Halberstadt l Ein Trümmerfeld ist das ehemalige Klubhaus Halberstadt nach jahrzehntelangem Leerstand. Mitten in der Stadt und direkt an der vielbefahrenen B 81 gelegen, belastet die Ruine das Stadtbild und schreckt in prominenter Lage potenzielle Gäste von einem Besuch der Kreisstadt ab. Viele Halberstädter drängen seit Jahren auf eine Lösung. Jetzt könnte sie in greifbare Nähe rücken. Schon bald könnte der Abriss des Hauses beginnen, vom Land Sachsen-Anhalt wurden dafür Fördermittel bereitgestellt.

Seit über einem Jahr ist Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) in Kontakt mit einem möglichen Investor. Danach soll das stark ramponierte und verfallene Gebäude abgerissen werden, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Allerdings nicht für ein neues Klubhaus, sondern wohl für ein Wohnhaus. So die letzten – spärlichen – Informationen aus dem Rathaus. Andreas Henke schweigt sich bislang über den Investor aus. Rathaussprecherin Ute Huch bestätigte kürzlich auf Anfrage lediglich: „Die Stadt ist weiterhin mit einem Investor im Gespräch.“

Bereits während der jüngsten Stadtratssitzung im November 2019 kritisierte Gerlinde Holz (AfD), dass die Stadträte von der Verwaltung zum Thema Klubhausabriss und Neubebauung zum Schweigen verpflichtet worden seien, obwohl es bei den Bürgern ein großes Informations­bedürfnis gebe.

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Abriss kostet halbe Million Euro

Dass es monatelang nicht weiterging, lag vor allem an den enormen Abrisskosten. Die veranschlagte der Oberbürgermeister 2019 mit bis zu 500.000 Euro. Dieser gordische Knoten konnte nun mithilfe des Landes Sachsen-Anhalt zerschlagen werden.

Der Stadt liegt mittlerweile der sehnlichst erwartete Förderbescheid für den Abriss des Gebäudes vor. Im Dezember 2019 habe es Gespräche mit dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr hinsichtlich eines weiteren Fördermittelantrages gegeben, auf diesen Bescheid warte die Stadt noch, bestätigte Ute Huch.

Über die Höhe der Landeszuwendungen schwieg sich bei erneuter Anfrage der Volksstimme OB Andreas Henke aus, obwohl die Zahlen kein Geheimnis sind. Warum auch, schließlich handelt es sich nicht um eine Privatinvestition, sondern um öffentliche Mittel – Geld der Steuerzahler. Er wolle die gute Nachricht während des heutigen Neujahrsempfangs der Stadt verkünden, ließ er über seine Pressestelle informieren.

Verkehrsministerium liefert Zahlen

Auskunftsfreudiger zeigte sich hingegen der Fördermittelgeber – das Ministerium für Landes­entwicklung und Verkehr: „Bereits bewilligt im Programmjahr 2019 sind 486.000 Euro aus dem Stadtumbauprogramm für den Rückbau des ehemaligen Klubhauses der Werktätigen in Halberstadt sowie 63.330 Euro aus dem Programm ,Soziale Stadt-Investitionen im Quartier‘ für den Grundstücks­erwerb der Spiegelstraße 21“, informierte am Mittwoch Ministeriumssprecher Peter Mennicke. Weitere Fördermittel seien bisher nicht beantragt.

Das verwaiste Klubhaus präsentiert sich in einem furchtbaren Zustand – drinnen noch schlimmer als von außen. Die gesamte Inneneinrichtung ist zerschlagen oder demontiert, Wände wurden beschmiert und herausgebrochen, überall liegen Glas und Trümmerteile herum, Scheiben sind zerschlagen, Decken aufgerissen. Mittlerweile kümmert sich anscheinend niemand mehr um die Sicherung der Ruine. Ungehindert kann man das Gebäude über offen stehende Türen betreten. Verbots- oder Warnschilder fehlen. Ein gefährlicher Abenteuerplatz für spielende Kinder.

Mit Verkauf begann der Niedergang des Hauses

Anfang der 1990er Jahre ­hatte der Landkreis Halberstadt das Klubhaus an einen Investor verkauft. Damit begann der Niedergang des Gebäudes. Die Vereinigte Volksbank Halberstadt, die den Besitzern einst den Kredit zum Kauf des ­Hauses gewährte, gab die Immobilie bereits vor Jahren an die BAG Bankaktiengesellschaft weiter. Eine Art Badbank innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken, die sich um Problemkreditgeschäfte kümmert. Die Eigentümer haben dann 2002 beim Amtsgericht Magdeburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren ist am 21. Oktober 2009 mangels Masse eingestellt worden.