Haldensleben l Zu sagen, dass die Stadt Haldensleben in Sachen Ortsumgehung B 245 n noch nie so weit war wie jetzt, wäre nicht ganz richtig. Denn schon einmal war der Planfeststellungsbeschluss, also das Baurecht, für die Umgehungsstraße zum Greifen nahe gewesen – bis im Jahr 2012 IFA Rotorion dazwischengrätschte und für eine Betriebserweiterung aufgrund der damaligen rasanten Entwicklung des Unternehmens die Änderung des Trassenverlaufs wünschte. Nun steht die B 245 n wieder an derselben Stelle wie vor acht Jahren: Das Planfeststellungsverfahren befindet sich kurz vor dem Abschluss.

Auch die letzte Hürde scheint genommen. Die war in diesem Fall die Schaffung von Ersatzflächen für eine Ansiedlung der Feldlerche. Ausgerechnet den geplanten Trassenverlauf hatte sich der Vogel des Jahres 2019, der auf der Roten Liste steht, als Brutplatz ausgesucht. Daher forderte die Obere Naturschutzbehörde Ersatz. „Die Ausgleichsmaßnahme für die Feldlerche ist abgesichert“, erklärt dazu Stadtbauamtsleiter Holger Waldmann. Entsprechende Verträge mit Eigentümern und Pächtern der geeigneten und ausgewählten Flächen bei Brumby seien unter Dach und Fach. „Diese Flächen müssen jetzt nur noch textlich in die Unterlagen eingearbeitet werden, das dürfte kein großer Aufwand mehr sein“, vermutet Waldmann.

Lediglich erneuern lassen muss sich die Stadtverwaltung die wasserrechtliche Genehmigung für die Gesamtmaßnahme. Dafür ist die Kreisverwaltung zuständig. „Aber das ist bereits vorbesprochen“, gibt sich der Bauamtsleiter optimistisch.

Er geht davon aus, dass die Planfeststellungsbehörde – das Landesverwaltungsamt – den Planfeststellungsbeschluss Anfang des kommenden Jahres bestätigen wird. Mit seiner öffentlichen Auslegung würde er in Kraft treten und damit Baurecht für die Gesamtbaumaßnahme bestehen, so Waldmann weiter.

Baurecht im ersten Quartal

Auch der Bauherr, die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) Sachsen-Anhalt, geht davon aus, dass das Baurecht im 1. Quartal des kommenden Jahres vorliegen werde. Um Zeit zu sparen, laufen dort bereits die Vorbereitungen und Abstimmungen für die weiteren Planungen. „Bevor die eigentlichen Bauarbeiten (...) beginnen können, erfordert es die Erstellung der Ausführungsplanung sowie die Durchführung bauvorbereitender Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem archäologische Untersuchungen, Leitungsumverlegungen und die Einholung von Bauerlaubnissen“, macht Ulrike Schäfer, Fachbereichsleiterin Straßenbau bei der LSBB, deutlich.

Das Bauvorhaben selbst soll in mehreren Bauabschnitten realisiert werden. „Aufgrund der Komplexität der Maßnahme, welche sich durch den Streckenbau, den umfangreichen Ingenieurbau für Brücken, Stütz- und Lärmschutzwände, die Gehölzfällungen, den Umweltschutz und Landschaftsbau, die Archäologie und den Grunderwerb ergeben, wird avisiert, die Bauvorbereitung für den ersten Abschnitt im 4. Quartal 2022 abzuschließen. Der Baubeginn für den ersten Abschnitt könnte dann im 2. Quartal 2023 erfolgen“, nennt Ulrike Schäfer den groben Zeitplan. Die Fertigstellung der gesamten Ortsumgehung wäre demnach im 4. Quartal 2026 möglich, so die Fachbereichsleiterin weiter.

Damit wäre die Gesamtbaumaßnahme aber noch nicht abgeschlossen. „Wenn die Ortsumgehung in Betrieb ist, dann geht es mit der Sperrung der Hagenstraße und dem Bau des Tunnels unter dem dortigen Bahnübergang weiter“, nennt Holger Waldmann die folgenden Schritte. Und ist der Tunnel fertiggestellt, werden die Bahnübergänge an der Töberheide und der Althaldensleber Straße geschlossen. Lediglich Fußgänger und Radfahrer kommen dann über eine neue Brücke auf die andere Seite der Stadt. So ist es in der im Jahr 1996 getroffenen und im Jahr 2017 fortgeschriebenen Kreuzungsvereinbarung zwischen dem Bund, der Bahn und der Stadt Haldensleben festgeschrieben.

„Gleichzeitig mit den Ausführungsarbeiten für die B 245 n wird bereits die Planung für den Tunnnelbau laufen“, möchte der Stadtbauamtsleiter das Projekt zügig vorantreiben. Unklar ist aber noch, wer für die Planung verantwortlich zeichnen wird. Im Augenblick ist es noch die Stadt als Bauherr. Die Bahn hatte es bislang aus Kapazitätsgründen abgelehnt, den Tunnel zu planen. „Wir suchen hier noch nach einer Lösung“, versichert Waldmann.