Haldensleben l Das Jahr 2019 startet an der Haldensleber Fachschule für Landwirtschaft mit einem Novum: Erstmals in der 113-jährigen Geschichte der Bildungseinrichtung steht eine Frau an ihrer Spitze. Oder besser gesagt, zwei Frauen. Denn zum ersten Mal gibt es auch offiziell eine stellvertretende Schulleiterin.

In ihre neue Aufgabe als Schulleiterin hat Diplom-Agrarpädagogin Andrea Fritzsche schon im vergangenen Jahr hineinschnuppern können. Nach dem Weggang von Michael Springer hatte sie im April 2018 kommissarisch die Schulleitung übernommen. „Einer musste es ja machen“, meint sie lachend.

Im August ist die Schulleiterstelle dann offiziell ausgeschrieben worden. Andrea Fritzsche hat sich beworben und den Zuschlag erhalten. „Es ging auch darum, über einen längeren Zeitraum eine gewisse Kontinuität für die Zukunft der Schule zu bekommen“, nennt sie ihre Beweggründe. Viele ihrer Kollegen gehen mittelfristig in Rente, die anderen sind noch zu jung für diesen Posten. „Eine Voraussetzung war, dass man als Schulleiter mindestens eine fünfjährige Lehrpraxis vorweisen muss. Die konnten unseren jungen Kollegen noch nicht vorweisen“, so die Pädagogin, die mit ihren 50 Jahren noch ein wenig Zeit bis zum Ruhestand hat.

Für die anstehenden Herausforderungen steht ihr Anne Neuschrank zur Seite. Sie ist seit dem 1. Januar die stellvertretende Schulleiterin. Dieses Posten hat es so offiziell bislang auch nicht an der Schule gegeben. „Das ist aber lediglich eine Zusatzaufgabe, ansonsten bin ich in erster Linie Lehrkraft für Betriebswirtschaft, Mathematik und Mitarbeiterführung“, sagt die 27-Jährige. Die studierte Agrarwissenschaftlerin hatte sich beim Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung in Stendal schon ein wenig im Verwaltungsbereich umschauen können, bevor sie im August 2017 nach Haldensleben kam.

Unterstützung der Kollegen

Von ihren Kollegen erfährt Andrea Fritzsche die Unterstützung, die sie benötigt: „Ich bin ja körperlich eingeschränkt, doch die Kollegen helfen mir immer.“ Denn zu ihrem Leidwesen ist die Schule nicht barrierefrei. „Wir arbeiten aber dran, auch wenn es ein langer Weg werden wird“, hat die Schulleiterin schon ein künftiges Ziel festgemacht.

Darüber hinaus möchte sie die gute Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schüler weiter stärken. So soll das Curriculum – ein Lehrplan oder Lehrprogramm, das auf einer Theorie des Lehrens und Lernens aufbaut – gemeinsam erarbeitet werden. „Wir wollen die Schüler stärker in die Ausrichtung der Schule einbinden“, plant die Leiterin.

Doch auch mittelfristig gebe es einiges zu tun, ist sie überzeugt. Angesichts der Kollegen, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, hofft sie auf Referendarplätze für angehende Lehrkräfte. Denn dies sind vor allem Quereinsteiger, die Studienrichtung Agrarwissenschaften gekoppelt mit Lehrkraft sei zu einem Auslaufmodell geworden, bedauert Andrea Fritzsche. Sie selbst möchte sich daher auch nicht aus dem Unterricht zurückziehen. „Ich bin immer noch lieber Lehrerin Schulleiterin“, gesteht sie.

Vor sinkenden Schülerzahlen hat sie dagegen keine Angst. Derzeit lernen knapp 140 Schüler an der Fachschule, laut Fritzsche Tendenz steigend. „Landwirtschaft ist wieder spannend und interessant geworden, besonders auch im Hinblick auf die Ökoschiene“, so ihrer Erfahrung. Dazu suchen viele landwirtschaftliche Unternehmen Nachfolger für die Betriebsleitung. Auch die werden in Haldensleben ausgebildet.