Freizeitvergnügen

Von der Himmelpforte in die Berge

In welchem Umfang der Harz-Gebirgslauf in diesem Jahr steigen kann, steht noch nicht fest. Eine neue Tafel weist Hobbysportlern und Touristen aber schon mal den Weg.

Von Holger Manigk
Sie hoffen, dass die neue Streckentafel an der Himmelpforte nicht nur Sportlern hilft, sondern auch Wanderern und Touristen: Helmut Pook vom Harzklub,  Marketingchef Dietmar Ristau,  Tischler Frank Reinecke, Streckenbeauftragter Ulrich Eichler, Wernigerodes Tourimus-Chef Andreas Meling sowie der ehemalige Harz-Gebirgslauf-Vereinschef Bernd Minnich und sein Nachfolger Frank Harbrecht.
Sie hoffen, dass die neue Streckentafel an der Himmelpforte nicht nur Sportlern hilft, sondern auch Wanderern und Touristen: Helmut Pook vom Harzklub, Marketingchef Dietmar Ristau, Tischler Frank Reinecke, Streckenbeauftragter Ulrich Eichler, Wernigerodes Tourimus-Chef Andreas Meling sowie der ehemalige Harz-Gebirgslauf-Vereinschef Bernd Minnich und sein Nachfolger Frank Harbrecht. Foto: Holger Manigk

Wernigerode - Wer jetzt schon für den Harz-Gebirgslauf (HGL) im Oktober trainieren oder einfach nur die Originalstrecken abwandern will, kann sich auf eines verlassen: Den richtigen Weg zu finden, sollte kein Problem sein. Dafür sorgen eine neue Infotafel an der Himmelpforte – unweit der Hochschule Harz in Wernigerode – sowie Markierungen an Bäumen entlang des Streckennetzes.

Teamarbeit für neue Infotafel

Entworfen haben den Aufsteller an der Himmelpforte im Start- und Zielgebiet des traditionsreichen Naturlaufes der Streckenbeauftragte Ulrich Eichler und der im Januar verstorbene Kuno Böttcher (die Volksstimme berichtete). Der KKV-Kartenverlag aus Nordhausen übernahm die Produktion, deren Kosten die Wernigerode Tourismus GmbH zahlte. „Wir unterstützen solche ehrenamtlichen Initiativen sehr gern, da unsere Gäste seit Corona verstärkt genau solche Angebote suchen: Natur und Urlaub in attraktiver Landschaft im Inland“, begründet Geschäftsführer Andreas Meling.

Den Holzaufsteller und die Montage sponserte Tischler Frank Reinecke aus Ilsenburg mit seiner Firma. Helmut Pook strich die Konstruktion mit einer Lasur an, damit sie wetterfest ist und möglichst lange den Elementen standhält.

Alte Tafel war ramponiert und inhaltlich überholt

Denn genau die hatten ihrem Vorgänger arg zugesetzt: „Die Tafel, die bis vor reichlich zwei Wochen hier stand, war völlig veraltet und arg ramponiert“, berichtet Eichler. Das Gründungsmitglied des HGL-Vereins von 1978 kennt die verschiedenen Routen zwischen Wernigerode, Ilsenburg, Brocken und Trudenstein wie seine Westentasche: „Wir haben für jeden Teilnehmer eine angemessene Lauf- und Wanderstrecke: Vom Zwei-Kilometer-Kinderlauf über die Fünf- und Elf-Kilometer-Distanz bis zum Halb- und Brocken-Marathon, dazu die beiden Wanderrouten über elf und 25 Kilometer.“

Diese verschiedenen Strecken, die alle an der Himmelpforte beginnen und enden, locken normalerweise an jedem zweiten Oktober-Wochenende gut 3000 Sportler nach Wernigerode. Doch dem großen Familienereignis machte Corona im vergangenen Herbst einen dicken Strich durch die Rechnung – der HGL musste ausfallen. Für dieses Jahr hat Vereinschef Frank Harbrecht mehr Hoffnung: „Wir gehen derzeit von maximal 1000 Teilnehmern aus.“

300 Meldungen für Marathon liegen bereits vor

So planten die Organisatoren vorerst nur mit Kinderlauf und Brocken-Marathon. Für den härtesten Lauf seiner Art in ganz Norddeutschland hätten bereits 300 Starter gemeldet. „Das zeigt: Das Interesse ist riesig, wir können wegen der Unsicherheit um die Pandemie aber noch nichts fest planen“, erläutert Harbrecht. Der HGL-Chef setzt weiter auf „eine positive Tendenz bei den Corona-Zahlen“ und auf die „Option, die Elf-Kilometer-Strecke zu öffnen“.

Genau diese Vielfalt sei wichtig für den familiären Charakter der Veranstaltung, wirft der Streckenbeauftragte Eichler ein: „Wir wollen für jede Altersklasse und jedes Fitnesslevel etwas bieten.“

Der Weg dahin sei lang und steinig gewesen: „Ich erinnere mich noch recht gut an die neue politische Situation der Brockenöffnung am 3. Dezember 1989 und die damit verbundene Chance, die Marathonstrecke des HGL nicht mehr über den Renneckenberg, sondern jetzt über unseren höchsten Berg zu führen.“

Langes Ringen für erste Brocken-Gipfelquerung

Er habe sich damals mit einem Messtischblatt bei Wind und Wetter auf den Weg gemacht. Sein Ziel: Den Aufstieg zum höchsten Harzgipfel über die Schneelöcher zu finden – so wie ihn die Ilsenburger Brockenläufer vor dem Mauerbau liefen. Allerdings war dieser Weg kaum noch zu nutzen.

Als Alternative blieb „den Kolonnenweg hoch, über die geschotterte Brockenkuppe und die Brockenstraße wieder hinunter ins Brockenbett zum Glashüttenweg“, erläutert Eichler. „Ich war sehr enttäuscht, dass die damalige Nationalparkverwaltung selbst dieser naturfernen Brockenpassage mit Beton, Schotter und Asphalt nicht zustimmen wollte.“

Ihm seien damals folgende Begründungen genannt worden: „Das Röcheln der Läufer vertreibt das Rotwild und die Läufer zertreten die Eidechsen. Wenn wir einen Lauf über den Brocken genehmigen, dann können wir auch ein Motorradrennen über den Brocken nicht verbieten.“

Laufstrecken schrittweise optimiert

Rückblickend ist der Streckenbeauftragte glücklich, dass diese Argumente letztendlich entkräftet werden konnten. Mittlerweile seit Jahrzehnten sei der Lauf in Abstimmung mit dem Nationalpark Harz, den engagierten Revierförstern und Rangern „nicht mehr wegzudenken“.

Eine weitere Änderung, auf die Ulrich Eichler stolz ist: Die „monotone und unlogische Strecke“ des Elf-Kilometer-Laufs über Darlingerode und die Lange Hecke konnte aufgrund des Forstwege-Neubaus als Pahnberghangweg zur Mönchsbuche landschaftlich attraktiver und anspruchsvoller gestaltet werden.

Die Ausweisung der Fünf-Kilometer-Strecke schreibt sich Eichler ebenfalls auf seine Fahnen: „Da der Zwei-Kilometer-Lauf nur für Kinder bis zehn Jahre möglich ist, mussten bereits Elf- und Zwölfjährige auf die schwierige Elf-Kilometer-Distanz wechseln. Sein Vorschlag eines maßvollen Mittelwegs habe erst „heftige vereinsinterne Diskussionen“ ausgelöst. „Heute wird diese Strecke nicht nur von Kindern, sondern auch von vielen Anfängern und älteren Läufern gern gelaufen und ist aus dem Streckenangebot nicht mehr wegzudenken“, sagt Ulrich Eichler stolz.

All das können Wanderer auf der nagelneuen Tafel an der Himmelpforte nachvollziehen.