Fakten zur Kiefernbuschhornblattwespe im Landkreis Börde

Die Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe (Diprion pini) ist als gefährlicher Forstschädling bekannt, da die Larven Kiefernnadeln fressen. Sie fressen vorrangig an der Waldkiefer, jedoch auch an anderen Arten wie der Schwarzkiefer.

Zur Eiablage ritzt die Kiefernbuschhornblattwespe die Kiefernnadel ein. Anschließend verschließt das Weibchen die pflanzliche Wunde mit einem Sekret. Nach dem Schlupf fressen die Larven – dabei bleibt von der Kiefernadel nur die Mittelrippe stehen (Pinselfraß). Bei Massenvorkommen der Larven kann es zu immensen Schäden kommen. Das letzte Larvenstadium wandert den Kiefernstamm hinunter, spinnt sich in der Laubstreu ein und verpuppt sich im Kokon. Diese Kokons können mehrere Jahre überwintern. Es sind jedoch auch mehrere Generationen im Jahr möglich.

Im Raum Letzlingen hat 2009 nach einem nicht behandelten Fraß der Kiefernbuschhornblattwespe ein Pilzbefall die bereits geschwächten Kiefern zum Absterben gebracht. Aufgrund dieser Erfahrung wurden beim aktuellen Befall bei Klüden Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Auf diese Art soll an den Bäumen so viel Nadelmasse wie möglich erhalten werden, um die Gefahr durch mögliche Folgeschäden zu reduzieren.

In Sachsen-Anhalt sind auf einer Fläche von 610 Hektar stark befressene Kiefernbestände mit einem Insektizid behandelt worden, da sie durch die Fraßschäden in ihrer Existenz bedroht waren. Im Landkreis Börde wurden östlich von Klüden auf rund 93 Hektar und westlich von Tangerhütte auf 59 Hektar Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

(Quelle: Wikipedia/Landeszentrum Wald)

Klüden l Das rund 93 Hektar große Waldstück östlich von Klüden sieht nicht so aus, wie es aussehen soll. Die Kiefern in dem 600 mal 1500 Meter großen Gebiet sind kahl und abgefressen. „Wir hätten keine zwei Tage mehr warten dürfen, dann wären die Bäume tot gewesen“, macht Thomas Roßbach, Leiter des zuständigen Betreuungsforstamtes in Flechtingen, die Dramatik der Situation deutlich.

Vor kurzem musste das Waldstück überflogen und mit einem Insektizid besprüht werden, damit die Larven der Kiefernbuschhornblattwespe absterben. Den Baumschädling, der seinen Namen den buschig aussehenden Hörnern am Kopf (im ausgewachsenen Stadium) und seiner Lieblingsspeise verdankt, gibt es in jedem Jahr. Richtigen Ärger macht er aber erst, wenn er sich drastisch vermehrt. So, wie in diesem Jahr bei Klüden.

„Die Kiefernbuschhornblattwespe ist ein Bewohner der Kiefernwälder. Die eigentliche Schädigung geschieht, wenn die Wespe sich noch im Larvenstadium befindet“, erläutert das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalts auf Volksstimme-Nachfrage. Die Larven würden die Kiefernbäume durch Fraß an den Nadeln schädigen.

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In diesem Jahr habe sich aufgrund der günstigen Bedingungen, nämlich Wärme und Trockenheit, eine zweite Generation der Kiefernbuschhornblattwespe entwickelt. Durch den entstandenen Nadelverlust und Klimaextreme wie Trockenheit und Hitze im August und September seien die Bäume geschwächt worden, so das Landeszentrum Wald.

Den Schaden an den Bäumen stellten die zuständigen Förster im Rahmen des Waldschutzes fest, der dem Landeszentrum unterliegt. So werde die Entwicklung „forstlich relevanter Insekten“ überwacht, heißt es. Von Dezember bis Februar würden die Überwinterungsstadien verschiedener sogenannter Kieferngroßschädlinge untersucht werden. „Auf einem festgelegten Raster an Probeflächen werden aus der obersten Schicht des Bodens unter anderem Puppen, Raupen und Kokons gesammelt.

Diese sendet das Landeszentrum Wald an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen zur weiteren Untersuchung“, teilt das Landeszentrum Wald mit. Aufgrund der dort festgestellten Ergebnisse werden erforderliche Maßnahmen eingeleitet. So auch im Wald bei Klüden, wo 26 Bäume zur Probe gefällt wurden, um das Gebiet eingrenzen zu können, das mit einem Insektizid behandelt werden musste.

Etliche Förster und Auszubildende, auch aus angrenzenden Betreuungsforstämtern im Harz, in der Altmark und auch aus Dessau, halfen während der Probefällungen beim Auszählen der Larven. 1600 waren es an dem am stärksten befallenen Baum.

Den Kiefern bei Klüden, die auf nährstoffarmem Boden wachsen und durch die Trockenheit in diesem Jahr ohnehin geschwächt sind, können so viele Schädlinge den Rest geben.

„Deshalb musste alles ganz schnell gehen“, erläutert Thomas Roßbach. Die zuständige Forstliche Versuchsanstalt, Behörden wie der Landkreis Börde und auch Verbraucherschutzämter hätten in dem Fall reibungslos zusammen gearbeitet. Das betroffene Waldgebiet wurde für die Ausbringung des Schädlingsbekämpfungsmittels bis 48 Stunden danach gesperrt.

„Es wurde ein sogenanntes Kontaktinsektizid verwendet, das nur in die Kronen der Bäume gesprüht wird und erst beim Zusammentreffen mit den Larven seine Wirkung entfaltet – dafür sorgen Mikrokapseln“, so der Forstamtsleiter. Theoretisch würde von dem Mittel gar nichts an den Boden dringen. Und auch die verwendete Menge sei nicht groß gewesen – so seien sieben Liter des Mittels mit 5000 Litern Wasser vermischt und mit einer speziellen Methode auf die Kiefernkronen gesprüht worden.

„Es gibt aber strenge Vorschriften für den Umgang mit Insektiziden“, sagt Thomas Roßbach und verweist darauf, dass Pilzsammler bis zum 9. Oktober davon Abstand nehmen sollen, Pilze oder Beeren aus dem betroffenen Gebiet zu verzehren. Immerhin: Dass die Befliegung wirksam war, konnten die Förster durch erneute Proben mittlerweile zweifelsfrei feststellen.