Halberstadt l In Zusammenarbeit mit dem Kultus- und dem Sozialministerium zeichnet der Verband junger Medienmacher Sachsen-Anhalt jedes Jahr die besten Schülerzeitungen und Nachwuchsjournalisten im Bundesland aus. Die Schülerredaktion des Martineums hat dieses Jahr den Sonderpreis des Kultusministeriums „Für ein tolerantes Miteinander - Wir mischen uns ein!“ erhalten. Mit der Auszeichnung sind 250 Euro verbunden.

Die Schüler bekamen den Preis für den Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der Schülerzeitung „Das Martinshorn“.

Der sechs Seiten lange Artikel „Wie offen sind wir wirklich?“ widmet sich dem Thema Homosexualität. Die Autorinnen Jessica Feider, Alena Geffert und Antonia Wohlmann setzten sich mit der Frage auseinander, wie tolerant die Gesellschaft in Deutschland wirklich mit gleichgeschlechtlicher Liebe umgeht.

„Wir wollten uns mit dem Thema beschäftigen, weil nicht viele Zeitungen darüber schreiben. Es ist etwas Persönliches“, sagt Autorin Alena Geffert.

Zuerst hatten die Schülerinnen die Idee, ein Selbstexperiment durchzuführen. Sie überlegten, sich als homosexuell zu outen und zum Beispiel Händchen haltend über den Schulhof zu laufen. Dann wollten sie abwarten, wie ihre Mitmenschen darauf reagieren. „Nachdem wir in der Gruppe darüber gesprochen hatten, haben wir diese Idee aber fallen gelassen. Wir wollten niemanden veralbern“, erzählt Jessica Feider.

Der Artikel enthält unter anderem nun den Erlebnisbericht einer Person, die tatsächlich homosexuell ist und sich gegenüber ihrer besten Freundin geoutet hat. Außerdem werden verschiedene prominente Personen thematisiert, die ebenfalls Personen des gleichen Geschlechts liebten und lieben.

Bei der Preisverleihung am 21. November lobte die Jury vor allem, wie „umfassend und reif“ die Schüler mit dem Thema umgegangen sind, sagt Evelyn Schwarz, die für das Layout verantwortlich ist.

Für das Titelthema ihrer aktuellen Ausgabe recherchierten die jungen Journalistinnen querbeet, auch zu Homosexualität im Tierreich. „Das ist dann schon manchmal ein bisschen schwierig zu erklären, wenn jemand mitbekommt, was man da gerade googelt“, berichtet Alena Geffert.

Die Arbeit an einem Leitartikel dauert etwa sechs Wochen, einschließlich Planung und Druck, erklärt Lehrerin Aurelia Meyer-Thomas, die zusammen mit ihrem Kollegen Mario Schulze die Schülerzeitung betreut. Das sei bei jeder Ausgabe so. Mindestens drei Schüler wirken immer bei der Entstehung des wichtigsten Artikels mit.

Die Schülerredaktion des Martineums trifft sich regelmäßig mindestens einmal die Woche noch vor der ersten Unterrichtsstunde von 7 Uhr morgens bis fast viertel vor acht. Dann huschen alle schnell in den Unterricht. „Zu einer anderen Uhrzeit können wir uns leider nicht treffen“, sagt Aurelia Meyer-Thomas. Nachmittagstermine zu finden, sei sehr schwierig mit den viel beschäftigten Schülern.

Dennoch finden sich viele, die mitmachen wollen. „Aktuell haben wir die größte Besetzung seit vielen Jahren“, so Mario Schulze.