Vahldorf l Erneuerbare Energien sind die Zukunft. Doch was tun, wenn die Sonne nicht scheint und Windstille herrscht? Eine Alternative heißt Biogas. Und dieses soll künftig im Gewerbegebiet bei Vahldorf produziert werden.

Die Idee, eine Biogasanlage in unmittelbarer Nähe des Mittellandkanals und rund 600 Meter vom Ortskern entfernt zu bauen, stammt bereits aus dem April 2017. Damals hatte Henrik Borgmeyer das Konzept beim Hauptausschuss der Gemeinde Niedere Börde vorgestellt. Borgmeyer ist Geschäftsführer von BioConstruct, dem für den Bau verantwortlichen Unternehmen aus dem niedersächsischen Melle, welches bereits mehr als 300 Anlagen dieser Art in ganz Europa geplant und gebaut hat.

600 Meter bis zum Ortskern

Der Vorschlag stieß damals auf großes Wohlwollen seitens vieler Hauptausschuss-Mitglieder. „Das kann ich nur befürworten. In unserer Gegend bietet sich eine Biogasanlage an. Die Landwirtschaft ist ja da“, urteilte beispielsweise Gerhard Schmidt. Der Vorsitzende des Gemeinderats, Burkhardt Wohlfarth, nannte es „eine Chance, dem Gewerbegebiet mehr Leben einzuhauchen.“

Und auch Nils Schufft, ehemaliger Ortsbürgermeister sagte: „Die Anlage würde am geplanten Standort niemanden stören. Das wäre eine gute Sache.“ Dies bekräftige Henrik Borgmeyer nun noch einmal: „Wir haben Gutachten erstellen lassen und die Geruchsgrenzwerte werden nicht überschritten.“ Nichtsdestotrotz könne er nicht vollends ausschließen, dass bei extrem ungünstiger Wetter- und Windlage Gestank in Richtung Vahldorf ziehe. Dies werde aber nur kurze Zeiträume betreffen.

Bislang keine Einwände

Zugleich betonte Borgmeyer, dass ihn weder vom Ortschaftsrat, noch seitens der Einwohner Vahldorfs Beschwerden oder Einwände bezüglich des Projekts erreicht hätten.

Somit konnte nun der erste Spatenstich erfolgen und der Bau in die Wege geleitet werden. Im Sommer 2019 wird die Biogasanlage dann voraussichtlich in Betrieb genommen werden. Sie wird dann rund 700 Kubikmeter Biomethan pro Stunde gewinnen, was umgerechnet Strom und Wärme für 22.000 Menschen bedeute.

Erster Spatenstich erfolgt

Dieses Biomethan werde ins Avacon Netz eingespeist und an Eon verkauft, wo es wiederum als Energie an die Endverbraucher weitergegeben wird. Um die angestrebten Mengen an Biomethan zu erzeugen, sollen in der künftigen Vahldorfer Biogasanlage 70.000 Tonnen Rohstoffe pro Jahr verarbeitet werden. Neben Geflügelmist aus dem direkten Umland zählen auch Mais, Zuckerrüben und Getreidesilage zu den Produkten, die in der Anlage zu Biogas umgewandelt werden können. Diese Rohstoffe sollen dabei alle aus einem Umkreis von 15 Kilometern kommen. Weitere Anfahrtswege seien nicht rentabel.

Die Biogasanlage käme wiederum auch den örtlichen Landwirten zugute. Denn als Nebenprodukt der Biogasherstellung entstehen Gärreste, die aufgrund ihres hohen Nährstoffgehalts zugleich wieder als Dünger genutzt werden können. Durch die Betreiberfirma Agrarenergie Vahldorf sollen zudem Arbeitsplätze „für Handwerker wie Heizungsbauer und Elektrotechniker entstehen“, so das Unternehmen.

Betriebsstart im Sommer 2019

Zugleich räumte Henrik Borgmeyer bei der Vorstellung des Projektes im vergangenen Jahr ein, dass für den Betrieb der Biogasanlage selbst in der Regel lediglich drei Mitarbeiter benötigt würden. Ein weiterer Vorteil für Vahldorf und Umgebung soll jedoch die Gewerbesteuer sein, die der Geschäftsführer von BioConstruct bei jener Präsentation auf 50.000 bis 100.000 Euro pro Jahr geschätzt hatte.

Als letzten Punkt nennt Henrik Borgmeyer den Wirkungsgrad einer Biogasanlage: „Die Energiegewinnung ist hocheffizient. Moderne Biogas-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erreichen einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent, während konventionelle Großkraftwerke aufgrund der fehlenden Wärmenutzung in der Regel nur Wirkungsgrade von bis zu 50 Prozent erreichen.“