Halberstadt l Die Idee findet offensichtlich Anklang. „Für alle Termine gibt es schon Anmeldungen“, sagt Christiane Strohschneider, Leiterin der Halberstadt-Information nach einem Blick in das Buchungssystem zufrieden. Immerhin ist ein neues Angebot auch immer mit einem Risiko verbunden. Vor allem, wenn sich unter dem Titel nicht jeder etwas vorstellen kann: Am Sonnabend, 11. Mai, startet das erste offizielle „Walking Dinner“ in Halberstadt.

Walking ist das englische Wort für gehen, Dinner heißt übersetzt Abendessen. Bei dem Angebot der Tourist-Information handelt es sich also um eine Kombination aus einem Sechs-Gang-Menü, das nacheinander in unterschiedlichen Lokalen serviert wird, und einer Stadtführung.

Fünf Monate habe es gedauert, die Tour vorzubereiten. Mit so vielen externen Partnern gleichzeitig zu arbeiten sei Neuland und eine logistische Meisterleistung gewesen: Mitstreiter finden, Absprachen, Kalkulieren, Testläufe, Korrekturen. Auf der einen Seite sollen die Gäste viel zu sehen und hören bekommen, andererseits muss ein straffer Zeitplan eingehalten werden. Immerhin sollen in den Restaurants keine Wartezeiten entstehen und die Gerichte trotzdem frisch serviert werden. Christiane Strohschneider ist zuversichtlich, dass bei der Premiere am Sonnabend alles klappt.

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Einblick in Geschichte der Restaurants

Bei der Tour, die mit einem Aperitif im Restaurant Roland-eck beginnt, erfahren die Gäste Wissenswertes über Halberstadt und das leibliche Wohl. Die Besitzer und Mitarbeiter der Lokale geben zudem Einblick in die Geschichte ihrer Häuser.

So hört der Besucher während er im Stephanus seine Vorsuppe löffelt, was sich Hollywood-Star George Clooney in dem Restaurant während der Dreharbeiten zu "Monuments Men" schmecken ließ. Wie die jüdische Gemeinde in Halberstadt lebte – und was sie kulinarisch bevorzugte – gibt es im Café Hirsch zu erfahren. Bevor der Abend im Weinkeller des Halberstädter Hofs ausklingt, spricht Kaffee-Röster Steven Löper über sein Handwerk – inklusive einer Kostprobe.

Die Idee zu der Tour hatte Christiane Strohschneider. Sie nimmt selbst gern an einem „Walking Dinner“ teil, wenn sie in andere Städte reist, verrät die Leiterin der Tourist-Information. Sie betont: „Kulinarik wird ein immer wichtigeres Thema für den Tourismus. Für viele ist gutes Essen sogar ein Reisegrund.“ Schmeckt es einem Gast im Urlaub jedoch nicht, sinke die Reisezufriedenheit erheblich.

Halberstädter lernen ihre Lokale kennen

Die Tour sei nicht nur eine Möglichkeit, Urlaubern die Lokale Halberstadts näher zu bringen, sondern auch bei den Einwohnern für die Restaurants und Cafés zu werben. „Gaststätten sind das Aushängeschild einer Destination“, sagt die Touristikerin. Und die Branche, die ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, habe sie derzeit schwer zu kämpfen – Stichwort Nachwuchs- und Fachkräftemangel.

„Die Führung ist eine tolle Chance für Gastronomen zu zeigen, was für eine Vielfalt wir hier haben“, stimmt Stadtführer Matthias Stober zu. Er und seine Kollegin Sigrun Nent haben für die Tour Aspekte und Anekdoten der Halberstädter Geschichte herausgesucht, die mit dem leiblichen Wohl in Verbindung stehen: Was servierte Gleim seinen Gästen? Wie kam Heine auf die Idee, Würstchen in Konservendosen zu verpacken? Wie viele Brauereien gab es einst in der Domstadt? Dinge, die auch so mancher Halberstädter noch nicht über seine Heimatstadt wusste, ist sich Sigrun Nent sicher. Einheimische buchen vor allem zu besonderen Anlässen Stadtführungen, berichtet Christiane Strohschneider. Zu Klassentreffen, Firmenfeiern oder runden Geburtstagen zum Beispiel. Außerdem seien die Abendspaziergänge bei den Halberstädtern gefragt.

Die Tourist-Info bietet acht fixe Stadtführungen an, an denen jährlich rund 10.000 Personen teilnehmen. Zudem gibt es immer wieder Sonder-Veranstaltungen oder individuelle Buchungen, bei denen Touren nach eigenen Interessen zusammengestellt werden können. Das Gros derjenigen, die eine Tour buchen, seien Touristen, berichtet Strohschneider.