Flitzer-Blitzer

„Ufo“ geht auf Raser-Jagd

Raser bescherten Halberstadt 2016 Einnahmen in Höhe von 209.894 Euro. Erstmals kam ein neues Messsystem zum Einsatz.

Von Jörg Endries

Halberstadt l Ufo in Halberstadt gelandet? Obwohl das Gerät am Straßenrand danach aussieht, es ist kein unbekanntes Flugobjekt. 2016 hat in Halberstadt ein sogenanntes „semistationäres Geschwindigkeitsmessungssystem Enforcement“ (Foto) Station bezogen. Auf alle Fälle ist die Bezeichnung außerirdisch. Die futuristische Konstruktion ging in der Kreisstadt auf Raser-Jagd. Die Stadtverwaltung hat die stationäre Messtechnik erstmals eingesetzt. Trotz vorheriger Ankündigung in den Medien samt Foto fiel es den Kraftfahrern nicht auf. Erst als es zu spät war und blitzte.

„Es gab einen Tag, an dem das Gerät innerhalb von 20 Stunden 1000 Mal auslöste, weil die Kraftfahrer die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten. Das gab es in Halberstadt noch nie“, berichtet Ralf Fleisch­hauer, Fachbereichsleiter Bauen/Ordnung während des Bilanzgespräches 2016. Während der kurzen Standzeit von nur vier Wochen registrierte das Gerät unter anderem in der Voigtei, der Harzstraße und in der Magdeburger Chaussee 3664 Geschwindigkeitsverstöße. Für Ralf Fleischhauer ist es rätselhaft, dass so vielen Verkehrsteilnehmern das System nicht aufgefallen ist. Zumal es nicht getarnt war. Die Einnahmen aus diesem Einsatz beliefen sich auf stolze 40 000 Euro. Der Reingewinn für die Stadt Halberstadt nach Abzug der Miet- und Verwaltungskosten lag bei 30 000 Euro.

Letztendlich musste der Einsatz abgebrochen werden, obwohl die Einnahmen sprudelten. Auf die Frage, warum es zum Abbruch kam, sagte Ralf Fleischhauer: „Wir haben nicht genug Personal, um die Flut an Verkehrsverstößen zu bearbeiten. Es ist nicht zu schaffen.“ Zu Ostern will die Verwaltung das Gerät aber erneut mieten und im Stadtgebiet die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten überwachen.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Halberstadt 11 954 auswertbare Verkehrsverstöße in 1934 Geschwindigkeitsmessstunden registriert. Daraus resultierten 10 352 kostenpflichtige Verwarngelder im Bereich von 15 bis 25 Euro. Im Jahr zuvor waren es nur 5529. Dementsprechend wuchsen die Erlöse von 106 185 Euro 2015 auf 209 894 Euro im zurückliegenden Jahr.

„In 1941 Fällen erfolgte die Abgabe an die Zentrale Bußgeldstelle, weil es sich um Bußgeldtatbestände (Überschreitung von mehr als 21 km/h) handelte“, so Ralf Fleischhauer.

16 268 Verkehrsordnungswidrigkeiten haben die Politessen der Stadtverwaltung 2016 festgestellt. Über 2000 mehr als im Vorjahr, sagt Ralf Fleischhauer. Hintergrund: Die Arbeitszeit der zwei Politessen ist aufgestockt worden. Insgesamt 13 186 Verstöße habe man letztendlich mit einem Verwarngeld geahndet. Die Einnahmen für die Kreisstadt belaufen sich auf 220 242 Euro. Im Vorjahr waren es 194 429 Euro. In 3082 Fällen blieb es bei einer mündlichen Verwarnung.

Nicht jeder Falschparker zahlt sofort. Die Stadtverwaltung stellte 178 Anträge auf Anordnung von Erzwingungshaft an das Amtsgericht Halberstadt. „Spätestens dann wird gezahlt“, so Ralf Fleischhauer.