Wernigerode l Es ist Nacht. Ein Mann schaut in die Kamera, spärlich vom Licht einer Grubenlampe erhellt. Plötzlich brüllt er. Ein Bett klatscht ihm mitten ins Gesicht. Der Bildschirm wird schwarz.

Die Sequenz ist eine von dreien, mit denen die neueste Onlinekampagne des Harzer Tourismusverbandes (HTV) in Szene gesetzt wird. Erdacht wurde die Aktion von der Agentur Harzkind in Osterode.

Wutanfall mündet in Kreativität

„Fette Betten“ sei aus Wut entstanden, sagt deren Geschäftsführerin Melanie Funke. Ein Beitrag in den Medien, wonach im Mittelgebirge alles alt, schlecht und ihre Heimatstadt als nächstes im Sterben liege, habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

Bilder

Vorurteile sollen verschwinden

Ende 2016 hätten die Vorbereitungen begonnen. Es gehe darum, das Vorurteil abzubauen, die Unterkünfte in der Region seien noch auf dem Niveau der 1980-er Jahre, erläutert Carola Schmidt. Die HTV-Chefin: „Die werden Sie sicher finden, aber die finden Sie auch im Schwarzwald.“ Knapp 40 Anbieter seien ausgewählt worden. Modern, serviceorientiert bis hin zu luxuriös stünden selbige stellvertretend für ein neues Harz-Bild. Es hätten im Übrigen auch 100 sein können.

Durch alle Partner seien attraktive Preise gestiftet worden, ergänzt Melanie Funke. Der Wertvollste: Fünf Tage Urlaub für zwei Personen in einem Hotel im Wert von über 1000 Euro. Drei Kurztrips würden bis zum Herbst monatlich unter den Teilnehmern verlost.

Gäste und Fans der Region seien jetzt aufgerufen, mittels witziger Fotos und Selfies ihre Erfahrungen mit den Unterkünften zu posten. Egal, ob über Instagram, WhatsApp oder Facebook – alle würden auf der Webseite erscheinen.

Den eingangs beschriebenen Urschrei gebe es im Übrigen tatsächlich. Bis heute werde diese Tradition zu Mitternacht in Clausthal-Zellerfeld gepflegt.

Nordlichter mit Kampagne im Blick

„Ein neues Image erreicht man nur mit Mut zum Neuen. Da bedarf es auch einiger unkonventioneller Wege“, sagt Carola Schmidt. Dies gelte gleichfalls für die zweite Kampagne „Hexentanzplatz statt Jungfernsteg“. Aufbauend auf den positiven Erfahrungen, die der HTV 2014 in Berlin gesammelt habe, solle ab Mai, spätestens Anfang Juni, vier bis sechs Wochen lang gezielt der Raum Hamburg beworben werden, so die Geschäftsführerin weiter.

In Vorbereitung sei derzeit ein Gesamtpaket mit Plakaten, Radio-Spots und Online-Aktionen. Darüber hinaus würden die Botschaften in U- und S-Bahnen an die erhofften Kunden übermittelt. In Bars und Gaststätten prangten sie dann auf Bierdeckeln. Ebenfalls in Arbeit seien Postkarten mit lustigen Motiven.

Carola Schmidt: „Hier kommt es darauf an, mit Witz und Selbstbewusstsein aufzutreten.“ Nur so könne die Aufmerksamkeit auf den Harz gelenkt werden. Die HTV-Chefin: „Hamburg ist ein wichtiger Quellmarkt und das damit verbundene Potenzial noch nicht ausgeschöpft.“

In der Feinkonzeption werde der Tourismusverband von der Agentur Jenko und Sternberg aus Apelnstedt bei Wolfenbüttel unterstützt. Deren Marketing-Experten hätten lange in der Hansestadt gelebt.

Erneut werden die Besten gesucht

Als dritten Baustein setze der HTV auf „Ihre Besten im Harz 2017/2018“. Die nach der gelungenen Premiere 2015 mit rund 10 000 Usern zweite Auflage des Online-Wettbewerbs läuft nach Ankündigung der Geschäftsführerin von Mai bis August. Auf dieser Plattform hätten Besucher und Liebhaber der Region erneut die Möglichkeit, für ihre Favoriten aus rund 300 Anbietern der Kategorien Kultur pur, Natur pur und Spaß pur zu stimmen. Bei Interesse könnten sich die Teilnehmer zudem für ein Gewinnspiel mit attraktiven Sachpreisen für den nächsten Urlaub im Mittelgebirge anmelden.

„Anders als noch vor zwei Jahren, gehen wir davon aus, dass die beteiligten Einrichtungen selbst stärker für die Abstimmung werben werden“, sagt Carola Schmidt. Seinerzeit hätten sich manche Kandidaten, wohl in dem Glauben, bekannt genug zu sein, in Zurückhaltung geübt. Deshalb habe es unter den jeweils gekürten zehn Spitzenreitern auch die eine oder andere Überraschung gegeben. Als Beispiele dafür nannte die HTV-Chefin das Theater der Nacht in Northeim und die Sternwarte Sankt Andreasberg.

„Fette Betten“-Kampagne, Hamburg-Offensive und Besten-Wahl: „Wir sind jetzt noch mutiger und ein bisschen frecher“, sagt Carola Schmidt. Schon deshalb, weil das eigene finanzielle Budget begrenzt sei.