewährleistet war.“

Dank für Einsatz

Dafür, dass Klinikpersonal, Pflegedienstmitarbeiter, Erzieher und Verkäufer bis hin zum Postboten den aktuellen Bedingungen – Schneechaos und Corona – trotzen, sei ein großes Danke angesagt, sagt Regina Köhler aus dem Schachdorf Ströbeck am Leser-Telefon. Sie finde, dass diesen Personen auch dann Verständnis gebühre, wenn mal etwas nicht so läuft wie gewohnt. „Ich kann nicht verstehen, dass sich Leute bei dem Wetter aufregen, wenn zum Beispiel ihre Zeitung nicht pünktlich im Kasten ist“, sagt sie. Ähnlich sieht das Elfriede Wolters aus Harsleben. „Ich möchte mich bei unserem Zeitungsausträger bedanken, der sich trotzdem auf die Straße wagt.“

Die Halberstadtwerke geben trotz extremer Kälte und Schnee Entwarnung. „Aktuell meldet die Netzleitstelle keine Störungen. Die Versorgung unserer Kunden in unserem Netzgebiet mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser ist sichergestellt“, informiert auf Nachfrage Halberstadtwerke-Sprecherin Ariane Möschter. Laut eigenen Angaben versorgen die 102 Mitarbeiter des städtischen Dienstleistungsunternehmens derzeit 28 173 Kunden mit Strom, 9891 mit Gas, 6198 mit Trinkwasser und 249 mit Fernwärme. Lokalseiten