Weferlingen l „Wir sind mit der Ortslage Oebisfelde auf der Karte zum größten Teil im Überschwemmungsgebiet. Herr Löbe vom Unterhaltungsverband möchte uns heute zeigen, in wie weit die Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der Durchgängigkeit und Morphologie des Landgrabens erarbeitet wurde und wie die Hochwassersituation betrachtet wird“, erklärte Silke Wolf (Die Linke), Bürgermeisterin der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, der in Weferlingen tagte. Sie ergänzte einleitend: „Es wäre ja ein guter Schachzug, wenn wir einen Teil von Oebisfelde aus dem Überschwemmungsgebiet rausbekommen würden.“

Andreas Löbe, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Aller, erklärte, dass es seit fünf Jahren in Sachsen-Anhalt Förderrichtlinien mit einer 100-prozentigen Förderung für den Ausbau von Gewässern, zur Verbesserung der Gewässer- ökologie und der Durchgängigkeit gibt. Die ökologischen Aspekte an unseren Bächen und Flüssen würden - nach den Ausführungen von Löbe – immer größere Bedeutung für die Gesellschaft haben. In der ersten Förderperiode, die im letzen Jahr ausgelaufen ist, habe der Verband etwa 700 000 Euro umgesetzt. Hierbei wurde zum Beispiel in einem mehrjährigen Großprojekt die Verrohrung des Johannesteichgrabens im Ort Morsleben aufgenommen und zu einem offenen Gewässer umgestaltet.

Im Rahmen dieses Förderprojektes hat der Verband Studien zur Verbesserung der Durchgängigkeit des Landgrabens und zur Hochwasserproblematik eingereicht. Ziel sei es, den etwa 4,5 Kilometer langen Landgraben so zu gestalten, dass dort wieder mehr Leben reinkommt. „Leitlinie war von Anfang an, dass wir nichts gegen den Willen der Grundstückseigentümer und Bewirtschafter der Flächen machen“, betonte Löbe. Von den 50 unterschiedlichen Eigentümern hätten manche zugestimmt, andere wollten einen Ausgleich bekommen und manche stellen ihr Land nicht zur Verfügung.

„Das hat die Möglichkeiten natürlich stark eingeschränkt. Es wird also keine komplette Öffnung des Landgrabens geben. Das heißt, es wird keine ökologische Maximalvariante geben. Die zweite Variante ist, dass die Aller direkt am Wehr Gehrendorf durch eine technische Lösung durchgängig gestaltet und der Landgraben in seinem Bestand ökologisch aufgewertet wird. Wir müssen gucken, ob das Land auch eine solche Maßnahmen fördert oder nicht“, erklärte der Geschäftsführer.

Zum Vorhaben gehöre auch der Hochwasserschutz. „Dadurch, dass so große Flächen als Überschwemmungsgebiet ausgezeichnet sind, ist eine Erweiterung der Bauflächen nicht oder nur mit erschwerten Auflagen möglich“, bedauert Silke Wolf.

Am Landgraben gäbe es – nach Löbes Ausführungen – ein ganz kleines Detail, das große Auswirkungen hat. „Dort haben wir einen Damm, der das Allerwasser abhält, der aber dem heutigen Stand der Technik nicht entspricht. Daraufhin hat man die Anlage auf der Hochwassergefahrenkarte als nicht qualifizierte Hochwasserschutzanlage eingestuft. Der Damm wurde 2011 als quasi nicht existent angenommen und somit im Computermodell nicht mit berechnet“, beschrieb Löbe. Er erzählte, dass seine Oma sich noch an ein Hochwasser Ende der 1930er-Jahren in Oebisfelde erinnerte, wie es auch vom Computer in seiner räumlichen Ausdehnung ausgerechnet wurde (zum Beispiel Goethestraße nass, Schillerstraße trocken). Inzwischen habe es aber schon erhebliche Veränderungen und Ausbaumaßnahmen an der Aller gegeben, sodass ein Hochwasser besser abgeführt werden kann als damals. In der jüngsten Vergangenheit habe es keine ernsthafte Hochwassergefahr gegeben.

 In Schwanefeld sei die Aller mal kurzzeitig über die Ufer getreten. Dennoch gilt für den Hochwasserschutz in den Ortschaften ein Bemessungshochwasser, das statistisch ein Mal in 100 Jahren auftritt. Dies ist nun mal maßgeblich bei der städtebaulichen Planung. „Und das Thema Hochwasser sollte man nie auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn man es ein paar Jahre nicht gesehen hat“, sagte Löbe. Aktuell beproben und berechnen Experten aus Magdeburg die konkrete Situation vor Ort und werden bald mitteilen können, ob der Damm im Landgraben einem Hochwasser standhalten würde, auch wenn er nicht DIN-gerecht errichtet wurde. „Wenn die Stauanlage am Einlauf zur Mühlenaller ertüchtigt wird. Und auch der Damm den Belastungen standhält, könnte die Hochwasserkarte geändert werden“, schilderte er. Wenn der Damm nicht halten würde, gäbe es noch drei andere Möglichkeiten.

Die wahrscheinlichste Lösung wäre, dass die Stadt die Förderung für den kommunalen Hochwasserschutz mit einer Förderung von etwa 90 Prozent für die Kosten eines neuen Dammes nutzt. Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Landesbetrieb für Hochwasserschutz sich zu der Anlage bekennt. Dann müsste die Anlage vom Land ertüchtigt, betrieben und unterhalten werden. Diese Variante hält Löbe derzeitig für recht unwahrscheinlich. Die dritte Lösung wäre, dass der Verband einen Förderantrag stellt, um Ersatzlebensraum zu schaffen und den Hochwasserschutz zu sichern.

„Die Chance darauf ist gesunken, weil wir ja nicht alle Eigentümer für eine ,große Lösung‘ mit ins Boot holen konnten. Aber wenn wir in der Priorität des Landes nach oben rutschen, sind wir natürlich bereit, das Projekt umzusetzen“, ergänzte Löbe und versicherte, den Stadtrat über die weitere Erarbeitung der Studien auf dem Laufenden zu halten.