Weferlingen l Zwischen mucksmäuschenstill und lautstarkem Protest schwankte die Stimmung bei einer ungewöhnlichen Märchenaufführung in der Weferlinger Lambertikirche. 260 gespannte Augenpaare richteten sich auf die eigens aufgebaute märchenhafte Kulisse vor dem Altarraum. Sie alle wollten wissen, warum „Der Froschkönig streikt“, so nämlich lautete der Titel des Stückes, das mit ganz viel Engagement von Eltern und Kindern in den zurückliegenden Wochen und Monaten vorbereitet und einstudiert worden war. Nina Hoffmann als Erzählerin schlug ein ziemlich verstaubtes Märchenbuch auf, und schon konnte es losgehen.

Wer aber ein ganz normales Märchen erwartet hatte, der musste sich schnell eines Besseren belehren lassen. Denn es steckte gleich ein ganzes Märchenbuch voller Geschichten in der Geschichte.

Im Märchenland der Brüder Grimm herrscht nämlich das blanke Chaos. Keiner will mehr Märchen lesen, Kinder spielen lieber am Handy oder Konsolen und darum verkümmern die Märchenfiguren, langweilen sich, hecken Streiche aus oder verweigern ganz einfach ihre Dienste.

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Die Hexe aus dem Knusperhäuschen ist schon ganz verzweifelt, weil Hänsel und Gretel sich nicht mehr bei ihr blicken lassen. Beim Kaffeetratsch mit Frau Holle, die von der Kirchenempore aus ihre Betten ausschüttelt, hat die Hexe ein neues Plätzchenrezept erhalten, dass sie ausprobiert und ernsthaft überlegt, aus ihrem Knusperhaus ein Café „Zum knusprigen Lebkuchen“ zu gestalten. Und vielleicht wären auch ein paar Fremdenzimmer im Haus nicht das Schlechteste.

Es würde sich lohnen, denn seit Schneewittchen in den Putz-Streik getreten ist, bleiben die sieben Zwerge hungrig, wenn sie abends von der Arbeit kommen.

Der Froschkönig hingegen lässt sich von der Prinzessin nicht mehr länger an die Wand klatschen und taucht auch nicht nach der goldenen Kugel, denn keiner will mehr wissen, wie es ihm ergeht. Darum tritt auch er wie Rotkäppchen, Rapunzel und Rumpelstilzchen in den Streik.

Doch wollen wir wirklich solch ein Chaos im Märchenbuch. Nina Hoffmann kann es sich nicht vorstellen und überlegt gemeinsam mit dem Publikum, was zu tun sei, um alle Figuren wieder in ihre Märchen zu bekommen. „Magie“ scheint die Lösung, und alle Zuschauer sprechen sich dafür aus, so dass ein geheimnisvoller magischer Schauer von dem Empore herunterrieselt. Und tatsächlich, da findet sich doch noch ein Kind, das Märchen lesen möchte - und rettet damit den ganzen Märchenwald vor dem endgültigen Chaos.

Die Laienschauspieler vor der prächtigen Kulisse, Marke Eigenbau, ernteten stürmischen Applaus und ließen sich sogar für eine kleine Zugabe begeistern, ehe sie gemeinsam ausmarschierten, um ihre Spendenhütchen am Ausgang zu öffnen.

Immerhin stand hinter der Aufführung der Benefizgedanke. Es gilt, für die Kirche eine Akustikanlage anzuschaffen, um die Beschallung zu verbessern. Die Schauspieler waren übrigens alle mit Headsets ausgestattet, so dass sie gut auch in den hinteren Reihen zu verstehen waren.

Schon eine Stunde vor der Aufführung öffnete das Gotteshaus mit einem Kaffee- und Kuchenbuffet seine Tore. Vor der Kirche luden Tische und Stühle zum Verweilen ein.

So kamen schließlich an diesem unterhaltsamen Nachmittag für Groß und Klein rund 1600 Euro zusammen. Wäre schön, wenn du auch beides erwähnen könntest.

Die Organisatoren nahmen mit großer Freude auf, wie gut das Kirchentheater besucht war.

Pfarrer Thomas Vesterling fand viele herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung für alle, die hinter und vor den Kulissen mitgeholfen hatten - und natürlich für das Publikum, das letztendlich dafür gesorgt hatte, dass die Veranstaltung so gut besucht war und großen Anklang fand.