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Neujahrsempfang Warum Dardesheim im Land so hoch im Kurs steht

Windpark-Umbau sowie Blasmusik im Mittelpunkt des Neujahrstreffens im Osterwiecker Orrteteil.

Von Mario Heinicke 26.01.2026, 10:10
Zu allen Neujahrsempfängen in Dardesheim  hat das örtliche Stadtorchester aufgespielt. 2006 noch unter Leitung seines Begründers Siegfried Hinsche, heute unter Alexander Ditas.
Zu allen Neujahrsempfängen in Dardesheim hat das örtliche Stadtorchester aufgespielt. 2006 noch unter Leitung seines Begründers Siegfried Hinsche, heute unter Alexander Ditas. Foto: Mario Heinicke

Dardesheim. - Es ist immer wieder beeindruckend, welche Resonanz alljährlich der erstmals 2006 aufgelegte Dardesheimer Neujahrsempfang findet. Von der Bevölkerung und der politischen Prominenz gleichermaßen. Der diese Woche aus seinem Amt scheidende Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) war schon hier, voriges Jahr Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnisgrüne) und dieses Jahr Armin Willingmann (SPD). Und der Landesumweltminister deutete in seinen Worten auch an, warum Dardesheim so hoch im Kurs steht: „Der Windpark ist für uns im Lande ein absolutes Vorzeigemodell. Ich wünschte, das gäbe es öfter in dieser Form, gibt es aber leider nicht. Und dass es sich hier immer weiter entwickelt, das ist ein absoluter Vorzeigeknüller.“

Der Windpark Druiberg und der Förderverein Stadt Dardesheim sind die Veranstalter des Neujahrsempfangs. Auch die andere beiden Windparkorte Badersleben und Rohrsheim sind beteiligt. Dieser Windpark befindet sich 20 Jahre nach seiner Errichtung momentan im Umbau. Nicht nur im physikalischen, sondern auch im organisatorischen Umbau. „Es soll der erste Bürgerwindpark in Sachsen-Anhalt werden“, betonte Windparkchef Heinrich Bartelt. „Es ist vielleicht sogar der erste große Bürgerwindpark in Ostdeutschland, wo die örtlichen Bürger die Mehrheit haben sollen, damit die Vorteile vor allen Dingen in den Standortgemeinden liegen.“

Deshalb sei es das Ziel, zahlreiche Teilhaber und damit Profiteure am Windpark zu bekommen.

Für den 26. März kündigte Bartelt eine weitere Informationsveranstaltung an. Aktuell, berichtete Heimo Kirste, Aufsichtsratsvorsitzender der Bürgerenergiegenossenschaft, gebe es über 160 Interessenten aus den drei Windparkorten, die sich mit finanziellen Einlagen beteiligen möchten. Dafür winken nach Aussage von Co-Windparkchef Jonas Böert jährlich Renditen von acht bis zehn Prozent. Genauere Zahlen sollen am 26. März genannt werden.

Günstiger Strom für die Orte

„Der neue Windpark hat die Absicht, mit der günstigen Energie für seine Bürger fortzufahren“, sagte Heinrich Bartelt weiter und machte auf den zum Jahreswechsel nochmals gesenkten Druiberg-stromtarif für die drei Anliegerorte aufmerksam. Aufgelegt nach der allgemeinen Strompreisexplosion in Deutschland vor drei Jahren mit 30 Cent je Kilowattstunden, habe man diesen vor zwei Jahren auf 28 Cent und jetzt auf 24,75 Cent gesenkt. Dieser Tarif solle für drei Jahre stabil bleiben. „Der neue Windpark ist also für unsere günstige Energie da“, so Bartelt. Auch die Vereine sollen daraus ihre Vorteile ziehen. Heinrich Bartelt: „Das ist unsere Botschaft an das Land: Windenergie kann günstiger örtlicher Energieanbieter sein. Der neue Windpark soll zu unserem Vorteil laufen.“

„Wir wollen raus der Nutzung fossiler Energien, wir wollen rein in die Erneuerbaren“, sagte Minister Armin Willingmann. „Wir sind da in Sachsen-Anhalt sehr weit führend. Das gehört zu einer Erfolgsgeschichte in einer Zeit, in der wir uns immer wieder das Land schlechtreden lassen, in der immer wieder Missmut und schlechte Laune verbreitet werden.“

Kommune profitiert auch

Als Vertreter des Landrates machte Dezernent Matthias Schönhardt darauf aufmerksam, dass in dieser Woche die Regionale Planungsgemeinschaft zur weiteren Windenergienutzung im Harz tagen werde. Darin geht es auch um eine räumliche Erweiterung des Windparks Druiberg.

Die Stadt Osterwieck verzichtet schon seit einigen Jahren auf einen eigenen Neujahrsempfang, ist dafür aber in Dardesheim stets mit dabei. Die Kommune profitiert ebenfalls finanziell vom Windpark. Bürgermeister Dirk Heinemann (SPD) erinnerte an die Leitlinie für faire Windkraft- und Solarprojekte, die sich die Stadt gegeben habe. Diese sei auch in Nachbarkommunen und weit darüber hinaus auf Interesse gestoßen. „Wir haben dadurch ein Höchstmaß an Wertschöpfung vor Ort.“ Außerdem wolle sich die Stadt über eine kommunale Gesellschaft an Erneuerbare-Energie-Projekten beteiligen. „So können wir für unsere Bürger doppelt profitieren.“

Geburtenzahlen bereiten Sorgen

Die drei Ortsbürgermeister Ralf Voigt (Dardesheim), Olaf Beder (Badersleben) und Hans-Jörg Gifhorn (Rohrsheim) nutzten den Empfang, um Ereignisse des zurückliegenden Jahres Revue passieren zu lassen. Auch nicht so schöne, wie das lokale Unwetter im April. „An den Schäden haben wir heute noch zu knabbern“, sagte Olaf Beder. Hans-Jörg Gifhorn führte die Schließung der Rohrsheimer Kindertagesstätte an, aber ohne einen Giftpfeil in Richtung Stadt Osterwieck zu schießen.

Bürgermeister Heinemann hatte in seiner Rede zuvor auf das historische Tief von 36 Neugeborenen im vergangenen Jahr hingewiesen und gesagt: „Ich hoffe, dass die Geburtenzahlen wieder nach oben gehen. Nur dann können wir Kindertageseinrichtungen und Schulen weiter betreiben.“ Laut Armin Willingmann sei 2025 auch in Sachsen-Anhalt das Jahr mit den wenigsten Geburten gewesen.