Halberstadt/Heudeber l Halberstadt war die erste Stadt in Deutschland, die zur Adventszeit einen Weihnachtsbaum an einem öffentlichen Platz aufstellte. 1921 war das, eine große Fichte auf dem Martiniplan.

Weihnachtsbäume stehen auch heute offensichtlich bei den Halberstädtern hoch im Kurs, schaut man auf den Verkaufsplatz am Burchardianger: fast ausverkauft. Ab dem zweiten Advent steigt die Nachfrage rasant. „Aber es gibt immer Kunden, die auf den letzten Drücker kommen“, berichtet Händler Marcel Böhnke. Meist handele es sich nicht um Leute, denen Weihnachten zu plötzlich kommt, sondern um Schnäpchenjäger. „Sie wollen beim Preis pokern.“ Doch da haben sie bei Böhnke schlechte Karten. „Einen Baum zu Schleuderpreisen zu verkaufen oder gar zu verschenken, finde ich unmöglich. Das ist keine Wertschätzung, weder für die Pflanze, noch für die Arbeit, die es kostet.“ Der Stundenlohn pro Baum liege unter einem Cent.

Der Landwirt aus Heudeber weiß, wovon er spricht. 125.000 Bäume hat er 2018 verkauft, europaweit. 2700 davon auf dem Burchardianger in Halberstadt. Der Großteil seiner Nordmanntannen wird jedoch über große Handelsketten an den Endkunden gebracht.

Erste Bäume vor 15 Jahren gepflanzt

Von Stückzahlen im sechsstelligen Bereich konnte der 47-Jährige nur träumen, als er ins Weihnachtsbaumgeschäft eingestiegen ist. Gleich nach der Wende hatte er die Idee dazu, besorgte 200 Serbische Fichten. „So wie wir sie gekauft haben, haben wir sie auch entsorgt. Niemand wollte sie“, berichtet Marcel Böhnke lachend. Also informierte er sich auf Messen, welche Baumart gefragt ist und wo es sie zu guten Preisen gibt. Die Antwort: Dänemark. Zunächst kaufte Böhnke Bäume in dem skandinavischen Land, um sie in Deutschland weiterzuverkaufen. Um angesichts steigender Preise konkurrenzfähig zu bleiben, hat er sich vor 15 Jahren entschlossen, die Bäume selbst anzupflanzen.

Seitdem pendelt er von Februar bis Dezember zwischen Heudeber und Dänemark. Auf 300 Hektar Fläche lässt er dort den Kundenwünschen entsprechend Bäume wachsen. „Wir haben fast ausschließlich Nordmanntannen. Die sind am beliebtesten und lassen sich gut formen.“ Dabei ist trotz allen technischen Fortschritts Handarbeit gefragt: Unerwünschte Triebe müssen entfernt, die Spitze begradigt und im Wachstum gestoppt werden. „Ich habe Jahre gebraucht, bis mir die Dänen verraten haben, wie das funktioniert.“ Und dieses Geheimnis hütet er gut.

Ganz offen plaudert Böhnke dagegen über prominente Kunden. „Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal das Bundeskanzleramt beliefert“, berichtet er und zeigt stolz die Dankes-E-Mail für die drei Bäume. Der kleinste ist 2,30 Meter hoch.

Bäume wachsen sieben Jahre lang

Die meisten Kunden mögen es ein paar Nummern kleiner: Zwischen 1,60 bis 1,90 Meter sollen die Bäume sein. Das entspricht einem Alter von sieben, acht Jahren. „Der Trend geht immer mehr zu dicht, aber schmal“, berichtet Böhnke.

Sein Tipp, dass die Nadeln nicht schon Heiligabend rieseln: keinesfalls die Rinde entfernen, den Stamm zu Hause frisch anschneiden und Wasser in den Ständer geben.

Sein eigener Weihnachtsbaum ist übrigens nur 1,20 Meter groß. Das Schmücken überlässt der Heudeberaner seiner Frau. „Sie hat da mehr Geschmack“, verrät er.