Haldensleben l „Unsere Schule hat keine Segel und sie fährt nicht auf dem Ozean. Doch wie ein Schiff auf großer Reise hat sie manches schon erlebt“, mit diesem Liedtext begrüßte eine Gruppe von Kästner-Schülern die zahlreichen Gäste. Dass die Kinder damit Recht haben, lässt sich schon von Weitem sehen. Aus einem Bau vom Typ Erfurt ist ein modernes Schulgebäude geworden. 3,04 Millionen Euro sind bisher in die Sanierung geflossen. Die Förderquote aus dem Programm Stark III liegt bei 70 Prozent. Wie Haldenslebens Bürgermeisterin Regina Blenkle erklärte, kommen noch einmal rund 470 000 Euro für das Außengelände hinzu. Dabei gebe es eine Förderung aus dem Programm „Soziale Stadt“.

Leiterin Ute Lehrmann zitierte zunächst den Namensgeber der Erich-Kästner-Schule: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück.“ Diese Worte finden sich in großen Buchstaben auch an der Fassade des Gebäudes. „Ja, wir können wieder lächeln, denn unsere Schule ist fast fertig“, betonte Ute Lehrmann. Lediglich die Lehrerparkplätze seien noch nicht fertiggestellt. Auch der Spielplatz dürfe noch nicht genutzt werden, weil der Rasen erst anwachsen müsse. Im Oktober 1979 sei die Schule feierlich eröffnet worden. Jetzt, 36 Jahre später, habe sie ein völlig neues Gesicht bekommen, so Ute Lehrmann.

Wie ein Neubau

Zu den Gästen der Eröffnung zählte auch Staatssekretär Jörg Felgner vom Finanzministerium Sachsen-Anhalt. In seiner Rede fasste er zusammen, welche Veränderung die Erich-Kästner-Schule durchlaufen hat. „Unter anderem wurde der Innenhof überdacht. Das entstandene Atrium dient als Multifunktionsaula und kann für Anlässe aller Art genutzt werden. Zudem wurden Fenster erneuert, das Dach gedämmt und die Heizungssteuerung optimiert“, so der Staatssekretär. Die Sanierung habe vor allem Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit als Ziel gehabt. „Deshalb sorgt im Schulgebäude eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung für gutes Klima. Eine Aufzugsanlage garantiert Barrierefreiheit. Abgerundet wurde die Sanierung des Hauses durch Fliesen-, Bodenbelags-, Trockenbau- und Malerarbeiten“, zählte Felgner auf. Von innen wie von außen mute das Gebäude jetzt wie ein Neubau an.

Bilder

Doch auch wenn sich das Ergebnis mehr als sehen lassen kann: Der Weg dahin war nicht immer einfach. Denn obwohl die Grundschule „Erich Kästner“ gestern feierlich eröffnet wurde, war sie eigentlich nie richtig geschlossen. Die Sanierung erfolgte bei laufendem Schulbetrieb. „Zu Teilen fand der Unterricht deshalb auch in einem Nebengebäude statt“, fasste Jörg Felgner zusammen. „Wir alle wissen, dass jede Baustelle neben Lärm und Schmutz auch nervliche Belastungen mit sich bringt. Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie mit vereinten Kräften den Lehrbetrieb erfolgreich aufrecht erhalten haben.“

Längere Bauzeit, höhere Kosten

Tatsächlich hat sich auch die Bauzeit verlängert. Ursprünglich sollte die Kästner-Schule bereits vor mehr als einem Jahr wieder freigegeben werden. Die Kosten haben sich ebenfalls erhöht. Vor der Sanierung wurden sie auf etwa 2,4 Millionen Euro geschätzt. Architekt Ulrich Kirchner brachte in seiner Rede ebenfalls die Komplikationen zur Sprache, die bei einer Sanierung bei laufendem Betrieb entstehen können.

„Das Vorhaben, die Schule binnen eines Jahres komplett zu sanieren, konnten auch wir Eltern uns nicht recht vorstellen“, erinnerte der Schulelternratsvorsitzende Carsten Strozyk. „Es gab den einen oder anderen Stolperstein. Aber am Ende zählt, dass wir hier in einer wunderschönen, modernen Schule sitzen“, fasste Regina Blenkle zusammen. Alle städtischen Grundschulen in Haldensleben seien nun auf einem modernen Stand.

Auf dem Süplinger Berg befinden sich sogar zwei energetisch sanierte Schulen in unmittelbarer Nachbarschaft. „Bereits im Oktober durfte ich nebenan die Evangelische Sekundarschule offiziell eröffnen, die ebenso mit Stark-III-Mitteln auf den neuesten Stand gebracht wurde“, führte Jörg Felgner aus. Eine solche Dichte sanierter Schulen finde sich nirgendwo sonst in Sachsen-Anhalt.

„Beide Schulen prägen das Gesicht des Wohngebietes Süplinger Berg. Die umgebauten Schulen tragen zu mehr Lebensqualität im Stadtteil bei und steigern dessen Attraktivität“, so Felgner. Grundsätzlich sei eine energetische Schulsanierung kein leichtes Unterfangen. „Wer aber heute das Ergebnis betrachtet, kann sagen: Es hat sich gelohnt“, betonte der Staatssekretär.

Wie Bürgermeisterin Regina Blenkle ausführte, seien etwa 25 Firmen an der Sanierung beteiligt gewesen. Einige Vertreter von ihnen sowie weitere Beteiligte und Unterstützer wurden im Laufe des Programms auf die Bühne gebeten. Dort bedankten sich die Grundschüler mit kleinen Präsenten bei ihnen. Doch auch die Kinder selbst gingen nicht leer aus. Anlässlich der Eröffnung verteilte die stellvertretende Schulleiterin Karola Schneider, die zusammen mit Ute Lehrmann durch das Programm führte, Anstecker mit dem neuen Schullogo

Im Publikum saßen unter anderem Vertreter anderer Schulen, Horte und Kitas, Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Auch Landtagsabgeordnete Rita Mittendorf war vor Ort. Sie alle ließen sich von Gesang, Musik, Gedichten und Tanzeinlagen begeistern. Denn zum feierlichen Anlass präsentierten die Kästner-Schüler vorab Ausschnitte aus ihrer Weihnachtsgala.