Hundisburg l Für die einen ist der Wald ein Ort der Ruhe und Erholung. Andere wiederum sehen in ihm einen schützenswerten Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Und natürlich wird der Wald auch bewirtschaftet. In ihm wird gejagt und Holz produziert. Ist der Wald deshalb ein Streitfall? Antworten darauf gibt die neue Ausstellung im „Haus des Waldes“ auf Schloss Hundisburg. Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) als Schirmherrin durchschnitt am Donnerstag gemeinsam mit Hubertus Hlawatsch vom Förderverein „Haus des Waldes“ symbolisch ein Absperrband und gab damit den zahlreichen Gästen den Weg in den neu gestalteten Ausstellungsbereich frei.

Dieser war in den vergangenen vier Jahren konzipiert und in nur sechs Monaten umgebaut worden, um vor allem kindgerecht über das Thema Wald aufzuklären und Wissen zu vermitteln. Und das nicht nur mit Schautafeln, sondern mit zahlreichen Exponaten und interaktiven Stationen. Besonders glücklich zeigte sich Hubertus Hlawatsch, dass es gelungen ist, pünktlich zur Eröffnung eine extra entwickelte App freizuschalten, mit der die Besucher die Schau über vor Ort auszuleihende Tablet-Computer medial erkunden können. Für besonderen Spaß sorgt dabei die Suche nach den im Raum versteckten Dachsen.

Wer ohne Tablet den wie einen bunten Wald gestalteten Ausstellungsraum erkunden möchte, wird an jeder Station von drei gezeichneten Figuren empfangen, die dort ihre unterschiedlichen Sichtweisen zum jeweiligen Thema darlegen: die Naturliebhaberin Waltraud, die Umweltaktivistin Flora und der Wirtschaftsfachmann Waldemar. Für Hubertus Hlawatsch ein ganz wichtiges Element in der Besucherlenkung: Denn aus seiner Sicht hätten viele verlernt, andere Meinungen zur Kenntnis zu nehmen und sie zu akzeptieren, auch wenn sie selbst anderer Meinung sind. Allzu schnell würden Informationen nicht mehr hinterfragt, Fakten verdreht oder einfach ignoriert. Die neue Ausstellung soll durch die drei unterschiedlichen Betrachtungsweisen seiner Protagonisten den Blick schärfen und aufklären. „Wir müssen wieder mehr zum sachlichen Dialog kommen“, forderte auch Claudia Dalbert. Die neue Ausstellung leiste „einen wichtigen Beitrag für die Debatte, wie wir mit dem Wald umgehen“.

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Nachdenken über den Wald

Darüber hinaus sind die Besucher auch aufgefordert, dar-über nachzudenken, wie ihr Wald künftig aussehen könne. Dazu hat die Agentur ö_konzept aus Halle, das einst den Ideenwettbewerb gewonnen, die Schau konzipiert und letztlich umgesetzt hat, einen riesigen Kokon eingebaut, der quasi in den Baumkronen hängt und über eine Treppe erklommen werden kann. Im Innern der kugelförmigen Installation können die Besucher über Monitore ihren Wald der Zukunft selbst erschaffen. Nicht umsonst lobte Haldenslebens amtierende Bürgermeisterin Sabine Wendler das „Haus des Waldes“ mit seiner neuen Ausstellung als „attraktiven und innovativen Baustein“ im Schloss. Sie dankte dem Umweltministerium für die Finanzierung sowie dem Förderverein für die akribische Vorbereitung der Schau.

Laut Hubertus Hlawatsch konnten rund 430 000 Euro in die Konzeption und Umgestaltung der Ausstellung investiert werden. Das Geld stammt aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR. Weitere 55 000 Euro wurden für die Entwicklung der App und die technische Umsetzung ausgegeben. Dafür dankte Hlawatsch der Stadt Haldensleben, dem Landkreis Börde und der Lotto-Toto-Gesellschaft. „Das ist eine tolle Ergänzung. Und damit wird die Ausstellung eine runde Geschichte“, freute er sich. Die moderne Technik mache es außerdem möglich, schnell auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und den Ausstellungsführer zu aktualisieren.

Er hoffe nun auf viele Besucher, vor allem auf Kinder und Jugendliche an diesem attraktiven außerschulischen Lernort.