Insolvenzverfahren

Vermieter in Halberstadt vor der Pleite

Für eine Immobilienfirma mit mehreren Wohnblöcken in Halberstadt ist ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden. Mieter ziehen die Notbremse.

Halberstadt l Die gepackten Kisten stehen auf dem mit Unkraut zugewucherten Gehweg. Sie wartet nur noch auf ihre Umzugshelfer, die ihr beim Transport helfen, dann ist für sie das Kapitel Juri-Gagarin-Straße beendet. Fünf Jahre lang habe sie hier gewohnt, berichtet eine Halberstädterin, die anonym bleiben möchte. Viel Ärger habe sie in dieser Zeit gehabt. Trauriger Höhepunkt: Für den aktuellen Vermieter, das niedersächsische Immobilienunternehmen Harzblick Projekt GmbH mit Sitz im niedersächsischen Mariental (Landkreis Helmstedt), ist nun ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden.

Darüber wurde die Firma in dieser Woche per Brief vom Amtsgericht Wolfsburg informiert, berichtet die 57-Jährige. Der Punkt, der für sie das Fass zum überlaufen brachte. „Es reicht“, sagt die Halberstädterin. „Seit vier Monaten warte ich auf eine Reaktion auf meine Kündigung, nichts ist passiert.“

Zu dieser Zeit, im März, sorgte der Vermieter schon einmal für Schlagzeilen. Während die 57-Jährige und die anderen Mieter ständig mit „extrem hohen Nachzahlungen“, wie sie sagt, zur Kasse gebeten wurden, häufte das Unternehmen, dem neben den Häusern Juri-Gagarin-Straße 1-9 auch die in der Maxim-Gorki-Straße 11-18, der Puschkinstraße 4-5 und der Richard-Wagner-Straße 43-46 gehören, selbst Außenstände an. Bei den Halberstadtwerken, seit Oktober 2019. Die Schuld belief sich im Frühjahr auf einen sechsstelligen Betrag. Die Konsequenz: Ohne dass die Mieter etwas dafür konnten, drohte ihnen die ­Sperrung für Wasser und Heizung.

Das Amtsgericht Wolfsburg, von dem das vorläufige Insolvenzverfahren gegen die Projekt Harzblick GmbH eingeleitet wurde, hat den Wirtschaftsjuristen Tobias Hartwig von Schultze & Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Beantragt wurde das Verfahren laut Ingo Schorlemmer von einer Gläubigerin, von der die Harzblick Projekt GmbH im Jahr 2019 mehrere Immobilien mit insgesamt mehr als 100 Wohneinheiten gekauft habe. Demnach sind nicht nur Rechnungen der Halberstadtwerke nicht beglichen worden, auch sei ein erheblicher Teil des Kaufpreises unbezahlt. Den Namen der Gläubigerin nennt der Pressesprecher nicht.