Schwanebeck l Über diesen Fuß- und Radweg lache die ganze Stadt, ist sich der Schwanebecker Matthias Uhde sicher. Die kleine Gasse, die nicht einmal einen Namen trage, verbindet in Schwanebeck die Feldstraße mit der Neustädter Straße. Damit Fußgänger schnell von der einen zur anderen Straße kämen, so Uhde.

Verschwendung von Steuergeldern?

Vor ungefähr acht Wochen wurde die Gasse nun ganz offiziell, zum Rad- und Fußweg erklärt. Zwei Verkehrszeichen „gemeinsamer Rad- und Fußweg“ verdeutlichen dies am Anfang und am Ende des Durchgangs. „Das ist doch eine Verschwendung von Steuergeldern“, schimpft Uhde. Die Straße sei so kaputt, da könne sowieso niemand entlangradeln. Mit einer Länge von ungefähr zehn Metern, schätzt Uhde, sei das wohl der kürzeste Fuß- und Radweg der Bundesrepublik.

Doch warum wurden die Schilder dort aufgestellt? Uhde mutmaßt, weil die Straße sonst immer zugeparkt werde. Diese Vermutung bestätigt Jenny Spott vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Vorharz. Sie sagt: „Regelmäßig gab es Beschwerden von Anwohnern.“ Diese seien manchmal zu Fuß kaum mehr durchgekommen, da die Gasse als Parkfläche von Anwohnern der Feld- und Neustädter Straße genutzt wurde. Und wenn sie nicht zugestellt wurde, hätten manche Menschen diese Straße sogar mit ihren Autos befahren. „Trotz Poller“, sagt Spott.

Um dies zukünftig zu verhindern, habe das Ordnungsamt die Beschilderung im September durch den Bauhof anbringen lassen. Der Beschluss dazu sei in der Sitzung des Stadtrates im Juli einstimmig gefallen, so Spott weiter. Obwohl auch vor der Beschilderung den Anwohnern hätte klar sein müssen, dass dort nicht geparkt werden darf, habe das Ordnungsamt das nun durch die Verkehrszeichen noch einmal verdeutlicht. „Und jetzt können wir das Falschparken auch mit einem Bußgeld ahnden“, nennt Jenny Spott als Konsequenz.

Die Parksituation in den beiden Straßen, die die kleine Trasse miteinander verbindet, sei schwierig, da sowohl die Feld- als auch die Neustädter Straße an manchen Stellen sehr schmal seien, sagt die Mitarbeiterin. In diesen Bereichen dürfe somit nicht geparkt werden. Denn laut Paragraf 12, Absatz 1, der Straßenverkehrsordnung ist bereits das Halten an engen Straßenstellen nicht erlaubt. Denn für Notfälle, damit Feuerwehr oder Rettungswagen durchkämen, müsse eine Mindestbreite der Fahrbahn eingehalten werden.

Straßen an vielen Stellen zum Parken zu eng

Um dennoch direkt vor der Haustür parken zu können, hätten sich einige Bewohner Stellplätze in ihren eigenen Vorgärten geschaffen. Andere würden in den anliegenden Straßen wie an der Oscherslebener Straße parken, an der ausreichend Parktaschen zur Verfügung stünden. Sie würden so einen längeren Weg zu ihrem Grundstück in Kauf nehmen. Andere wiederum hätten den kleinen Verbindungsweg zwischen Feld- und Neustädter Straße zum Parken genutzt.

Damit soll jetzt durch das Aufstellen der Schilder Schluss sein. Das Ordnungsamt habe sich hier für das Verkehrszeichen gemeinsamer Fuß- und Radweg entschieden, da der Pfad breit genug sei. Wenn die Stadt ihn nur als Fußweg gekennzeichnet hätte, hätten Radfahrer absteigen müssen.

Gekostet hätten das Aufstellen und die Beschaffung der Verkehrszeichen die Kommune im September nichts, denn die Schilder habe das Ordnungsamt noch auf Lager gehabt. Mit Kosten von ungefähr 300 Euro müsse man für die zwei Verkehrszeichen ansonsten rechnen, so Jenny Spott.

Bürgermeister "nicht begeistert"

Und was sagt Schwanebecks Bürgermeister Benno Liebner (CDU) zu dem offiziellen Fuß- und Radweg der Stadt? „Begeistert bin ich von der Beschilderung nicht.“ Denn eigentlich dürfe man auch ohne Verkehrszeichen in der kleinen Gasse nicht parken, sagt Liebner, der beruflich als Fahrlehrer tätig ist.

Auch hinter den neuen Schildern sei das Parken verboten, denn es handele sich hier um eine Einmündung. Laut Paragraf 12, Absatz 3, der Straßenverkehrsordnung muss dann mindestens fünf Meter vom Bordstein entfernt geparkt werden. Trotzdem würden die Anwohner regelmäßig ihre Fahrzeug dort abstellen.

Das Ordnungsamt habe schon vorher immer wieder kontrolliert, dass die Feld- und Neustädter Straße sowie der Verbindungsweg nicht zugeparkt würden. „Wir überprüfen das auch weiter“, sagt Jenny Spott. Aber die Mitarbeiter des Ordnungsamtes könnten auch nicht immer vor Ort sein.

Rekordhalter aus Niedersachsen

Die Chancen jedoch für Schwanebeck, mit diesem kurzen Fuß- und Radweg einen Rekord aufzustellen und damit ins Guinessbuch zu kommen, stehen für die Stadt trotzdem schlecht. Denn laut Medienberichten soll sich der kürzeste Radweg in der Stadt Cloppenburg in Niedersachsen befinden. Dieser soll gerade einmal fünf Meter lang sein. Über diese Superlative können sich die Bewohner jedoch nicht freuen, denn kaum sind sie mit dem Rad drauf, müssen sie den Weg auch schon wieder verlassen.