Wernigerode l Klaus Wrackmeyer aus Berßel ist – salopp formuliert – ein Urgestein im Straßenverkehr. „Ich habe seit 1968 die Fahrerlaubnis und denke, ich habe mir ein fundiertes Wissen und auch eine gewisse Fahrtauglichkeit angeeignet, sonst wäre ich die ganze Zeit über nicht unfallfrei unterwegs gewesen.“ Um so mehr wundert sich der 67-Jährige, dass klare und eindeutige Verkehrsvorschriften im Alltag immer wieder verändert und aufgeweicht würden. „Ich erinnere nur an die Kreuzung bei Schmatzfeld, wo die Regelung, dass der Linksabbieger allen entgegenkommenden Fahrzeugen die Vorfahrt einräumen muss, negiert wird und plötzlich die Rechtsabbieger warten müssen“.

Das sei, räumt Uwe Raugust von der Harzer Polizei ein, wegen der Abweichung von der Grundregel gewiss etwas gewöhnungsbedürftig. „Diese Regelung ist aber – erstens – gesetzeskonform und hat – zweitens – im Umfeld der vierspurigen B 6 durchaus ihre Berechtigung“, erklärt der Verkehrstechniker.

Gefahren minimieren

„Letztlich soll der Schwerverkehr auf die B 6 gebracht werden. Ziel ist es, die Abläufe dabei flüssig und sicher zu gestalten.“ Daher, so Raugust, diese Regelung, die letztlich ein Ziel habe: Linksabbieger müssen zwar entgegenkommenden und geradeaus fahrenden Fahrzeugen die Vorfahrt einräumen. „Sie sollen aber nicht zusätzlich von entgegenkommenden Rechtsabbiegern beim Abbiegen ausgebremst werden und dann die Hauptfahrbahn blockieren“, skizziert er die Absicht.

Bei dieser Regelung stünden insbesondere tonnenschwere und lange Laster im Fokus. Die kämen als Linksabbieger erst schwerfällig auf Touren und müssten anschließend, wenn einem Rechtsabbieger die Vorfahrt eingeräumt werden müsse, erneut stoppen. „Und dann würden sie oft die Hauptfahrbahn blockieren und Unfallgefahren heraufbeschwören.“ Um das oberste Ziel, die Einmündung zügig von Linksabbiegern zu räumen, zu erreichen, gebe es dort stets eine gesonderte Rechtsabbiegespur, auf der auch Lkw ihrer Wartepflicht nachkommen können, so Raugust.

Diese Regelung, die rund um die B 6, die künftige Nordharzautobahn 36, nahezu flächendeckend üblich sei, habe sich weitgehend bewährt. „Allerdings haben wir gerade diese Zubringer auch wegen des steigenden Verkehrsaufkommens ständig im Blick“, betont Raugust.

Unfälle nahe Schmatzfeld

So die Schmatzfelder Einmündung von B 244 und B 244a. Nachdem es dort mehrere schwere und sogar tödliche Unfälle gegeben hat, wurde die Rechtsabbiegespur in der Länge gestutzt. Das wiederum kann sich nun für die Rechtsabbieger nachteilig auswirken, wenn sie Linksabbieger vorlassen müssen. Bei hohem Verkehrsaufkommen kann es zum Rückstau bis auf die Hauptfahrbahn der B 244 kommen. „Deshalb schauen wir auch hier ständig genau hin, um notfalls zu korrigieren“, betont Raugust.

Klaus Wrackmeyer bleibt trotzdem skeptisch. „Selbst wenn die Absicht hinter dieser Sonderregelung eine gewisse Logik erkennen lässt, rechtfertigt es dieses Ziel nicht, dafür grundsätzliche und logische Verkehrsregeln aufzuweichen und es insgesamt komplizierter und gefährlicher zu machen.“