Halberstadt l Das Entsetzen bei vielen Eltern war groß, als es 2017 hieß, die Schüler der Diesterweg-Grundschule sollen für die Dauer der Sanierungs- und Umbauarbeiten in den Keller der Goethe-Grundschule umziehen. Es hagelte Proteste. Monate später, kurz vor Beginn des Schuljahres 2018/2019, hat sich die Lage entspannt. Das einst dunkle und feuchte Kellergeschoss der Goethe-Grundschule ist aufwendig im Auftrag der Stadt umgebaut worden. Elternvertreter und Stadträte konnten sich vom Ergebnis der Arbeiten vor Ort ein Bild machen.

Es grenze an ein Wunder, dass das anspruchsvolle Bauvorhaben, die Goethe-Grundschule auf den Einzug der Diesterweg-Schüler vorzubereiten, in so kurzer Zeit verwirklicht werden konnte, sagt Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, während des Rundgangs. „Mithilfe der Firmen und Planer ist die Umsetzung des Projekts vom Beschluss durch den Stadtrat bis zur Fertigstellung in nur wenig mehr als sieben Monaten gelungen.“ Das sei rekordverdächtig. Was genau so wichtig sei, ist, dass der geschätzte Kostenrahmen von maximal 450.000 Euro eingehalten wird. Einmal, weil das Geld im klammen Haushalt der Kommune im wahrsten Sinn des Wortes für das Vorhaben zusammengekratzt werden musste. Denn Fördergeld hat die Stadt nicht erhalten. Außerdem würden die Baupreise immer schneller in die Höhe klettern.

Mehr als nur Tapeten

Jens Klaus erinnert ­daran, dass es anfangs hieß, „was denn, so viel Geld für ein paar neue Tapeten und ein bisschen Farbe“. „Es war viel mehr zu tun, um Schülern und Lehrern für die Dauer ihres Aufenthaltes an der Goethe-Grundschule von etwa eineinhalb ­Jahren gute Bedingungen zu bieten.“ Außerdem sei die Nachhaltigkeit der Investition gesichert. Nach dem Auszug der Diesterweg-Schüler zieht die Hortbetreuung der Goethe-Grundschule in die ausgebaute Kelleretage ein.

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Jörg Wolansky von der Bauabteilung der Stadtverwaltung berichtet, dass das Kellergeschoss als Sport- und Spielräume genutzt wurde. Bei Regen zog Feuchtigkeit ein. Tonnen von Erdreich mussten bewegt werden, um das Geschoss von außen freizulegen. Jeder Raum bekam zwei zusätzliche ­Fenster, um die Lichtverhältnisse zu verbessern. Die Öffnungen dafür wurden mit großem technischen Aufwand von einer Spezialfirma mithilfe einer Betonsäge in die Mauer gefräst. Um die Feuchtigkeit aus dem Haus zu bekommen und um das weitere ­Eindringen von Nässe künftig zu verhindern, ist ein aufwendiges Drainagesystem verlegt worden, informiert Jörg Wolansky. Die komplette Haustechnik, Böden, Fenster und Türen sind erneuert worden. Alle Unterrichtsräume haben moderne LED-Technik erhalten, Brandschutztechnik ist installiert, die Statik des gesamten ­Gebäudes verbessert worden. Insgesamt sind auf einer Fläche von etwa 180 Quadratmetern zwei Unterrichtsräume, Garderoben, drei Abstellräume- beziehungsweise für Förderunterricht neu entstanden. „Vollwertige Unterrichts­räume“, betont der Baufachmann.

Regen brachte Rückschlag

Jörg Wolansky berichtet aber auch von einem Rückschlag, der den Fortgang der Arbeiten um eineinhalb Wochen zurückwarf. „Der Estrich war gerade eingebracht, als am 1. Juni der Starkregen über Halberstadt nieder ging. Im Schulgebäude brach eine Leitung, in den ­neuen Räumen stand das Wasser 15 Zentimeter hoch.“ Der neue Estrich musste raus und neuer wieder eingebracht werden.

Alles musste schnell über die Bühne gehen. Die seit mehr als zehn Jahren immer wieder angemahnte Sanierung der über 60 Jahre ­alten ­Diesterweg-Grundschule soll beginnen. Die Stadt ­Halberstadt investiert dafür etwa 5,5 Millionen Euro. Derzeit laufen die Vorbereitungen, der Start der Bauarbeiten erfolgt noch in diesem Jahr, versichert Jens Klaus. Einen ­Umbau der Schule bei laufendem Unterricht lehnte der Stadtrat als nicht umsetzbar ab. Als Ausweichquartier für Schüler und Lehrer wurde daher die etwa einen Kilometer weit ­entfernte ­Goethe-Grundschule favorisiert. Im Dezember 2017 stellte der Stadtrat Halberstadt die Weichen für den Umbau der Goethe-Grundschule.

Ab dem neuen Schuljahr werden somit insgesamt 400 Mädchen und Jungen an der Goethe-Grundschule interrichtet, 120 als Gäste auf Zeit.