Halberstadt (dl) l Mit Blick auf die Volksstimme-Berichterstattung über die bevorstehende Versteigerung des Wasserturms auf dem Areal des früheren Bahnbetriebswerks (Bw) Halberstadt hat sich Werner Deich mit einer Präzisierung zu Wort gemeldet: „Der Wasserturm“, so der 94 Jahre alte Halberstädter, „wurde nicht, wie von der Bahn angegeben, im Jahr 1911 errichtet, sondern erst in den 1950er Jahren“. Er könne das so genau sagen, weil er damals als Oberbauleiter und Bauüberwacher der Deutschen Reichsbahn für das Projekt verantwortlich gewesen sei.

„Der Neubau des Bw Halberstadt war seinerzeit das größte Bauvorhaben im Bereich der Reichsbahndirektion Magdeburg“, so der studierte Hochbauingenieur, der ursprünglich aus Aschersleben stammt. Im Zuge des Bw-Neubaus in Halberstadt sei er hierher gekommen und lebe seit 1958 in der Stadt. „An das ganz genaue Baujahr des Wasserturms erinnere ich mich nicht mehr, er ist aber im Rahmen des Bw-Projektes zwischen 1953 und 1958 errichtet worden“, sagt Werner Deich. Das neue Bw sollte damals das im Krieg zerstörte alte Bw ersetzen. Dass von dem großen Bahnbetriebswerk – „es war mit allen nötigen technischen Anlagen wie Lokbekohlung, Lokschuppen und Wasserversorgung versehen“ – heute allein der Wasserturm als Denkmal übriggeblieben ist, sei aus Sicht eines damals federführend verantwortlichen Erbauers schon traurig. Mit dem Bau des Wasserturms hätten die Planer der Reichsbahn Neuland betreten. „Weg vom klassischen Stahlbehälter. Der Turm hat eine Hülle aus Ziegelmauerwerk, massive Stahlbetondecken und einen Wasserbehälter in Stahlbeton-Gussausführung“, beschreibt der Ingenieur die Besonderheit der Konstruktion.

Auch Werner Deich ist gespannt, ob das Bauwerk am 25. November bei der Versteigerung der Sächsischen Grundstücksauktionen AG einen neuen Besitzer bekommt. Das Mindestgebot liegt bei 9000 Euro.