Magdeburg/Halberstadt (dl) l In der unter Quarantäne stehenden zentralen Erstaufnahme für Migranten in Sachsen-Anhalt (Zast) in Halberstadt gibt es mit Stand Freitagabend 41 weitere nachgewiesene Corona-Fälle. Das habe die erneute Testung aller 623 in der Einrichtung verbliebenen Bewohner ergeben, sagte die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes, Denise Vopel. Laut Sozialministerium stehen noch acht Testergebnisse aus.

Ende März war bei einem Zast-Bewohner, der nach Halle verlegt worden war, bei einem Routinetest das Virus festegestellt worden. Seither steht die Zast unter Quarantäne. Bei weiteren Tests waren 42 Infektionen festgestellt worden, die Infizierten wurden daraufhin in ein Zast-Quarantänelager für Infizierte in Quedlinburg verlegt. Versuche, die Zast-Bewohner innerhalb der Einrichtung in Gruppen aufzuteilen und diese Kohorten voneinander zu isolieren, scheiterten, weil einzelne Migranten Zäune umwarfen. Daraufhin wurde die Kohortenbildung aufgegeben und festgelegt, alle Zast-Bewohner alle 48 Stunden zu testen.

Die Tests erfolgen in enger Zusammenarbeit von Zast und Uniklinik in Magdeburg. Dort werden die genommenen Abstrichproben untersucht und ausgewertet. Die Zast bleibt bis mindestens Anfang Mai unter Quarantäne. Diese verlängert sich, sobald neue Tests positiv ausfallen. Da das Quarantänelager in Quedlinburg nur für 80 Personen konzipiert ist, wurden Infizierte am Freitag erstmals ins Erstaufnahmelager Magdeburg verlegt. Insgesamt sind mit Stand Samstagnachmittag 98 Zast-Bewohner auf das Covid-19-Virus positiv gestestet worden. Am Samstag wurden bei allen 623 Zast-Bewohnern neue Abstrichproben genommen. Ob sich zwei Migranten, die beim Testanlauf am Donnerstag eine Probennahme verweigert hatten, dabei testen ließen, war zunächst nicht bekannt.

Anfang April war es in der Zast zu Tumulten gekommen. Grund sollen Kommunikationsschwierigkeiten und Unzufriedenheit mit dem Essen und der Versorgung mit W-Lan gewesen sein. Das Land verbesserte daraufhin die Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs in der Einrichtung und stellte weitere Dolmetscher zur Verfügung. Ziel war es, den Bewohnern die Quarantäne-Schritte zur Eindämmung der Corona-Pandemie – innerhalb und außerhalb der Zast – zu erläutern. Um weitere Tumulte und Zwischenfälle in der Zast zu verhinderrn, ist seither rund um die Uhr eine großes Polizeiaufgebot vor Ort in Bereitschaft.