Halberstadt l Nichts von Weihnachts-Heimeligkeit. Ganz im Gegenteil, das Nordharzer Städtebundtheater ließ es nochmal so richtig krachen! Mit „Frau Luna“ wurde der letzte kalendarischen Höhepunkt des Jahres, Silvester, temporeich und mit gut gesetzten Pointen, gern auch mit aktuellen Seitenhieben auf das Berlin im Jahr 2017, theatralisch eingeläutet. Solisten, Chor und Orchester trafen auf ein Premierenpublikum, das emotional voll auf die besondere Mischung aus Berliner Witz, zackiger Marschmusik und gefühlvollen Walzern abfuhr. Voller Anteilnahme begleiteten die Zuschauer die folgenreiche Fahrt von Fritz Steppke im selbst gebauten Expressballon und seiner Freunde, inklusive der dominanten Frau Pusemann, zum Mond und nach Berlin zurück. Von Beginn an gab es Beifall auf offener Szene, der sich dann zum Mitklatschen bei der „Berliner Luft“ bis hin zu Standing Ovations und Beifallsrufen am Ende der Aufführung steigerte.

Glitzer und Glamour

Mit viel Glitzer und Glamour hat Regisseurin Birgit Kronshage die inhaltlich nicht mehr ganz taufrische Operette inszeniert und für ein höchst amüsantes, gut zweistündiges Vergnügen gesorgt, heimliches, stilles Mitsingen eingeschlossen. In Ausstatterin Andrea Kaempf hat Kronshage eine kongeniale Partnerin gefunden. Da trat das kosmische Personal in einfallsreichen phantasievollen und schillernden Kostümen auf, während der Code Dress der Erdenbewohner dem Stil der Entstehungszeit der Operette nachempfunden wurde. Eigene moderne Glanzpunkte setzt die Ausstatterin beim vielfarbigen, sich ständig wandelnden kosmischen Bühnenhintergrund. Und im Speziellen beim Kostüm der Stella mit ihrem Spitztüten-BH, einer Reminiszenz an Jean Paul Gaultier und sein für Madonna kreiertes Korsett. Oder bei Prinz Sternschnuppe. Prinz Charming kommt auf Rollschuhen – übrigens sehr gekonnt – auf die Bühne. Und, wenn er die mal abschnallen muss, trägt er fluoreszierende Sneaker. Als extrem spielfreudig und vom Schwung und der Leichtigkeit der Musik getragen präsentierte sich das gesamte Ensemble. Offenbar hatte die viel besungene „Berliner Luft“ die Akteure so beflügelt, dass sie keine Chance ausließen, den bekannten Gassenhauern noch eine besondere Nuance zu geben, auch wenn das Berlinern nicht immer so jedermanns Sache war.

Gesamtleistung gelungen

Angesichts dieser geschlossenen Gesamtleistung fällt es schwer, einzelne Sänger besonders hervorzuheben. Musikalische Glanzpunkte setzten vor allem Bettina Pierags als Frau Luna, eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben zu sein schien, und Bénédicte Hilpert als Marie, mit ihrer berühmten Arie „Schlösser, die im Monde liegen“. Ob Tobias Amadeus Schöner als Fritz Steppke, Norbert Zilz als Wilhelm Pannecke und Gijs Nijkamp als August Lämmermeier oder Edith Jeschke als Mathilde Pusemann alias die„vier Berliner“, sie alle zeichneten sich durch Spielwitz und teils überbordende Komik aus. Vom galaktischen Personal gefielen neben Michael Rapke als ein wenig selbstverliebter und an Verehrerinnen Wunderkerzen verteilender Prinz Sternschnuppe Klaus-Uwe Rein als Theophil, wie gewohnt eine Stütze der Inszenierung, und Amrei Wasikowski als Stella. Schön ihr Duett „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“.

Der von Jan Rozenahl einstudierte Opernchor überzeugte ebenso wie das Theater-Orchester, das unter der Leitung von Florian Kießling, stimmungsvoll musizierte. Zum Gelingen der Aufführung trug auch die von Vinicius Augusto Menezes da Silva entwickelte Choreografie bei.

„Frau Luna“ am Nordharzer Städtebundtheater lädt zu einer vergnüglichen musikalischen Visite des Erdtrabanten ein, der Folge zu leisten, unbedingt empfohlen wird.