Calvörde l „Es geht um das Warten. Und es geht darum, dass manch einer nach seinem Platz in der Welt sucht und darum, was Weihnachten für jeden bedeutet – ganz egal, ob Christ oder nicht“, erklärt Katrin Gödicke, die bei der Probe die Regie führt. Es ist ein Warten in der Weihnachtsnacht auf einem stillgelegten Bahnhof auf den längst angekündigten und sehnlich erhofften Zug. Diese Notgemeinschaft hätte wenigstens einen Strahl himmlischen Lichtes bitter nötig. „Dass auch über diesen stillgelegten Bahnhof ab und an ein Engel huscht und das Lächeln eines Kindes von Bedeutung ist, vermögen nicht alle zu erkennen. Eben eine repräsentative Gesellschaft. Der Zug kommt doch noch. Er hält und fährt ab“, beschreibt Stefan Gödicke als Regieassistent die Handlung. „Nicht alle sind eingestiegen. Einige bleiben. Aber mehr wird vom Stück nicht verraten“, sagt Nicole Bösche, die in der Aufführung eine Mutter spielt.

„Das Stück zeigt, dass aus Fremden Freunde werden können. Doch jeder kann und soll sich am Heiligen Abend seine eigene Interpretation machen“, ergänzt Madeleine Lindecke, die eine alte Frau spielt.

Seit Mitte November proben die Jugendlichen aus Lössewitz, Dorst, Zobbenitz und Calvörde ein bis zwei Mal in der Woche. „Wir werden das Verkündigungsspiel immer wieder auf die Bühne bringen - egal auch wenn uns manchmal der eine oder andere Stolperstein in den Weg gelegt wird“, sagt Julia Lüders, die schon viele Jahre zu den Darstellern gehört. „Der vernünftige Umgang miteinander ist uns wichtig. Die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit, das Verkündigungsspiel auf die Beine zu stellen, sind für die jungen Leute unheimlich prägend“, weiß Katrin Gödicke. „Das Verkündigungsspiel gehört am Heiligabend einfach dazu“, erklärt Fabian Wolf, der einen Krippenspieler darstellt. „Ich war schon seit der Christenlehre - also mit sechs Jahren - immer beim Krippenspiel dabei. Auch wenn ich anfangs nur an der Krippe eine brennende Kerze gehalten habe“, erinnert sich Nicole Bösche. „Wir wollen die Tradition - das Verkündigungsspiel aufzuführen - nicht sterben lassen“, betont Madeleine Lindecke, die auch schon über zehn Jahre zur Schauspieltruppe gehört. „Aber es sind auch einige neue Darsteller dabei. Es war problemlos, Jugendliche zu motivieren. Oft wird gedacht, die jungen Leute haben keine Lust, aber wenn man sie anspricht, dann sind sie auch gern bereit, etwas gemeinsam zu machen. Es kommt darauf an, wie man miteinander umgeht“, erklärt Katrin Gödicke. Auch im Zeitalter von Whats up und Facebook - das natürlich die Feinabsprachen der Proben stark vereinfacht – wäre das persönliche Gespräch überaus wichtig. „Wir hatten mehr Darsteller als Rollen. Damit alle dabei sein können, haben wir den ganzen Text umgeschrieben“, erklärt die Re­gis­seurin.

Nun hoffen die Darsteller, dass sich die Mühe lohnt und dass Heiligabend um 22 Uhr viele Zuschauer in der Sankt-Georg-Kirche die Geschichte verfolgen. Eine zweite Aufführung wird es am Tag der Heiligen drei Könige, 6. Januar, um 18 Uhr geben. Auf Tournee geht die Truppe auch wieder, denn am Sonntag, 3. Januar, spielen sie ihr Stück in der Partnergemeinde „St. Pauli-Matthäus“ in Braunschweig.