Pflanzaktion

Viele Helfer für Osterwiecks Kastanienallee

Von Mario Heinicke

Osterwieck. „Ich bin glücklich“, bekannte Alexander Räuscher aus dem Organisatorenteam nach dem etwas mehr als zweistündigen Arbeitseinsatz am Sonnabend. Es waren letztendlich nicht nur die angekündigten zwölf, sondern sogar 13 junge Bäume, die am Kirchbergweg gepflanzt wurden. Nach dem Nieselregen am Morgen blieb es bei der Pflanzaktion trocken, somit bestes Wetter, um die bereits bis zu vier Meter hohen Bäume in die Erde zu bringen.

Es waren viele Freiwillige, die sich bei den Initiatoren, zu denen weiterhin Kristin Birla-Denecke, Lutz Leupold und Lucas Kesterke gehören, angemeldet hatten. Ob die Helfer schon einmal einen Baum gepflanzt hatten oder nicht, spielte keine Rolle. Denn mit Cornelius Meyer-Stork konnte ein diplomierter Forstwirt als Experte gewonnen werden, der zum Beginn an einem „Musterbaum“ zeigte, worauf beim Pflanzen zu achten ist.

Allee zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis

Der Forstfachmann aus Stötterlingen musste nicht groß überredet werden, in Osterwieck zu helfen. Zumal es sich um eine Bürgeraktion handelt. Er äußerte sich überzeugt, dass sich die Teilnehmer und Spender noch in Jahrzehnten an „ihren“ Baum erinnern werden. Wobei Cornelius Meyer-Stork, der ursprünglich nicht aus Osterwiecks Nachbardorf stammt, einräumt, diese einen Kilometer lange, dicht von 300 Kastanien gesäumte Allee zuvor „noch nicht so auf dem Schirm“ gehabt zu haben. Das Schwierige beim Pflanzen hier seien hier der harte Boden und die Wurzeln der Altbäume.

Obwohl die Pflanzlöcher schon eine Woche zuvor mit einem Kleinbagger ausgehoben worden waren, musste doch noch von Hand nachgeholfen werden. Und ohne schweren Vorschlaghammer hätten die Hölzer für die Dreiböcke kaum in die Erde getrieben werden können.

Es waren nicht nur alteingesessene Osterwiecker, die sich an der Pflanzaktion beteiligten. Ähnlich groß war die Zahl derer, die erst seit einigen Jahren hier wohnen und diese in ihrer Ausprägung recht seltene Kastanienallee zu schätzen gelernt haben. So wie Sven Adler, der seit zwei Jahren in Osterwieck lebt und einen Baum mit Manuela und Ben Reulecke gepflanzt hat.

„Wir gehen hier gern mit dem Hund spazieren“, sagte Sven Adler. Zu jeder Jahreszeit sei das ein Erlebnis. Die eng bepflanzte Allee biete Schutz bei Wind, ein Blätterdach bei Regen sowie eine schöne Blütezeit und Laubfärbung. Auch für die Kinder sei diese Aktion schön. Er selbst habe früher mit der zehnten Klasse mal einen Baum auf einem Sportplatz gepflanzt – und erinnere sich gern daran.

Die Kinder der Osterwiecker Grundschule sind ein wichtiger Bestandteil dieses Pflanzprojektes. Sie werden über die nächsten Jahre Bäume heranziehen, die dann am Kirchbergweg weitere Lücken schließen werden.

Die Bäume am Sonnabend kamen aber aus einer Baumschule. Eine spezielle Sorte, die der Miniermotte, einem Schädling, widerstehen kann.

Diese Baumpflanzung ist keineswegs eine spontane Idee gewesen, sondern gewachsen. Ein Anstoß kam von Lutz Leupold in der Osterwiecker Fallstein-Apotheke, wo im vergangenen Herbst begonnen wurde, Einkaufstüten nicht mehr kostenfrei an Kunden auszugeben. Das dafür eingenommene Geld wurde für die Kastanienallee gesammelt.

Die Allee rückte weiter in den Fokus, als die Volksstimme um den Jahreswechsel herum über die nicht komplett überlieferte Geschichte der Allee berichtete, die aber daraufhin von alten Osterwieckern mit neuen Erkenntnissen ergänzt wurde. Demnach wurde die Allee in drei Etappen gepflanzt. Um 1880, vor 1900 sowie um 1930.

Was einer nicht schafft, das schaffen viele

Eine Spendenaktion wurde auf die Beine gestellt. Viele haben sich mit kleinen und großen Geldbeträgen eingebracht. Und es wurden potenzielle Gönner auch von außerhalb auf das Osterwiecker Bürgerprojekt aufmerksam. Am Sonnabend schaute mit Hans-Heinrich Haase-Fricke der Vorstandssprecher der Harzer Volksbank in Osterwieck vorbei. Mit der guten Nachricht, 1000 Euro aufs Spendenkonto eingezahlt zu haben und dem Versprechen, das Projekt auch weiterhin zu unterstützen. „Ich freue mich darauf, wenn wir im Herbst unseren eigenen Volksbank-Baum hier pflanzen können“, blickte er voraus.

Aufmerksam gemacht worden sei er durch Lutz Leupold, der im Lions-Club Wernigerode das Projekt vorgestellt hatte. Was in Wernigerode mit Begeisterung aufgenommen worden sei. „Das Schöne ist“, sagte Haase-Fricke, dass hier quasi wie bei einer Volksbank das Genossenschaftsprinzip aufgegriffen wurde: „Was einer nicht schafft, das schaffen viele. Das freut mich wirklich.“

Feuerwehr löscht den Durst der Jungbäume

Hilfe erbrachte für diese Baumpflanzung auch die Osterwiecker Feuerwehr. Denn frisch angepflanzte Bäume benötigen viel Wasser, das es aber am Kirchbergweg auf natürliche Weise nicht gibt. Uwe Büttner steuerte deshalb das Tanklöschfahrzeug zur Allee, während Nils Stiemerling den Feuerlöschschlauch zur Bewässerung an die Pflanzen legte. Ortswehrleiter Marco Krenge freute sich, dass Wehr auf diese Weise Unterstützung zum Schließung der Baumlücken geben konnte. Er würde sich nach seinen Worten aber auch wünschen, wenn Osterwiecker sich einbringen, um die personelle Lücken in der Feuerwehr zu schließen.

Was das Wasser betrifft, sollen an den Jungbäumen noch Bewässerungssysteme installiert werden, die nur wöchentlich nachgefüllt werden müssen. Das wollen die Initiatoren organisieren.

Unterdessen regte zum Ende der Pflanzaktion Günther Voigt an, dass auch links und rechts der Katanienallee Hand angelegt werden könnte. Dort liegen zum einen abgeknickte tote Äste im Gras, zum anderen Laubhaufen, die am Ortsrand eher größer als kleiner zu werden scheinen.